allen Thatsachen die für oder gegen Herrn Sccbode sprechen. Wir bitten diese Zusendungen zu fraukiren und mit der Namcnsunterschrift des Einsenders zu versehen, da cs unS nicht um Verleumdung, sondern um Wahrheit zu thun ist. — Wir werden alles veröffentlichen, was sich für die Veröffentlichung eignet und wir werden sehen, ob Herr Schulrath Scebode, wenn er wirklich „unmöglich" geworben sein wird, und in seine Heimath zurückkehrt, dennoch von unserm armen Volke 2600 Gulden erhält.
Deutschland.
Frankfurt, 19. Mai. Aus der heutigen Sitzung der Bundesversammlung heben wir unter Anderm Folgendes hervor: Aus einem Berichte dcö Marineaus- schusscs wurden die Maßregeln entnommen, welche wegen wirksamen Schutzes der deutschen Nordküste ergriffen worden sind. Um zu der Einführung der nothwendigen Freiheit des innern Verkehrs und zu einem großen einheitlichen deutschen Handels- und Zollsystem in möglichst kurzer Frist gelangen zu können, beschließt die Bundesversammlung, au die sämmtlichen jetzt noch durch verschiedene Zollsysteme getrennten deutschen Bundesstaaten, nämlich: 1) an Oesterreich, 2) an Preußen und die mit Preußen in einem Zollvereine verbundenen Staaten, 3) an Hannover und die mit ihm im Steuer- verein verbundenen Staaten, 4) an das Herzoglhum Holstein, 5) an die beiden Hcrzogthümcr Mecklenburg, 6) an die drei freien Hansestädte Lübeck, Bremen und Hamburg die Aufforderung ergehen zu lassen, sofort sachverständige Männer hierher nach Frankfurt zu senden, welche über ein gemeinschaftliches Handels- und Zollsystem sich zu verständigen und die geeigneten Vorschläge zur Ausführung zu machen haben. Der Gesandte von Braunschweig beantragt die Ergreifung von Maßregeln, wegen gleichförmiger Bildung der Landwehr neben der Bürgerwehr. Dieser Antrag wird dem Militärausschuß zugewiesen. (D. Z.)
(Mainz, 22. Mai. Wer gestern hier war, der konnte sich überzeugen, was cs mit der Deutschen Einheit zu bedeuten hat. Ter Haß des preußischen Militärs gegen die Mainzer Bürger hat einen solchen Höhepunkt erreicht, daß eS gestern zu einem förmlichen Gefechte und zu einem Treibjagen auf die Preußen kam. — Wie in der ganzen Welt, so ist auch am Rhein, das einfältige hohle Preußenthum beim Volk verhaßt, das Butbad in Berlin vom 18. März, das Schinderregimcnl in Posen, die Zurückberusung des abscheulichen Prinzen von Preußen, alles dieses treulose, heimtückische Wesen, was von jeher in Berlin seinen Sitz hatte, ist keineswegs geeignet, diesen glühenden Haß zu schwächen. Dazu kommt der Sieg Wrangels in Dänemark, den die Preußen als eine Ehre nur für Preußen wollen gelten lassen. Deßhalb tragen auch alle preußischen Soldaten die schwarz-roth-goldene und die preußische Kokarde zugleich, d. h. aus deutsch: „Wenn unser König nicht in Frankfurt zum Reichsoberhaupte gewählt wird, so reißen wir die deutsche Kokarde ab." O dieses verkehrte Preußenthum! es wird Deutschland stürzen. — Wahrlich unser Feind, d. h. der Feind Deutschlands ist weniger bei den Freischaaren Hecker's und Struve'S, als in Berlin, diesem Sodom und Gomorrha der neuem Zeit! In Berlin ist der Kopf der giftigen Schlange, welche Deutschland erdrückt. Daher müssen die Blicke aller freien Männer nach Berlin gerichtet sein, dann dort werden die Ketten geschmiedet, dort sitzen die großen Lügner und Betrüger, von dorten ist noch nie etwas anderes ausgegangen als Lug, Trug und Verrath. — Es wurde scharf geschossen, einige Preußen und ein Bürger sollen geblieben sein. — Der Abgeordnete Zitz hat den Auftrag erhalten, beim Parla- lamente darauf anzutragcn, daß alles preußische Militär aus Mainz verlegt und bei allen deutschen Truppen eine gleiche Uniform eingeführt werde, indem die verschiedenen Uniformen ein Hauptmittel unserer Fürsten sind, Deutsche gegen Deutsche zu hetzen und das Vaterland und die Freiheit zu verderben.
Berlin, 16. Mai. Dem König von Preußen fängi es an, unheimlich in Berlin zu werden, er will seine Residenz nach Hinterpommern verlegen
Altenburg in Sachsen, 18. Mai. Wie es jetzt in Deutschland braust und gährt! Ein großer Theil unseres Volks nicht allein im Süden, sondern auch im Norden, hat an der Monarchie allen Geschmack verloren. In dem sonst so stillen Altenburg ist die republikanische Parthei beinahe alleinherrschend, waS für eine Residenzstadt viel sagen will. Advokat Erbe steht an der Spitze. Ein Verein, der sich im andern Sinne gebildet hattk, wurde von Erbe und seinen Anhängern auseinander gesprengt. —
RendSburg, 15. Mai. ES befinden sich jetzt zwischen 8 und 900 (nach einer näheren Angabe 873 Dänen, darunter 27 Offiziere und eine große Anza: von Offizieraspiranten in unserem Lande in Gefangenschaft. Außerdem sollen 47 dänische Offiziere todt ober verwundet sein. (D. Z )
Wien, 15. Mai. Obgleich der Fürst Metternics fortgejagt worden ist, so können sich doch seine Nach folger nicht recht in die neue Freiheit finden und sie machen immerwährend Versuche, die junge Freiheit zu verkümmern und nièvbrzu treten. — Aber das Volk hat seine Kraft kennen gelernt, eS weiß jetzt, daß die Kaiser, Könige, Fürsten und Minister ganz machtlos sind wenn das Volk nicht mehr blind gehorcht. — Das Haber wir in Wien in diesen Tagen gesehen. Das Volk stellte vier Forderungen: 1) Zurücknahme der Aufhebung des Centralkomites der Nationalgarde und akademischen Le gion. 2) In Zukunft darf kein Militär mehr in bei Stadt requirirt werden, ohne vorhergegangenes besonderes Ansuchen der Nationalgarde. 3) Ganz gleichmäßig vertheilter Wachdienst in der Burg und Stadt zwischen der Nationalgarde und der Truppe. Zur Entscheidung über den vierten Punkt haben sich die Minister eine Stunde Zeit zur weiteren Berathung erbeten. Er ist nichts Geringeres als was folgt: 4) Die Reichsversammlung soll eine k o n st ituire n de , ganz vom Volk- ausgehende sein, ohne alle Rücksicht auf das erlassen- Wahlgesetz.
Die Minister wollten und wollten nicht nachgeben da sammelten sich 50,000 Männer auf den öffentliche: Plätzen. Den Ministern sank der Muth, sie strichen die Segel und bewilligten die gerechten Forderungen An aller Sklaverei ist nur das Volk Schuld. ~ Wae werden die Berliner thun? werden sie hinter Wien Zurückbleiben.
Wien, 15. Mai. (Die Studenten Wiens an ihre deutschen Brüder in Böhmen.) Ein tie ser Schmerz durchzuckt unsere deutsche Brust; traurig Kämpfe in Eurer Heimath stören die lang ersehnte Wiedergeburt unseres großen gemeinsamen Vaterlandes. Ein Schrei des Entsetzens müßte durch die deutschen Gauen wiedcrhallcn, wenn Eure czechischen Brüder, die mit Euch durch Jahrhunderte denselben Mutterboden bewohnt und gepflügt, Euch nun zum blutigen Vertilgungskampfe herausfordern wollten. Noch ist eS Zeit, daß das Zauberwort Versöhnung den alten Bund erneuere, und daß beide Nationen sich frei und friedlich nebeneinander entwickeln. Wenn ihr aber gezwungen würdet, für deutsches Recht, für deutsche Einheit, für deutsche Erde das Schwert zu ziehen, so wisset, daß kein deutscher Stamm Euch seine Bruderhilfe versagen wird. So wie der Tyroler die FeindeShand von seinen Höhen derb zurückwies , und Schleswig-Holstein die dänischen Gelüste siegreich niederschlug, so werdet auch Ihr deutsche Sprache, deutsch- Bildung und deutsche Gränzen mit Kraft zu wahren wissen. Es lebe Deutschland! Gott mit Euch!
Im Namen deS Studentenausschusses.
Geschichte des deutschen Bauernkrieges.
Von Dr. Julius. (Fortsetzung.)
Man spricht so oft mit Abscheu von den Gräuellha- ten der Bauern, namentlich von der Blutrache zu Weinö-