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rische Regierung alle Maßregeln für die Sicherheit von Paris ergriffen. Verhaftungen seien vorgenommen, So- brier sei verhaftet, Waffen und Munition bei ihm wcg- genommen, 75 Individuen wurden verhaftet, der Miß­branch des Versammlungsrechts werde verhindert wer­den. Die Gefangenen seien nach Vincennes gebracht worden, Barbes, Albert und die Andern. (Man ver­langt die Namen.) Beide Raspail, der Obrist des Ge- neralstabs der Nationalgarde Saissel, Thore, Blanqui u. s. w. Alle Regimenter, die um Paris stationiren, haben den Befehl erhalten, nach Paris zu kommen. Das irreguläre Korps der MontagnardS ist aufgelöst. Die Polizeipräfektur sei nicht vergessen worden, dcrPo- lizeipräfekt habe sich sehr gut benommen, aber sie werde der Nationalgarde zur Bewachung übergeben werden. General Bedcau werde die Truppen kommandiren, Cle­ment Thomas die Nationalgarde. Garnier PageS ver­langt nun, die Berechtigung zu verschiedenen Maßregeln zur Befestigung der Ordnung zu erhalten. Er verlangt, daß man die Rcgicrungskommission handeln lasse und ihr vertraue, dann werde sie auch Alles auf ihre Ver­antwortlichkeit nehmen." (D. 3)

Geschichte des deutschen Bauernkrieges.

Von Dr. Iulius. (Fortsetzung.)

Wir sehen den unruhigen Geist ThomaS Münzer nunmehr eine zeitlang, von einem Orte zum andern flüchtend, ein unstetes Leben fortsetzen. Kaum nach All­stedt zurückgekehrt, verlangte der Herzog Georg seine Auslieferung. Es hieß, er sei nach der Reichsstadt Mühlhausen ausgewandert, bald darauf kam auch ein Brief von Luther an den Magistrat dieser Stadt, worin der Reformator ihn bittet, Münzern keinen Schutz zu verleihen. Münzer aber, statt sich nach Mühlhausen zu wenden, begab sich nach Franken und hielt sich einige Zeit in Nürnberg auf; doch auch diese Stadt mußte er bald wieder verlassen. So durchwanderte er Ober­deutschland, das Elsaß und die Schweiz arm und ver- fLlg^,.wjO.WM Jahre^früher Ulrich.wouHutteu. Seine Jünger durchzogen bereits ganz Deutschland und ihnen verdankte er, daß er fünf Monate lang überall Schutz und Nahrung fand. Sie predigten fast in allen Dör­fern, im Elsaß, in der Schweiz, in Franken und die Bauern sprachen allenthalben ganz verdutzt zu einander: da, da, das ist das recht Evangeli. Lueg, lueg, wie Han die alten Pfaffen gelogen und falsch gepredigt. Man sollt' die Buben alle zu todt schlagen. Wie Han sie uns betrogen und beschissen." So bald sich die Hausen in Schwaben, Franken und dem Schwarzwalde bildeten, zündete Münzer die revolutionäre Brandfackel selbst an. Weit entschiedener, als der Ton derzwölf Artikel" ist der des sogenanntenArtikelbrieses," den Münzer selbst den Artikeln anhing. Dieser Brief lautet folgendermaßen:

Dieweil bisher große Beschwerden, so wider Gott und alle Gerechtigkeit sind, dem armen gemeinen Mann in Städten und auf dem Lande von geistlichen und weltlichen Herren und Obrigkeiten auferlegt worden, welche sie doch selbst auch nicht einmal mit dem kleinen Finger angerührt hatte, so folgt daraus, das man solche Bürden und Beschwerden länger nicht tragen noch ge­dulden mag; es wollte denn der gemeine, arme Mann sich und seine Kindeskinder ganz und gar an den Bet­telstab schicken und richten. Demnach ist der Anschlag und das Fürnehmen dieser christlichen Vereinigung, mit der Hülfe Gottes sich davon ledig zu machen und das so viel, wie möglich, ohne Schwertschlag, noch Blutvergießen, was nicht wohl sein mag, Venn mit brüderlicher Vereinigung in allen gebührlichen Lachen, die den gemeinen, christlichen Nutzen betreffen und in diesen beiliegenden Artikeln begriffen sind.

Es ist hierauf unsere freundliche Bitte, unser Ansin­nen und brüderliches Ersuchen, ihr wollet euch mit und ", diese christliche Vereinigung und Brüderschaft gut- bullig kinlaffeu, und freundlichen Willens begeben, da­

mit gemeiner, christlicher Nutzen und brüderliche Liebe wiederum aufgcrichtct, erbaut und gemehrt werde. Wo ihr das thut, geschieht darum der Wille Gottes in Er­füllung seines Gebotes von brüderlicher Liebhabung. Wo ihr aber solches abschlagen würdet, dessen wir uns doch keineswegs versehen, thun wir euch in den welt­lichen Bann, und erkennen euch hierbei darein in Kraft dieses Briefes, so fern und so lang, bis ihr eures Für- nehmenS abstehet und euch in diese christlichen Ver­einigung günstigen Willens ergebet.

1. Der weltliche Bann enthält diese Meinung: daß alle die, so in dieser christlichen Vereinigung sind, bei ihren Ehren und höchsten Pflichten, so sie übernommen, mit denen, welche sich sperren und weigern, in die brü­derliche Vereinigung einzugehen und gemeinen christlichen Nutzen zu fördern, ganz und gar keine Gemeinschaft halten noch brauchen sollen, mit ihnen weder essen, trin­ken, baden, malen, backen, ackern, mähen, noch ihnen Speise, Trank, Fleisch, Korn, Salz, Holz oder anders zuführen lassen, oder gestatten, von ihnen weder etwas kaufen, noch ihnen zu kaufen geben, sondern man lasse sie bleiben als abgeschnittene gestorbene Glieder, welche den gemeinen christlichen Nutzen und Landfrieden nicht fördern, sondern mehr verhindern wollen. Ihnen sollen auch alle Märkte, Holz, Wunne, Waid und Wasser, so . nicht in ihren Zwingen und Bannen liegen, abgeschla­gen sein, und wer aus denen, so in diese christliche Ver­einigung eingegangen sind, solches übersähe, der soll sührohin ausgeschlossen sein, mit gleichem Banne gestraft und mit Weib und Kind den Widerwärtigen oder Spän- nigen zugcjchlckt werden.

2. Nachdem aber Verrath, Zwang und Verderbniß aus Schlössern, Klöstern und Pfaffenncstern erfolgt und erwachsen ist, sollen diese von Stund an in den Bann verkündet sein. Wo aber Adel, Mönch oder Pfaffen solcher Schlösser, Klöster oder Stifter willig abstehen, sich in gewöhnliche Häuser wie andere fromme Leute begeben, und in diese christliche Vereinigung eingehen wollten, so sollen sie mit ihrem Hab und Gut freund­lich und tugcndlich angenommen werden und man soll ihnen Alles das, waS ihnen von göttlichen Rechten ge­bührt und zugehört, getreulich und ehrbarlich ohne allen Eintrag folgen lassen.

3. Item alle die, so die Feinde dieser christlichen Vereinigung behausen, fördern und unterhalten, sollen gleicher Gestalt abzustehen freundlich ersucht werden; wo sie aber daS nicht thäten, sollen sie auch ohne Wei­teres in den weltlichen Bann erkannt sein."

Diesen Brief nehmen die Schwarzwälder zu ihrem Manifeste. Münzer verweilte vom Oktober 1524 bis zum Februar 1525 in jenen Gegenden, knüpfte überall mit den obcrschwäbischen Brüdern Verbindungen an und trat, als er seine Pläne überall reifen und der Erfül­lung entgegen gehen sah, seinen Rückweg nach Thürin­gen an. Unterwegs in Nürnberg ließ er noch eine seiner heftigsten Flugschriften drucken, worin er nament­lich den Bauern auseinandersetzte, wie ihr Beginnen christlich sei und keineswegs als Aufruhr zu betrachten, wie die Gemeinde das Recht habe, ihre Obrigkeit abzu­setzen und wie die auf gewisse Zeit gewählte Obrigkeit der erblichen vorzuziehen sei. Zum Schluffe wurde der Volksspruch gegen die damalige tyrannische Aristokratie angeführt:

Hierum, tummle Dich, und kurzum: Du mußt doch herum und sähst Du noch so krumm!"

Eröffnung der Feindseligkeiten.

In allen Gauen des deutschen Reiches erhob sich der gemeine Mann zum blutigen Kampfe gegen seine Unter­drücker; aller Orten rotteten sich zahlreiche Haufen zu­sammen ; die vorzüglichsten Führer derselben waren Hans Müller von Bulgenbach auf dem Schwarzwald, Jorg Metzler von Bellenberg, später mit Götz von Berlichin- gen der Bauern oberster Feldhauptmann, Jäcklein Rohr­bach von Böckingen im Neckarthal und vor Allem Rit­ter Florian Geier mit seinerschwarzen Schaar,"