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rich kamen selbst nach Allstedt, um Münzer predigen zu hören. In ihrer Gegenwart wuchs sein Muth bis zur Verwegenheit. Er wiederholte rücksichtslos alle seine krassesten Grundsätze, indem er sich dabei ans Bibelstellen berief und schloß mit den Worten:Die Herren machen daS selber, daß ihnen der arme Mann feind wird. Die Ursache deS Aufruhrs wollen sie nicht weg thun, wie kann cS in die Länge gut thun. Ach, liebe Herren, wie hübsch wird der Herr unter die alten Töpfe schmeißen mit einer eisernen Stange. So ich daS sage, werde ich anfrührisch sein. Wohl hin!" Er war kühn ge­nug und ließ sogar diese Predigt drucken, worauf sein Drucker des Landes verwiesen und seine Druckerei mit Beschlag belegt wurde.

Um diese Zeit erhoben sich Luther und Melanchthon mit einer wahren Wuth gegen den verfolgten Münzer. Dieser hatte sie ironisch herausgefordert, das wurm­stichige Feld der Theologie für das Lebendige der Poli­tik zu verwechseln. Luther lud darauf Münzern ein, sich öffentlich in einer Disputation mit ihm zu messen. Allein Münzer schien zu einer solchen Silbenstecherei, wobei doch eigentlich nichts herauskommt, wenig geneigt zu sein. Der Standpunkt und der Charakter beider Männer war überhaupt das darf man nicht verges­sen, ein durchaus verschiedener; Luthers Standpunkt war der bornirt-cheologische, der vom Papste befreien wollte, aber von der Herrschaft des todten Buchstabens sich nicht frei machen konnte; Münzers Standpunkt war der social-radikale, ich möchte sagen der ideale; daher all' die argen Kollisionen, in welche wir die bei­den Reformatoren mit einander gerathen sehen. Je kühner Münzer wurde, desto heftiger ward Luther; es waren beide Männer, die Trumpf auf Trumpf spielten. Münzer wurde vor die Churfürsten von Sachsen auf daS Schloß zur Verantwortung geladen. (Forts, folgt)

Verschiedenes.

(Politische Ansichte n.)

88 Neulich wurde Jemand, der sich geäußert hatte, wenn sich die Fürsten nicht unbedingt dem souveränen Willen der Nationalversammlung fügten, so müßten sie fortgejagt werden," befragt: aber, wenn die Landstände ei­ner "gleichen Ansicht sind und ebenfalls der Nationalver­sammlung nicht die alleinige Befugniß zugestehen wollen, daS Verfassungsgesetz für ganz Deutschland zu entwerfen, wie dann?Dann jagen wir sie auch fort." Aber die frei gewählten Slânde sind doch der Ausdruck deS VolkS- willeus, wenn nun die Distrikte, worin sie gewählt sind, hiermit einverstanden sind?Dann müssen sie auch fort­gejagt werden," war die Antwort.

Als Beweis, wie leicht festgefaßte Meinungen leicht zu Fanatismus ausarten, mag folgendes dienen: Ein Schreinermeister, der beiläufig gesagt, Arbeiten an Hof lieferte und mit Leib und Seele dem demokratisch­monarchischen Prinzip zugethan war, schickte seinen Ge­sellen fort, weil jener welche Kühnheit! der Re­publik den Vorzug gab, indem derselbe den Ausdruck demokratis ch-monarchisch lächerlich zu machen suchte, und für ein Ding der Unmöglichkeit erklärte. Das ist freie Meinungsäußerung! Einsender bittet solches Ver­fahren eifrigst zu verfolgen, wir werden dann bald so glücklich sein, unsere Stadt von Republikanern völlig gesäubert zu sehen!

Neueste Nachrichten.

Kiel, 15. Mai. Nach hier eingetroffenen Nachrich­ten, deren Wahrheit wir freilich nicht verbürgen wollen, sollen in der Nackt vom Donnerstag auf den Freitag dä­nische Truppen (1000 Mann ) bei Fridericia gelandet sein Zwischen das Feuer von Artillerie und Infanterie gerathen, soll ihnen aber der Rückzug auf die Schiffe völlig abgeschnitten und sie alle, soweit sie nicht gefallen sind, in Gefangenschaft gerathen sein. Das Gefecht.

welches bei dieser Gelegenheit stattgefunden hat, muß übrigens ziemlich hartnäckig oder doch blutig gewesen sein, da der Berichterstatter angegeben haben soll, daß er 17 Wagen mit Verwundeten bemerkt habe. (H. C.)

+ Paris, 16. Mai. (Zuverlässige Privatnach- richten.) Die Vorsehung hat unS gerettet von dem scheußlichen Aufruhr, der uns bedrohte. Das kräftige Auftreten der Bürgerwehr hatte bald der neu eingesetz­ten sogenanntenVolksregierung" ein Ende gemacht. Barbes, Floret, Albert, welche sich mit ohnge- fähr 20 Personen in ein Seitenzimmer zurückgezogen hatten, um die Liste der neuen Regierung auszufertigen, welche aus folgenden Personen bestehen sollte: Ledru- Rollin, Louis Blanc, Piere Lerour, Cabet, Raspail und Blanqui wurden von der 6. Legion überrascht; ihre Anhänger, welche der Nationalgarde den Eingang versperren wollten, riefen auS:eher tretet ihr über unsere Lei chen, al^ daß ihr Barbes her aus bekommt"! Dessenungeachtet drang die 6. Legion in das Zimmer, nahm BarbeS am Kra­gen und schleppte ihn weg. Floret und Albert mit je nen andern Personen, die in dem Zimmer waren, wur- den verhaftet. Sobrier, welcher sich zum Minister des Innern gemacht hatte, wurde, als er auf dein Weg zum Hotel de ville (Rathhaus) in ein KafehauS einge- treten war, um sich zu erfrischen, von einem Deputaten erkannt und von der Volkswehr verhaftet. DieauS übende Kommission" ließ sämmtliche Rädelsführer miet Vincennes in scharfen Gewahrsam bringen.

Lamartine wurde bei seinem Eintritt in die Kammer (7 Uhr) mit Jubel empfangen, von allen Seiten ka­men die Abgeordnete herbei und küßten ihm die Hände. Folgende Worte seiner Rede sind besonders bemerkens- werth:Meine Mitbürger! cs ist vielleicht ein Glück für uns, daß dieser Angriff auf die Nationalversamm lang gemacht wurde, denn dies giebt uns die Lehre, w nöthig es ist, daß, wenn nicht Frankreich eine Ben des Aufruhrs werden soll, wir fest zusammenhalten nr Alle wie Einer dastehen müssen." Die diplomatische: Aktenstücke, Polen betreffend, welche der 'Minister -be» auswärtigen Angelegenheiten vorgelegt hat, machten gro ßen Eindruck auf die Mitglieder der Nationalversamm. lang. Die Gräueltbaten der Polen gegen die Deutsche: in Posen (ist alles Unrecht auf Seiten der armen Polen?, warfen ein böseS Licht auf sie und die Betheiligung de Polen bei dem Pariser Aufruhr wird daS Herz der mei sten Franzosen von ihnen abwenden. Der französisch- Geschäftsträger in Berlin bemerkt in seiner Note von 7. Mai, daß Polen durch keine Macht mit Gewalt her gestellt werden kann, sondern nur durch die Diplomatie denn wollte es Frankreich wagen, ein Heer nach Pole zu schicken, so würde Preußen und Rußland gemeinfan Polen total vernichtet haben, ehe nur die Franzosen c; den Rhein kämen.

Anzeigen.

Eine treffliche Carrikatur eines allgemein »es haßten und verachteten Schuldespoten ist im Laden de Herrn Hütrner in der kleinen Burgstraße zu sehen.

(19) Ein Zimmer und Kabinet sind zu vermiethen bei

A. R. Schmidt, Buchbinder, Mauergasse Nr. 1.

Cours der Geldsorten.

Frankfurt, 18. Mai 1848.

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kr.

Neue Louièd'or ....

11

5

Friedrichèd'or ....

9

58

Ducaten .

5

37

20 Frank-Stücke .

9

39

Holländische 10 fl. Stücke

10

Englische Souverains .

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Laubthaler.....

2

43i.

Preußische Thaler.

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Verantwortlicher Redacteur : Fr. Emminghaus. Druck der J. A. Stein'schen Buchdruckerei zu Wiesbaden