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Der MhfrrunL

Sobald wir Deutschen eine Nation sind, sind wir die erste.

S e u m e.

Wiesbaden. Sonntag, den 21. Mai 1848.

J Verhandlungen

in der Volksversammlung zu Limburg vom

14. Mai l. Js.

In der heute zahlreich besuchten Volksversammlung, wurden nach der Wahl eines Vorsitzenden und Sekre­tärs folgende Beschlüsse gefaßt:

1) Statuten zur Ausrechthaltung der Ordnung in den Versammlungen zu entwerfen;

2) eine nachdrückliche Protestation an den Fünsziger- ausschuß in Frankfurt a. M. gegen die Reaktionsver­suche deS Bundestags und die Einführung eines Zwei­kammersystems bei dem zu konstituirenden Reichstag, als mit der von den Fürsten anerkannten Volkssouveränität unvereinbarlich, einreichen zu lassen, zugleich ein Inserat in die Freie Zeitung mit der Aufforderung an alle BüiMr...Nasfai,s,.-gleiche -Schritte zu thun, einrücken zu lassen.

3) den Deputirten bei der konstituirenden National­versammlung in Frankfurt a. M. Konrektor Schulz aus Weilburg aufzufordern, über den Stand der Vollssache hierhin Mittheilung zu machen, und demnächst die Wünsche der hiesigen Volksversammlung in dieser wichtigen Frage entgegen zu nehmen;

4) den Landtagsdeputirtcn Zollmann mit den Wün­schen der hiesigen Volksversammlung zur geeigneten Be­achtung bei d '. Landtagsverhandlungen im Betreff deS großen VerfassungS- und Gesetzgebungsbaues vertraut zu machen.

Zur Erledigung dieser Beschlüsse wurde eine besondere Kommission bestellt, welche in der nächsten Versammlung sich hierüber auözuweisen hat.

Da man allgemein erkannte, daß die arbeitende Volkö- klasse, beziehungsweise die Handwerker, Oekonomen und Taglöhner, aber auch der höhere Gewerbestand in die­sem Augenblick sich in einer sehr gedrückten Lage befin­det, so wurde eine Kommission von 32 Mitgliedern, auS allen möglichen Handwerkern, auch dem Kaufmanns-, Oekonomen- und Taglöhnerstand ernannt, welche mit noch zu wählenden 32 andern Kommissionsmitgliedern, die Beschwerden bis zur nächsten Versammlung schriftlich abgesaßt zum weiteren Verfolg an den Vorsitzenden ab- zugeben hätten.

Zugleich sprachen sich mehrere Redner dahin aus, daß man zur geistigen Emporbildung der niederen Stände insbesondere bei dem Landtage zu beantragen habe, daß der Lehrerstand eine ehrenvollere Stellung im Staats­ieben mit verbessernden Einkünften in Zukunst einnehme.

Endlich fund man die Mittel zur geistigen Erhebung in der Errichtung von Turngemcinden, Lesevereinen und Abendschulen, aber auch dem Gebrauch der freien Presse und dem Besuche dieser Volksversammlungen, zuletzt in der Einführung einer volköthümlichen Rechtspflege, welche

vorzugsweise geeignet sei, auf diese Stände bildend ein­zuwirken.

Die Veröffentlichung dieser Verhandlungen soll ins­besondere den guten Zweck haben, die öffentliche Mei­nung über wichtige Gegenstände der Reformsrage und des politischen Lebens, zugleich zur Stiftung solcher Ver­eine im ganzen Herzogthum anzuregen, damit dadurch das Volksbewußtsein gleichzeitig geweckt, und von allen Seiten her, wo möglich gleichheitlich gehandelt wird. Hierdurch wird die öffentliche Meinung, die große Lehr­meisterin in einem freien Staatsvereine, nach und nach zu dem ihr gebührenden Ansehen gelangen.

Deutschland.

Frankfurt, 18. Mai. Der verfassunggebende Reichstag für Deutschland ist eröffnet. Nach­dem die hier eingetroffenen Mitglieder, zwischen 350 und 400 an der Zahl, sich um 3 Uhr zu einer Vorberathung im Kaisersaal versammelt hatten, bewegte sich von dort aus der Zug unter Glockengeläute, Geschützsalven und dem klingenden Spiel der paradirendcn Stadtwehr nach der Paulökirche. Hier waren alle den Zuhörern über­lassenen Räume bereits besetzt; ein dreifaches donnern­des Lebehoch empfing bei ihrem Eintritte die Vertreter der gesummten deutschen Nation. Der Alterspräsident, Syndikus Lang auS Hannover, eröffnete die Versamm­lung mit einer kurzen herzlichen Begrüßung. Er ver­danke lediglich dem an sich wenig beneidenswertben Vor­recht deS Alters die Ehre, eine Versammlung zu eröff­nen, wie sie Deutschland noch nie gesehen. Hoffentlich Werde sie in Deutschlands Geschichte einen segensreichen Abschnitt bilden. Möge die Versammlung ihren Beruf treu erfüllen; möge sie sich hüten, denselben zu verfeh­len, sei eS durch Ueberstürzen in Ideen, deren Zeit noch nicht gekommen, sei eS durch Festhalten an Dingen, die nun einmal untergegangen. Auf Antrag Frcudenlheil'S sprach sodann der Präsident unter allseitiger freudiger Akklamation die feierliche Constituirung der Ver­sammlung aus. Sofort trug derselbe ein an den ver- faffunggebenden Reichstag gerichtetes Schreiben der Bun­desversammlung vor, worin sie demselben zur Erreichung seines großen Zieles die Hand bietet und Glück und Segen wünscht. Mühlfeld aus Wien stellte den Antrag, eine Commission zu ernennen, um zu prüfen, ob und in welcher Art dieses Schreiben zu beantworten sey, während Zitz der Würde der Versammlung ange­messen fand, leere Komplimente (denn Anderes sei in dem Schreiben nicht enthalten) unbeantwortet zu lassen. Noch ehe hierüber die Versammlung schlüssig wurde, machte Rettig auS Potsdam die Nothwendigkeit geltend, vor Allem durch Annahme eines Reglements Ordnung in die Debatte zu bringen. Hierauf legte Wesendonk