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No. 61.

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Der Volksfreunh.

Sobald wir Deutschen eine Nation sind, sind wir die erste.

S e u m e.

WiesbadtN. Samstag, den 20. Mai 1848.

Badische Zustände.

() Heidelberg, 18. Mai. Der berühmte Ana­tom Tiedemann hat sich aus Verdruß über die neue Freiheit nach Bremen zurückgezogen. Seine Stelle wird wahrscheinlich Arnold aus Freiburg ersetzen. Auch Ber­thold Auerbach wird uns in einigen Tagen verlas­sen und sich nach Breslau übersiedeln. Auerbach ist der Verfasser der zwei Worte zu Dahlmanils Vorwort zum Reichsgrundgesetze im deutschen Reichs­blatte. Wie dieProfessorenzeitung" auch gegen die Unmündigen in der Politik" zu Felde ziehen mag und wie sehr sie sich auch abmüht, das Reichsgrundgesetz in ein vortheilhaftes Licht zu stellen und, als Empfehlung sogar anführt, daß sich der Herzog Wellington sehr da­rübererbaut" habe, so herrscht doch nur eine Stimme gegen dasselbe und man kann nicht begreifen, wie Män­ner von so bewährter Tüchtigkeit ein so erbärmliches Machwerk liefern konnten; besondes wundert man sich über Dahlmann, dessen Vorrede ihm wenig Ehre macht und seinem alten Rufe keineswegs entspricht. Wir hätten geglaubt, daß er von seinem Volke etwas ehrbarer dächte. Hoffentlich bleibt daS Reichsgrundge­setz, was es ist: ein bloßer Entwurf, sonst könnte eS furchtbare Folgen nach sich ziehen. Unter den hiesigen Studenten sängt jetzt ein besserer Geist sich zu regen an. Sie beabsichtigen nämlich mit Aufhebung aller Verbindungen eine allge­meine Studentenschaft zu gründen, sich enger an daS Volk anzuschließen und deßhalb von Neuem und ent­schieden auf Abschaffung der akademischen Gerichtsbar­keit zu dringen und einen mehr wissenschaftlichen Geist rinzuführen. Glück auf!

Die polytechnische Schule in Karlsruhe wird allem Anscheine nach eingehen, da alle Polytechniker, die sich dem bekannten Beschlusse der Regierung nicht fügen wollten, binnen 24 Stunden die Stadt verlassen mußten.

Deutschland.

ff Wiesbaden, 18. Mai. Mit Recht können wirsagen: daß uns der 4. März in ein neues Leben versetzt hat. Wo ist das Herz, das nicht seit jenem großen Tage froher athmet, in dem Bewußtsein der Freiheit, welche uns jener denkwürdige Augenblick gebracht. Unsere Stadt stand nicht allein Nassau, ja Deutschland zum Musterda.Einer für Alle, Alle für Einen!" war derWahl- spruch, und Ordnung das erwählte Panier um zu jenem Ziel zu gelangen. Die Bürgerwehr hat ihren Zweck nicht verfehlt. Bon dem Augenblicke ihres Zusammentritts an, war sie einig und muster­haft organisirt. Kein Staat, glauben wir, kann in so kurzer Zeit uns eine so gut cingeüble Bürgerwehi. vorführen; wohl hätten die Be­schlüsse über die Uniform schon etwas weiter sein können, allein es ist nicht gerade die Uniform das Nothwendigste, wenn es gilt dem Feind die Spitze zu bieten; es ist das Banner um welches sie sich alle schaaren, die Fahne, das Zeichen des einigen und gro= heu deutschen Vaterlandes, was ihnen Wiesbadens edle Frauen und Jungfrauen versprochen haben.

Der Pfingstmontag soll der Tag sein, wo das herrliche Werk, von zarten Frauenhänden gearbeitet, unserer Bürgerwehr über­reicht werden wird. Wir können denselben nicht erkenntlich genug sein für die Großmuth, indem dieselben auch dem Komite vor- schlugen, selbst die Adler zu sticken, um zu große Auslagen zu verhüten, da der Ueberschuß zu den Waffen oder Uniformen ver­wendet werden sollte. Wohl würde dadurch viel erspart worden sein, indem dieselben Frauen, welche jetzt mit dem Sticken der Adler beschäftigt sind, auch gerne beigetreten wären; hätte man den Vorschlag angenommen, ohngeachtet, daß das jetzige Komite nicht dafür stimmte (wenigstens die Mehrheit) die Fahnen von den Frauen selbst verfertigen zu lassen, so hat die öffentliche Mei­nung doch gesiegt. Wir leben der Hoffnung, daß bei dec Uebergabe der Fahnen, jene edlen Frauen, welche mit aufopfernder Mühe für die gute Sache wirkten, namhaft gemacht werden. Auch wäre zu wünschen, wenn unter den 9 Jungfrauen, welche die Fahne über­reichen und in der General-Versammlung bestimmt werden sollen, aud) jene gewählt würden, welche sich der Mühe unterzogen, die betreffenden Gelder zu sammeln, welches gewiß von Jedermann alS großmüthig und lobenswerth angesehen werden muß.

Wir sehen mit hoher Freude dem 12. Juni entgegen, welcher, so hoffen wir, gewiß einer unserer herrlichsten Festtage werden wird, wo unsere Frauen und Jungfrauen, festlich geschmückt, unse­rer Bürgerwehr die Fahnen überreichen, und mit begeisternden Worten denselben die großen Pflichten ihres Amtes ans Herz legen und wie sie froh und freudig unter tiefem Banner jetem Feind kühn entgegentreten und ihre Freiheit mit Gut und Blut ver­theidigen sollen.

Vom Taunus, 18. Mai. Die Angelegenhei­ten der bassenheimischen Orte im Gebirg gestalten sich täglich verworrener. Am 14. d. (Sonntag) waren die Abgeordneten von Reifenberg, Schmitten, Seelenberg, Ar« noldshaia, etwa 40 an der Zahl in Usingen, um mit dem Abgeordneten des Grasen von Bassenheim ein Ueber­einkommen zu treffen. Aber wie täuschten sie sich! Die Abgeordneten des Grafen waren zur verabredeten Stunde gar nicht in Usingen, sondern sie saßen, wie man sagt, in Homburg. Anstatt selbst mit den Vertre­tern der vier Gemeinden, wie cs ihre Pflicht gewesen wäre, zu unterhandeln, überließen sie dieses Geschäft den Prokuratoren Leisler und Wilhelmi, welche gar keine Vollmachten besaßen. Die Gemeinden stützten sich auf die von dem Sichcrheitscomite zu Wiesbaden auf­gesetzten Forderungen und wollen keinen Schritt davon abweichen. Die beiden Prokuratoren bewilligten aber sehr Wenig und Manches sogar auf Widerruf. Dies machte die Leute wüthend und zornig kehrten sie in ihre Dörfer zurück. Am selben Tage brannten 15 Mor­gen baffenheimische Wälder ab, die schönsten Eichen wur­den niedergehauen, der bassenhcimische Oberförster ist von Reifenberg geflüchtet, kein Förster darf sich sehen lassen. Wir haben also hier eine Miniaturausgabe deS Bauernkriegs. Wir erlauben uns zu bemerken, daß ent­weder die von dem Sicherheitscomite gestellten Forde­rungen billig finb und dann verdient dasselbe alles Lob und die unglücklichennassauischen Irländer" haben Recht sich darauf zu stützen, oder sie sind unbillig, alsdann hätte man dieselben Mitglieder des ComiteS Herrn Kauf«