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ausreichte, griff er zum Verrath, und die Bauern unter­lagen nach tapferer Gegenwehr. Bei 3 ab cm wurden sie waffenlos während der Unterhandlungen überfallen und zu Tausenden von den wüthenden Landsknechten niedergemacht. Der Glücksstern der Bauern schien im­mer mehr zu sinken.

Thomas Münz er's Triumph, Kampf und Untergang.

Nachdem Münzer die Flamme deS Aufruhrs im El­saß und in Franken angefacht hatte, kehrte er nach Thü­ringen zurück, um dort die Revolution zu organisiren. Einen Augenblick wurde er in Fulda verhaftet, aber bald wieder frei gelassen. Einige Tage später zog er tri- umphircnd in Mühlhausen ein, wo in seiner Abwesen­heit seine Freunde, namentlich Pfeifer, durch Wort und That vorgearbeitet hatten. Lange vor der Ankunft Münzers, war Luthers Brief gegen den Mordpro- phetcn an den Magistrat der Stadt gelangt. Auch erhielt er Befehl, Stadt und Gebiet zu verlassen; Mün­zer aber antwortete:Genug deS WegjagenS. An mir ist cS jetzt zu befehlen und nicht zu gehorchen." Noch denselben Tag versammelte er seine Freunde, der Ma­gistrat der Stadt wurde entfernt und Münzer, der zum Oberprediger der Stadt ernannt ward, schlug seinen Sitz im Johanniterhof auf. Es geschah dieß am 17. März 1525. Von diesem Augenblick an war Münzer, wie oben erwähnt, das einzige, unumschränkte Haupt der Stadt. Er schuf einen permanenten christlichen Rath und ließ sich von den Bürgern durch einen christlichen Eid huldigen. Nicht eine Zwangsmaßregel nahm Mün­zer vor. Er, der Eiferer der Rache, bediente sich nur des Wortes, nie aber deS Schwertes. Die Stadt Mühlhausen war für seine Lehren und Grundsätze so begeistert, daß sic seinen Wünschen zuvorkam! Münzer selbst lebte einfach aus dem Johanniterhofe, und seine Sitten, was auch seine Verleumder sagen mögen, blie­ben rein und edel wie zuvor.

Münzers Plan war keinesfalls, gleich die Fahne des Aufruhrs zu erheben. Er kamuc die Thüringer Bauern; er wußte, daß sie bei weitem hinter den schwäbischen und den Elsässern zurückblieben. Sie waren in den Waffen nicht geübt und größtentheils kümmerliche Tag- löhncr. Nur auf eine Klasse glaubte Münzer zählen zu können. Es waren dies die starken und wüthigen Bcrgmänncr des Erzgebirgs und im Mansfeldischen, die von einem ganz andern Schlage als die thüringischen waren. An diese erzgebirgischen Bergmänner schrieb er folgenden Brief:

Vielgeliebte Brüder!

Die reine Furcbt Gottes zuvor. Wie lange schlaft ihr noch? Wie lange seid ihr Gott seines Willens nicht geständig; Wie oft habe ich euch gesagt, daß cs so sein muß. Gott kann sich nicht länger offenbaren. Ihr müßt stehen. Thut ihr's nicht, so ist das Opfer, ein herzbetrübendes Leid, umsonst. Ihr müßt danach wieder in Leiden kommen. Das sage ich euch, wollt ihr nicht um Gottes Willen leiden, so müßt ihr des Teufels Märtyrer sein. Drum hütet euch! Seid nicht verzagt, nicht nachlässig, schmei­chelt nicht länger den verkehrten Phantasien, den gottlosen Bösewichtern sahet an und streitet den Streit des Herrn. Es ist hohe Zeit. Haltet eure Brü­der all dazu, daß sie göttliches Zeugniß nicht verspotten, sonst müssen sie alle verderben. Das ganze Deutsch­französisch und Welschland ist erregt. Der Meister will ein Spiel machen, die Bösewichter müssen d'ran. Die Bauern im Klettgau, im Hegau, im Schwarzwald sind mehr als 30,000 stark, und wird der Hause je länger, desto größer. Wo eurer nur drei seid, die in Gott ge­lassen, allein seinen Namen und seine Ehre suchen, wer­det ihr Hunderttausende nicht fürchten."

Nur d'ran! d'ran! d'ran! ... ."

Es ist Zeit. Die Bösewichter sind verzagt wie die

Hunde. Reget die Brüder an, daß sie zu Fried kom­men und ihr Gezeugniß halten. Es ist über die Maaßen hoch, hoch von Nöthen."

D'ran! d'ran! d'ran! . . . ."

Lasset euch nicht erbarmen, ob cnch der Esau gute Worte vorschlâgt. Sehet nicht an den Jammer der Gottlosen. Sie werden ench so freundlich bitten, grei­nen, flehen; flehen wie die Kinder. Lasset es euch nicht erbarmen, wie Gott durch Mosen befohlen hat. Uns, uns hat er auch dasselbe offenbaret. Reget an in Dör­fern und Städten, und sonderlich der Berggesellen mit andern guten Burschen. Wir müssen nicht länger schla­fen. Ihr müsset d'ran, d'ran, eS ist Zeit! . . . ."

Ich habe die Botschaft erhalten. Ich kann es jetzt nicht anders machen. Selbst wollte ich den Brüdern Unterricht geben, daß ihnen das Herz viel größer sollte werden, denn alle Schlösser und Rüstung der gottlose«; Bösewichter auf Erden."

D'ran, d'ran, dieweil das Feuer heiß ist! . . ." ~Lasset euer Schwert nicht kalt werden von Blut. Schmiedet Pinkepank auf dem Ambos Nimrod; werf: ihm den Thurm zu Boden. Es ist nicht möglich, die- weil sic leben, daß ihr der menschlichen Furcht sollt los werden. Man kann euch von Gott nichts sagen, die­weil sie über euch regieren."

"D'ran, d'ran, d'ran, dieweil ihr Tag habt."

Gott gehet cnch für. Folgt ihm!"

Gott ist mit euch, wie geschrieben steht. Dies sagt Gott ihr sollt euch nicht fürchten, ihr sollt diese große Menge nicht scheuen. Es ist nicht euer, sondern des Herrn Streit. Stellet euch für wahr männlich. Ihr werdet sehen die Hülfe des Herrn über euch."

Seid Männer, und Gott wird Gott seich" Gegeben Mühlhausen im Jahr 1525.

Thomas Münzer, ein Knecht Gottes wider die Gottlosen."

(Forts, folgt.)

Neueste Nachrichten.

Frankfurt, 24. Mai. (FünfteSitzung der Reichs­versammlung.) Je größer der Sturm sein wird, den Hannover, Baiern rc. durch ihr Streben gegen die deutsch- Einheit und die Beschlüsse des Reichstags Hervorrusen werden, um so achtungswerther, um so ruhmvoller er­scheinen uns die intelligenten Stimmen, welche wir aus ihrer Mitte vernehmen. Es ist unmöglich, daß das vaterlandsverrätherische Streben Hannover's, Baiern's gegen den in dieser Versammlung lebenden Geist den Sieg davon tragen werde. Man höre nur folgende An­träge , welche von folgenden Rednern gestellt wurden 1) Vogt: Auflösung des Bundestags und Begründung einer Centralgewalt; 2) Klette und Pagenstecher: Ein­setzung eines Direktoriums als Central-Erekutivgewalt; 3) Mohl: Abschaffung des Adels, seiner Titel- und Vorrechte; 4) Schmid: Abschaffung der Todesstrafe für politische Verbrecher: 5) Lassanlr, Matty, Gagern, Jaup: Sicherstellung der Reichsversammlung gegen äu­ßere Gewalt; 6) Heckscher und Mühlfeld: Abschaffung der Flußzölle; 7) Nauwerk: Ausschuß von 30 Mitglie­dern zur Begutachtung der Arbeiter-, Handels- und Er- werbsfragen; 8) Wilhelm Schulz: das deutsche Volksheer.

Man vergleiche diese Anträge mit dem erbärmlichen Wesen der früheren deutschen Landtage, man vergleiche sic mit den Verhandlungen des englischen Parlaments und der französischen Nationalversammlung und versage der Versammlung noch länger sein Zutrauen! Wenn dieser herrliche Geist fortlebt durch alle Sitzungen, wenn dem stolzen König von Preußen noch, wie es scheint, sein Hochmuth gebrochen, wenn er tüchtig unter den Willen des Volks gebeugt wird, dann werden die ver- rätherischen Plane Hannovers und Baierns zu Schande werden und das Vaterland frei und einig aus dem Kampfe hervorgehcn!

Verantwortlicher Redacteur: Fr. EmminghauS. Druck der I. A. S tein'schen Buchdruckerei zu Wiesbaden.