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geflüchtet ist. Es stürzen die Stühle der Gewaltigen, Gott hält ein Weltgericht. Die Feinde der Freiheit schreien über die Rohheit deS Volkes und beklagen den guten Kaiser. DaS ist doch eine wahre Schändlichkeit und Dummheit. Wie soll denn durch Censur, Spio- nensystem, Jesuitenherrschaft und Unterdrückung aller Art Bildung ins Volk kommen. Diese Schurken haben daS Volk Jahrhunderte lang zu einer Bestie, zu einem Thier erniedrigt und nun verwundern und beklagen sie Ach, wenn daS Volk wild und unbändig ist. Hier erkennt man die Wahrheit der Worte unsers großen Schiller:

Vor dem Sklaven, wenn er die Kette bricht,

Vor dem freien Manne erzittert nicht."

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Geschichte des deutschen Bauernkrieges.

Von Dr. Iulius. (Fortsetzung.)

Artikel 8. Alle Straßen sind frei. Alles Umgeld ist ab.

Artikel 9. Keine Steuer, als alle zehn Jahre einmal die Kaisersteuer. (Matthäi 22.)

Artikel 10. Nur eine Münze in deutscher Nation.

Artikel 11. Gleiches Maß und Gewicht überall.

Artikel 12. Beschränkung des Wuchers der großen Wechselhäuser, die alles Geld in ihre Hände zie­hen und Arm und Reich ihres Gefallens beschätzen und beschweren.

1 Artikel 13. Freiheit der Adels von jedem geist­lichen Lehenverband.

Artikel 14. Aufhebung aller Bedürfnisse der Für­sten, Herren und Städte. Ueberall nur Schirm und Schutz des deutschen Kaisers!

Nie ist ein größeres Meisterstück der Gesetzgebung und der Sprache zugleich aus einer deutschen Feder hervor­gegangen. Da ist jedes Wort groß, klar, durchsichtig, xtzel, unübertrefflich. ES gibt keinen deutschen Wunsch, (und kaum einen frommen Wunsch in unseren Ta­gen) der nicht in diesen 14 Artikeln enthalten wäre. DaS Größte daran ist, daß, indem die Mißbräuche ab­geschafft, zugleich dem Rechte und der Vernunft ein neuer Tempel der Zukunft auf historischer Grundlage gebaut wird. Kaiser und Volk reichen sich darin brü­derlich die Hand. Dem Adel, der Geistlichkeit weist er ihr natürliches Recht an; wie Jesus, jagt er die Wechsler und Wucherer zum Staate hinaus. Es gibt nicht leicht eine Republik, die je Größeres, Freieres, Menschlicheres angedcutet, als daS deutsche Kaiserreich Hipplers.

D er Weingarter-Vertrag. Schlacht von Böblingen.

Wendel Hippler sollte jedoch die Früchte seines Stre­bens nicht ernten. Die Aristokratie trat seinen Reform­plan mit eisernem Fuße zu Boden und ersäufte ihn im Blute der Bauern.

Im Donauthal war unterdessen die Sache der Bauern schon entschieden. Hier stand der Herr Georg Truch­seß mit dem Heere des schwäbischen Bundes ihnen ge­genüber, der vorher bei Würzburg, Leipheim und Wurzach meist durch Vcrrätherei Vortheile über sie errungen und viele Bauern erstochen und gerichtet hatte. Plötzlich aber änderte sich die Sache. Nach dem Blutbad von Wurzach vereinigte sich dieser noch 5000 Mann starke Bauern­hausen mit dem Seehaufen unter Eitel Hans Ziegel­müller, welcher auf 10,000 Mann geschätzt wird, worun­ter viele gute Kriegsleute. Vergebens griff der Truch­seß den Haufen bei Gaisbeuren an; vergebens suchte er ihnen durch List das Terrain abzugewinnen. Die Bauern waren diesmal klug und nahmen eine sehr feste Stellung bei Weingarten, ihr Geschütz auf dem St. Blasienberge. Dem Truchseß, der durch seine Kund­schafter wußte, daß 8000 Bauern aus dem Oberallgau und 4000 aus dem Hegau unterwegs waren, um zu

Eitel Hanâ zu stoßen, der zudem vom schwäbischen Bunde begehrt wurde, um anderwärts den Krieg zu führen, wurde unheimlich; er hatte keine Hoffnung zu siegen und hatten die Bauern wacker angegriffen, so hätten sie ihn wahrscheinlich vernichtet und dadurch dem ganzen Kriege eine andere Gestalt gegeben. Da knüpfte der Truchseß Unterhandlungen an und es gelang ihm wirk­lich mit jenen zahlreichen Haufen vom Ried, vom All- gau und vom See, ehe sie sich mit den Hegäuern und Schwarzwäldern vereinigt hatten, einen Vertrag ab­zuschließen, worin ihnen Abhütfe ihrer Beschwerden ver­sprochen wurde, wenn sic sich zerstreuten. Es war ein gewaltiger Schlag für die Sache des Volkes, dieser Vertrag zu Weingarten am 17. April 1525.

Es war ein Unglückstag für die Sache der Bauern. Siebzehntausend Mann hatten die heilige Sache ihrer Brüder hintenansetzend, zu ihrem scheinbaren Nutzen die Waffen niedergelegt und dem Feinde, der in ihrer Ge­walt war, die Hand gereicht. Von nun an zeigte sich die launige Siegesgöttin immer seltener den Bauern die ihr feig den Rücken gekehrt hatten. Sie verläßt sie und geht zum Truchseß über. Ueberhaupt wußten im gan­zen Kriege die Bauern nicht dreimal ihre Kraft und die gute Gelegenheit zu benutzen. (Forts, folgt.)

Verschiedenes.

In der Gegend von Karlsruhe übte sich vor Kurzem eine Anzahl bewaffneter Knaben in den Waffen. Sie theilten sich in 2 Rotten, wovon eine die Freischaaren unter Hecker und Struve, die andere aber die Bundestruppen unter General von Gagern vorstellcn sollte.

Der Kampf begann und wurde so heftig geführt, daß ein Knabe, der den Hecker agirte, seinen Gegner, den Gagern dermaßen schlug, daß letzterer nach 24 Stunden den Geist aufgab.

Neueste Nachrichten.

Zweite Sitzung der Landstände,

24. Mai.

Diese Sitzung unter dem Herrn Alterspräsidenten Müller dauerte über 3 Stunden, in welcher Zeit daS Protokoll der ersten Sitzung vom 22. Mai verlesen, die zahlreichen Petitionen mitgetheilt, die Wahlen ge­prüft, von Herrn Dekan Keim die Dankadresse an Seine Hoheit den Herzog verlesen und zur Wahl eines Präsidenten geschritten wurde. Die Abstimmung ergab 27 Stimmen für Prokurator Schenk, 25 Stimmen für iAmtssekretär Wirth und 14 für Gergen s. Die nächste Sitzung ist auf Freitag 9 Uhr Morgens anberaumt.

Pcsth, 17. Mai. Die höchste Gefahr ist nunmehr da! Unsere Regierung erhielt einen Kourier vom Gene­ral I. Hrabowsky, kaiserlichen Regierungskommifsär über die Mililârgrcnze, Kroatien ic., welcher den jeden Au­genblick drohenden Einfall wohlbewaffneter Schaaren auS Serbien meldet. Die Kundschaf­ter des Generals Hrabowsky gegen die Zahl der Feuer­gewehre auf 100,000 an, welche den Serbiern zu Ge­bote stehen. Auch mehrere Kanonen haben sie. Viele Serbier im Banat warten nur den Einfall ihrer Stamm­genoffen ab, um sich ihnen offen anzuschließen. Auf solche Nachricht versammelte sich der Ministerrath sofort beim Erzherzog Stephan und sandte dem General Hra- bowöky die Ordre zu, sogleich einen Militärkordon ge­gen die serbische Gränze zu ziehen und nur ausnahms­weise Handelsreisende herüber oder hinüber zu lassen, die ganze untere Gegend in Kriegszustand zu erklären, den verdächtigen Serbiern im Banat die Waffen abnehmen zu lassen und endlich über die dortige Presse selbst die Oberaufsicht zu führen. Zugleich hat die Regierung be­schlossen, sofort die Bildung von Freiwilligenkorpö, vor­läufig 10,000 M. stark, ins Werk zu setzen, und der bezügliche Aufruf ist eben erlassen worden. Die Frei-