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Der Volksfreund.

Alles für das Volk, und Alles durch das Volk!

Wiesbaden. Dienstag, den 23. Mai 1848.

Gedanken über daö Grundgesetz der deutschen Nation von Dr. Zais.

Wenn eine große Nation sich von Grund auS neu gestalten, wenn sie neue Verfassungen, Rechte und Ge­setze sich geben will, so müssen diese natürlich dem herr­schenden Volksgeiste entsprechen. Diesen VolkSgeist, den Charakter und das Streben der Nation erkennen wir sowohl aus der Entwickelungsgeschichte der Nation selbst, als insbesondere ans dem Gange der Thatsachen und den Ereignissen der jüngsten Zeit.

Wenden wir uns zuerst an die Entwickelungsgeschichte deutscher Einheit und Freiheit.

Unsere Vorfahren.

Deutschland wurde seit uralten Zeiten von Volks­stämmen eines Geschlechts und einer Abkunft, von den Nachkommen des Tcut bewohnt, welche durch Sprache, Sitte, Religion, Gefühls- und Denkweise, durch gleiche Rechte und Gesetze zu einer ebenbürtigen Völkerfamilie verbunden waren. Der gemeinschaftliche Namen dieser Völker war der der Germanen. Aus angestammtem Freiheitstriebe behaupteten sie gegenseitig eine Unabhän­gigkeit, welche sich bei gemeinsamer Gefahr oder gemein­samen Unternehmungen in Völkerbündnisse löste. Die­selbe freie Stellung, welche die Völker gegeneinander behaupteten, fand nun auch bei jedem freien Manne gegen seines Gleichen im Volke statt. Die Grundver­fassung war eine auf die persönliche Freiheit basirte reine Demokratie, oder Volksherrschaft, naturgemäß auS dem Freiheitssinne der Germanen hervorgegangen.

Der Einfluß der Geschlechter, das aristokratische Ele­ment, konnte diese Freiheit nicht beeinträchtigen, denn auf den Volksversammlungen gab jeder freie Mann seine Stimme ab über die allgemeinen Angelegenheiten, über Krieg oder Frieden, oder half das Recht finden bei den Klagen. Was aber daS Volk aufs engste zusammenknüpfte, war die Verbrüderung nach Familien und Geschlechtern, wo die Ehre des Geschlechtes den Mann über sich selbst erhob, daS Geschlecht für die Ehrenhaftigkeit seiner An­gehörigen bürgen mußte, und daher auch keine ehrlose Männer unter sich duldete. Der König war der Prä­ses der Volksversammlung. Man nahm ihn aus den angesehensten Geschlechtern um durch seine Autorität und Gefttzeskunde die Ordnung und das Recht zu schirmen; die Heerführer wählte man auS den Tapfersten.

Jeder Freie war auch Kriegsmann, der Krieg sein Lieblingsgeschäst. In dieser Wehrhaftigkeit und Kriegs- Übung deS Volkes lag auch die Garantie seiner Freiheit. Denn keine Freiheit ohne Waffenführung. Daher gab auch die Waffe, der Ger, dem Manne seinen Namen.

Als solche freie, als halbnackte und schlecht bewasinctc Männer haben sie den Kampf mit dem Weltreiche der

Römer begonnen, und sind aus einem vierhundertjäh­rigen Vernichtungskriege siegreich und gestählt hervorge­gangen. Auf den Trümmern der alten in Sklaverei versunkenen Welt errichteten sie neue von dem Hauche der Freiheit und der Jugendsrische belebte Reiche.

Die Franken.

Der Völkerbund, welcher am längsten und ausdauernd­sten mit den Römern gestritten, der Bund der Franken, ging auch als der mächtigste auS der allgemeinen Völ­kerbewegung hervor; er bezwang ganz Gallien und einen Theil von Deutschland. Unter Karl dem Großen er­langte dieses Volk den Gipfel seiner Größe; Italien und alle deutschen Völker erkannten die Oberherrschaft der Franken an. (Forts, folgt.)

Der erste Preßprozest des Volkösreundes.

In Nro. 41 des Volksfrcundeö befindet sich ein Brief welcher also lautet:

**Wiesbaden, 23 April. Das nassauische Volk, besonders aber der Lehrerstand harrt mit Ungeduld auf die Entfernung eines der schamlosesten und niederträch­tigsten unserer Staatsdiener. Es wäre wirklich zu wün­schen, daß dieser Mann, der durch sein unverschämtes Auftreten den gerechten Unwillen des ganzen Landes gegen sich hervorgerufen hat*), endlich einmal seiner Stelle enthoben würde, die er weder seinen Kenntnissen, noch seinem Charakter, sondern lediglich der frühern nassauischen Frau Basenwirthschaft zu verdanken hat."

Herr Schulrath Seebode, dem aus seiner Rund­reise durcks Herzogthum fast allenthalben Katzenmusiken gebracht wurden, Herr Schulrath Seebode, der im Feuilleton der freien Zeitung dem Gelächter preisgege­ben wird, Herr Seebode, der in einer Karrikatur, welche im Laden des Herrn Hüttner zu sehen ist, gepeitscht wird, Herr Schulrath Seebode, der kein Zutrauen beim Volke und beim Lehrerstande besitzt, Herr Schulrath Sce- bode, der die Freiheit haßt, wie Fürst Metternich und Consorten selbst, Herr Schulrath Seebode, der unter dem alten, gefallenen, aus Unterdrückung aller Freiheit gegründeten System, einen sehr einflußreichen Posten er­hielt, hat sich durch den obigen Brief des Volksfreundes beleidigt gefunden und den damaligen Redakteur Herrn Lippe wegen Beleidigung seiner Standeschre verklagt. Herr Lippe ist nun von dem Polizeiamte dahin bedeutet worden, binnen acht Tagen den Einsender zu nennen, k. Wie nun auch dieser Prozeß auSgcht, so wird doch dieser Schritt dem Herrn Schulrath Seebode übel be­kommen. Wir fordern hiermit alle Freunve der Frei­heit und deS Volks auf, uns in Kenntniß zu setze» von

*) Diesem Unwillen haben erst jüngst wieder die Bewohner von Hadamar und Weilburg durch Katzenmusiken, die sie ihm darbrachten, Luft gemacht.