bem Kerne des Bauernhecrs. UcßeraK loderten die Flammen der Klöster und Schlösser empor, welche die Haufen auf ihrem Wege trafen; namentlich brach Florian Geier, der seit er das Schwert für daS Volk gezogen und einen Stand wollte, die stolzen Zwingburgen seiner Standesgenossen. Viele Fürsten und Edle schwuren, wenn sic der Uebermacht der Bauern nicht entrinnen konnten, zu den „zwölf Artikeln" und traten in ihre Brüderschaft ein; natürlich aber brachen sie die Verträge, sobald die Gelegenheit irgend günstig war. DaS Kriegsglück wechselte; im Ganzen aber unterlagen die Bauern meistens in offener Fcldschlacht. Namentlich wurde die schwere Reiterei den Bauern, die ihr Nichts entgegen zu setzen hatten, verderblich. War der Truchseß von Waldburg, der Obcrscldherr der Edlen, einmal gar zu sehr in der Klemme oder wurden die Landsknechte, die oft den Kampf gegen ihre Brüder weigerten zu schwierig, dann knüpfte er geschickt Unterhandlungen an, köderte die einzelnen Haufen mit Versprechungen, schloß mit ihnen Waffenstillstand — und fiel, ohne sich an diesen zu kehren, über die leichtgläubigen Bauern her, sobald seine Macht dazu groß genug war. Die Fürsten und Herren achteten gegen die Bauern kein Kriegsrecht; sic behandelten sie wie Mörder und Empörer und richteten sie hin, wo sie ihnen in die Hände fielen.
(Forts, folgt.)
Verschiedenes.
Die zahlreichen Maneranschläge in Paris sind nicht ausschließlich politischen Inhalts, cs kommen auch industrielle zum Vorschein, welche durch Hindeutuug aus den Umschwung der Dinge Aufmerksamkeit zu erregen suchen und bisweilen höchst komisch lauten. Hier nur ein solcher als Pröbchen: „Bürger! Wien ist frei! Metternich hat die Flucht ergriffen! Ich würde glauben, alle meine Pflichten zu vernachlässigen, wenn ich euch länger verschweige, daß meine Fabrik socialer Stiefelwichse in der Rue Grenetat gelegen ist und daß ich überdies einen trefflichen reqenerirenden Lack verkaufe. Es lebe die Republik! Es lebe die Republik! Es lebe Frankreich! Weg mit der englischen Glanzwichse." — Die Sache ist buchstäblich wahr. (F. I.)
** Wiesbaden, 20. Mai. Seit einiger Zeit hat in der hiesigen israelitischen Gemeinde eine sogenannte Hpp- orthodore Partei daS Licht der Welt erblickt. Die große Mehrzahl unserer israelitischen Mitbürger gehört nämlich zu jener Partei, die es nicht mehr so genau mit den veralteten Ueberbleibseln des Judenthums nimmt und hat sich deßhalb dieselbe entschieden um ihren Rabiner, Herrn Süskind, geschaart, der mit edlem Frcimuthe seine sehr hervorragenden Geistesgaben nur und ganz der wahren Ausklärung seiner Gemeinde widmet; dagegen hat sich die Minderheit zurückgezogen und scheint, einen talmudisch - gelehrten Manne an der Spitze, ein eigenes Gemeindchen bilden zu wollen. So traurig nun auch diese Erscheinungen sind, so haben sic doch schon manchen Nutzen gebracht, resp, ein wesentlicher Vortheil wird nicht ausbleiben. Wer z. B. wollte wohl in unserer Zeit nicht die Interessen einer Gesellschaft zu fördern suchen, die in ihrer Mehrheit mit Entschiedenheit den Fortschritt will und nicht starrsinnig am Alten klebt? Gerade diese Fortschrittsbewegungen imJudenthume sind die Triebfedern, die das Räderwerk der Emanzipation in Bewegung setzten, denn daS steht fest, daß wir nicht unseren starrgläubigen, sondern lediglich den Bestrebungen unserer freisinnigen Rabiner die Emanzipation zu verdanken haben, und ich kann deßhalb auch nicht umhin dem wackeren Herrn Rabiner Süskind zuzurufen: „Wandeln Sie fort auf dem betretenen Wege, der zur Wahrheit führt und lassen Sie sich durch nichts beirren, Ihre Gemeinde, Ihre christlichen Mitbrüder werden Ihr Streben zu würdigen wissen und Ihr Wirken wird dann
nicht vergeblich fein, eS wird goldene Früchte tragen! Nur vorwärts, und der Sieg wird folgen.
Neueste Nachrichten.
Berlin, 17. Mai. Die Minister sind geblieben und haben daS Feld behauptet. Die Agitatoren der Volkspartei sind zurückgewichen und ihr Ansehen ist bedeutend erschüttert worden. Die Herren Jung, Held und Eichler werden Seitens der Radikalen die bittersten Vorwürfe gemacht, daß sie die Partei im Stiche gelassen haben, gegen welche Jung sich Hinterbeine Dcputirtenwürde verschanzt. Dennoch ist der AuSgang der Sache kein Sieg für das Ministerium gewesen. Die Gegner des politischen Clubbs suchen alle Schuld der Aufregung, welche die beiden Demonstrationen und die vier großen, diese vorbereitenden Volksversammlungen hervorgerufen haben, diesem Clubb aufzubürden; derselbe hat jedoch als solcher nichts damit zu thun gehabt und kann dafür, das seine Präsidenten Jung und Eichler sich an die Spitze der Demonstration stellten, nicht verantwortlich sein. Die Volksversammlungen wurden von einem auS demselben hervorgcgangenen Comite von dreißig dirigirt. Der blinde Eifer einer im Dunkeln wirkenden Partei hat gestern zum drittenmal eine bezahlte Bande dem Clubb auf den HalS geschickt, um dessen Verhandlungen zu stören. Die Clubb- Mitglieder suchten dieselben mit Gründen der Vernunft und durch Worte zu bekämpfen; jedoch kam es zu einem Einschreiten der Bürgerwehr. Unter den Arbeiterifsslnd cs besonders die mit Erdarbeiten Seitens der Kommune beschäftigenden (sogenannten Rehberger) und die Eisenarbeiter in den Maschinenbauanstalten, welche durch festes Zusammenhalten und kompakte Masse Vorsorge und Vorsicht den Behörden gebieten. Erstere sucht man jetzt zu theilen , indem 400 derselben zu Chaussecbauten deplacir werden. Für die letzteren wird durch die Regierung ge sorgt, indem die Fabrik von Borsig den Anftrag erhalten hat, sechs Dampfmaschinen zu ebensoviel Kriegsschiffen zu bauen. Die Schiffe selbst sollen zu gleicher Zeit in Stettin, Danzig und Bremen in Angriff genommen werden. Falls die Schiffe nicht mehr für den Krieg gebraucht werden sollten, haben dieselben den Zweck, als transatlantische zwischen Bremen und New-Uork oder anderen Häfen der Union verwendet zu werden. — Nachschrift I u n g hat heute in einer geschlossenen Sitzung des politischen Klubbs das Präsidium niedcrgclegt. Held trit heute gleichfalls vom Schauplatz der VolksagitakkM"ab, was er durch ein langes, schwülstiges Plakat motivirt Er deckt seinen Rückzug durch die Wendung, daß er sich in dem Berliner Volke getäuscht sehe, indem er es Poli tisch unreif finde, und daß er den Verleumdungen weiche mit denen er verfolgt werde. Da Held anfängt, unmög. Heß zu werden, nennt er daS Volk politisch unreifT
Aus Posen (Grausamkeit der Preußen.) Die ab- scheuliche Sitte, welche früher in Frankreich herrschte, die Galeerensträflinge bei ihrer Entlassung am Arm mi einem unauslöschlichen Zeichen zu brandmarken, ist jetz- auf immer abgcschafft worden und dies ist als eine de: schönsten Handlungen der Humanität der neuen franzö schen Regierung zu betrachten. — WaS soll man aber dazu sagen, daß wir jetzt aus Preußen, welches di Polen der Grausamkeit anklagt, folgende Handlung de' Unmenschlichkeit erfahren: „Von den bei Hions ic. re. gc fangenen polnischen Bauern ist nunmehr schon der grëßi Theil entlassen, doch sind sie zur Wie derer, kennung an der linken Hand durch ein che misches Arzneimittel schwarz gefärbt wor den, mit der Androhung, daß sie auf der Stelle wür den erschossen werden, wenn man sie nochmals mit Waffe sände. — Das ist preußische Menschlichkeit!___________
Für Weidig's Grab und die Weidig- stiftung^zu Darmstadt.
A. W.: 2 fl. F. E. : 2 fl. General Uminèki : 2 fl, 45 kr.
Verantwortlicher Redacteur : Fr. Emminghaus. — Druck der J. A. Stein'schen Buchdruckerei zu Wiesbaden