Staffelte aus Maestricht mit dem Befehle des Gouverneurs, daö schwarz-roth-goldne Banner von dem Rathhause zu entfernen, widrigenfalls man cs mit bewaffneter Macht herabholen werde. Der Stadtrath erklärte, daß er gegen den Willen des Volkes die Fahne nicht entferne. Die Bürgerschaft aber war höchst aufgebracht und wollte sich das Zeichen ihrer Erlösung nicht nehmen lassen. Einmüthig erklärte man, die Fahne nicht gutwillig herzugeben; der bewaffneten Macht werde man jedoch keinen Widerstand entgegensetzen. Wir sind nun in Erwartung der Dinge, die da kommen werden. Wie sehr unser holländisches Gouvernement überhaupt geneigt zu sein scheint, deutsche Gesinnung hier zu unterdrücken, geht daraus hervor, daß bei einem hiesigen Bürger, der sich der deutschen Sache besonders angenommen und unter Anderm ein Limburgisches Volkslied nach der Melodie: „Noch ist Polen nicht verloren* gedichtet, welches hier von Mund zu Mund geht, während dessen Abwesenheit eine Haussuchung stattgefunden hat. Auch soll ein Verhaftungsbefehl gegen denselben vorliegen. — Unterdessen sind die Urwahlen für Frankfurt hier in Ruhe vollzogen worden. Der Sieg des deutschen Parlaments ist entschieden. Wenn die beiden Männer, womit Noer- monde und Valkenburg das deutsche Parlament beschicken werden, unsern Wahlmänncrn entsprechen, so dürfen wir hoffen, daß ein unserer guten deutschen Sache feindlich gesinntes Gouvernement es nicht mehr wagen wird, unsere gesetzlichen Bestrebungen zur Aufrechthaltung unserer Nationalität zu verhindern, und daß bald die Schranken fallen werden, die uns von unserm deutschen Vaterlande trennen. .. -.
Frankreich.
Paris. Telegraphische Dep e sch e, 15. Mai, um halb sechs Uhr A b e u d s. Der Minister des Innern an die Kommissarien der-Republik: Ein unsinniger Versuch gegen die Nationalversammkmg hat stattgefundcn, aber ohne den geringsten Erfolg ; die Versammlung hat ihre Sitzungen wieder begonnen. Die Regierung ergreift die kräftigsten Maßregeln. Straßburg, 16. Mai 1848. Als Abschrift: Der Direktor des Telegraphs, Lair. Als gleichlautende Abschrift: Der Abgeordnete der Departemkntalvcrwaltuwg, Gissen.
— 14. Mai. Die Lust ist schwül, eâ steht ein drohendes Gewitter am Himmel — und wenn kein Wunder geschieht, so wird es sich furchtbar entladen. — Gestern war Paris aUßerotdentlich bewegt, bis Mm 1 Uhr nach Mitternacht warön alle Straßen völl diskutirender Gruppen, ganze Kompagnien der Nâüonalgarde und der Mobilen durchzogen patrouMrend did' Stadt, und die trübsten Besorgnisse wurden überall laut.
Die Regierungskommission war gestern den ganzen Tag in geheimer Berathung im Marineministerium, die Minister waren ebenfalls anwesend, sehr wichtige Be- fchlüffe in Bezug auf die auswärtige Politik sollen gefaßt worden sein. Man spricht von einer außerordentlichen Aushebung von 200,000 Mann , die alle unver- heiratheten Männer von 18 bis 30 Jahren begriffe. Der Generalstab der Armee, das Geniewesen und die mobile Garde werden auf den Kriegsfuß gesetzt — ein Krieg bleibt der einzige Ausweg und der Vorwand dazu wird nicht mangeln.
Die Nationalversammlung hat indessen gestern bis 6 Uhr Abends ruhig reglementarische Fragen diskutirt, sie hat die Bildung von 15 permanenten Komitcs votirt, jedoch das der Gesetzgebung mit dem der Justiz vereinigt und dafür ein Komite der Arbeit ernannt, in welches sich das zur Untersuchung der Lage der arbeitenden Klassen ernannte Komitc verschmelzen wird. Sie hat ferner bestimmt, daß das Komite des Innern zugleich auch das Komite der schönen Künste sein wird und für Theater, Musik, Malerei, Poesie und Tanz zu sorgen hat.
Den ganzen Tag über durchkreuzten sich die verschiedensten Gerüchte; bald sollten im Schooß der Regierung Mißhelligkeiten auSgebrochen sein, bald hieß es, die Arbeiter würden morgen 200,000 Mann stark vor
die Nationalversammlung ziehen. Auf der kleinen Börse bei Tortoni war man allgemein entschieden kriegerisch gestimmt. ES herrschte dort der allgemeine Wunsch, daß sich die Regierung möglichst energisch zeige, sowohl in Bezug auf die Anträge Italiens als Polens, welche morgen in der Nationalversammlung gestellt werden dürften. Ihrer Ansicht nach brauche Frankreich nur eine feste Haltung zu zeigen, um die Völker Europa's in den Stand zu setzen, sich selbst diejenige Regierungsform zu geben, die ihnen beliebe. Wir haben die Richtung und das Ziel dieser Politik bereits besprochen, auch die „Demonstrationen" zu Gunsten Polens als das erkannt, was sie sein, nicht was sie scheinen sollen. Wahrscheinlich fand wirklich am Montag eine solche Demonstration Statt und wurde dabei die Nationalversammlung selbst in ihrer Sicherheit bedroht; daß der Schlag diesmal verunglückte, hat uns die obige telegraphische Depesche gemeldet. Näheres wird uns die nächste französische Post bringen. (D. Z.)
Geschichte des deutschen Bauernkrieges.
Von Dr. Julius. (Fortsetzung.)
Thomas Münzer.
Thomas Münzer war das geistige Haupt der Bauern und es ist unmöglich, in dem Gewirre dieses Bürgerkrieges den rothen Faden zu finden, ohne sich an die riesenhafte Gestalt dieses Mannes zu lehnen, der seine Zeitgenossen um vier Jahrhunderte übersprang.
Gewöhnlich, bemerkt ein geistvoller Schriftsteller, liefern unsere Geschichtsschreiber nur dithyrambische Erzählungen und Biographieen von großen Helden und Siegern. Für die großen Besiegten blieben sie entweder kalt oder sie erwiesen ihnen höchstens nur geschichtliches Mitleiden; öfter noch hielten sie es für bequem ihnen einen letzten Fußtritt nachzuschleudern und doch sind fast diese Besiegten allein die Pfeiler der Menschheit und die wahren, göttlichen Wegweiser der Geschichte. Was ist uns von den Heldenthaten Alexanders, Cäsars und Napoleons geblieben? Schlachtenschilderungen, um große, kleine und alberne Kinder zu amüsiren, die gern Soldaten spielen. Unter Alexander aber baut Aristoteles, Dank dem geschlachteten Sokrates, ein philosophisches Monument, das ewig dauert; unter den Cäsaren reißt ein Gekreuzigter den Himmel herab zur Erde und gibt der Welt eine andere Gestalt, und während Millionen Stimmen den Namen Napoleons jubelnd verkünden, von dem nichts, gar nichts übrig bleiben wird, legt Fourier das Fundament zu einer neuen gesellschaftlichen Ordnung, durch die, früh oder spät, die größte, friedlichste Weltumgestaltung stattfinden wird. Wir haben bis jetzt nur eine Geschichte der Menschen und Helden, die der Menschheit ist noch zu schreiben. Herder allein hat die Idee dazu gehabt.
Unsere Professoren und gestudirten Geschichtschreiber brachen sich gewöhnlich die schwachen Zähne an der Geschichtsrinde, an ihren Knochen aus; dringen daher selten bis in's blutige Mark, bis in den lebendigen Geist.
Wenige Geschichtschreiber noch haben Münzer'n vollkommene Gerechtigkeit widerfahren lassen. Bei dem Einen ist Münzer ein Wiedertäufer, der Gemeinschaft der Weiber und Kommunismus predigte; Andere stellen ihn als einen überspannten Kopf dar. Deutsche Gelehrten und Literaten, die, wenn sie zu Münzers Zeiten gelebt hätten, er nicht zu seinem Stiefelwichser gewollt hätte, die, weil sie selbst mittelmäßig, nur mittelmäßige Menschen begreifen und auffassen, die endlich, um einem Hoflakaicn zu gefallen, den Heiland selbst verleumden und verkleinern würden, haben es gewagt, ihren Rattenzahn an diese Granitsäule ju legen. Einige unter ihnen hassen, andere verleumden ihn, alle fürchten sie ihn heute noch. Luther, der größte und auch der mächtigste Feind Münzers gesteht selbst, daß er nie den Namen Münzers ohne einen innern Schauer niederschrieb. Heute noch ist es in gewissen Regionen gefährlich, diesen Namen auszusprechen. Woher dies? — Warum zittern jetzt