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Der Velksfreund.

Sobald wir Deutschen eine Nation sind, sind wir die erste.

S e u m e.

Wiesbaden. Freitag, den 19. Mai 1848.

Deutschland.

Mannheim, 15. Mai. Hier ist folgender Auf- ruf erschienen: Die neuesten Ereignisse haben vielfach das Bedürfniß einer starken Einigung aller bewährten Freunde der Einheit des deutschen Vaterlandes, deö Fortschritts und der gesetzlichen Freiheit hervortreten las­sen. Um diesem Bedürfnisse zu genügen, sind die Un­terzeichneten auf der in nachfolgender Erklärung enthal­tenen Grundlage zur Bildung eines neuen vaterländischen Vereins zufammengetreten.

Wir hoffen unerschütterlich fest aus eine große, glück­liche und ruhmreiche Zukunft des deutschen Volkes! Eine schöne und herrliche Zukunft wird unserem edlen Volke von nahe an 50 Millionen zusammenwohnenden Ange­hörigen mit dem Tage angebrochen sein, an welchem neben der deutschen Freiheit auch die deutsche Einheit fest begründet ist. Zur Gründung dieser deutschen Ein­heit und Freiheit ist der erste und wesentlichste Schritt geschehen durch den Zusammentritt der in allen deutschen Gauen vom Volke frei gewählten Vertreter zur deutschen Volkskammer in Frankfurt am Main. Um die deutsche Freiheit sür immer zu sichern, um die durch den Zusam­mentritt der deutschen Volkskammer begonnene Vereini­gung aller deutschen Volksstämme zu einem mächtigen Reiche zu vollenden, ist fortan Nichts weiter nöthig, als daß das Volk seiner Kammer Vertrauen und Unterstüz- zung gewähre, daß es den Beschlüssen der Mehrheit seiner Vertreter Nachdruck gebe und sür ihre Vollziehung Sorge trage; daß, an seinem festen Willen die Hinder­nisse ohnmächtig scheitern, welche der Vollziehung jener Beschlüsse, sei es von verblendeten Monarchen und ihren Dienern, sei es von irregeleiteten Massen und ihren sie mißbrauchenden Schmeichlern, entgegengesetzt werden mö­gen. Was die Mehrheit der von Deutschland freige- wählten Vertreter im Interesse der deutschen Freiheit und einheitlichen Macht beschließt, ob es den Erwartungen und Wünschen der Einzelnen mehr oder weniger ent­spreche oder nicht es ist der ausgesprochene Wille der Mehrheit der Nation, es muß um der deutschen Einheit, um des deutschen Friedens und um der Frei­heit willen jedem Einzelnen oberstes Gesetz sein. Nur der Beschluß dieser Mehrheit und seine Vollziehung kann für die Gesammtheit von Heil sein; alles Andere kann nur Uneinigkeit, 'Zwiespalt, Bürgerkrieg und Unglück über das schöne Vaterland bringen.

Wer immer den Entschluß mit uns theilt, den Be­schlüssen der Mehrheit der deutschen freigewählten Reichs­versammlung zur Seite zu stehen, ihre Durchführung in diesem Momente der Wiedergeburt eines einigen, mächtigen und freien deutschen Reiches mit allen ihm zu Gebot stehenden Mitteln zu fördern und zu unter- stützen, der ist brüderlich in unserem Bunde ausgenom­

men. In gleicher Weise glauben wir in unserem en­geren badischen Vaterlande nur Einen Weg vorgezeich­net, auf welchem eine glückliche und freie Zukunft, auf welchem der Fortschritt in der Gesetzgebung und Ver­waltung, die Verbesserung der wichtigsten bürgerlichen Verhältnisse ungefährdet und sicher erzielt werden kann.

Es ist das feste und mannhafte Zusammenstehen aller guten und freidenkenden Bürger,. um den Beschlüssen der srcigewählten badischen Volksvertreter Nachdruck und Gewicht zu verleihen; um die Durchführung und Er- süllung der von der Mehrheit der Abgeordneten ausge­sprochenen Wünsche deS Landes zu unterstützen. Wir sind gewiß, daß diese Mehrheit keinen auch noch so ent­fernten Versuch einer Reaktion dulden oder gar unter­stützen werde, und sollte er von irgend einer Seite je gemacht werden, so wird er scheitern an dem cntschloffe- nen Widerstande aller guten Bürger deS Landes. Man soll uns so wenig in die alten Geleise zurückführen, als man das Wasser wird bergan fließen machen. Möge eine freisinnige Regierung, mögen unsere freisinnigen Abgeordneten wissen, daß sie in dem Widerstande gegen reaktionäre Gelüste stets auf die Bürger des Landes zählen können. Sie zählen darauf, wir bezweifeln cs nicht; vielmehr hoffen und wünschen wir von der Re­gierung wie von der Kammer, daß sie die Vollendung all der Gesetze und Einrichtungen möglichst beschleunigen werden, welche zur Befestigung und Vervollständigung unserer Freiheiten nöthig und wünschenswerth sind. Zur Förderung deS gesetzlichen Fortschritts, zum Schutz der Freiheit, zur Wahrung der für das Gedeihen aller Geschäfte und Gewerbe, zur Sicherung von Arbeit und Erwerb für alle Klassen unserer Mitbürger so unent­behrlichen Ordnung werden wir mannhaft und fest zu­sammenstehen. Dies wollen wir! Wer mit uns auf diesem Wege eine freie und glückliche Zukunft deS Va­terlandes zu sichern wünscht, wer mit uns die srohe Zuversicht theilt, daß wir eine solche Zukunft auf die­sem Wege sicher erreichen werden, der schlage brüderlich ein und zähle sich zu unserm Bunde." I. P. Adam. L. Aler. Bassermann. I. Bauer. Blezinger. Simon Büh­ler. Claasen. Clottü. R. Dünkel. H. Düringer. Engel- Horn. Esser. Pl. Giulini. Gentil. PH. Held. Joerger. Jak. Kley. Dr. Ladenburger. Moriz Lenel. Fried. Lö­wenhaupt. N. Lindenberger. Eduard Moll. A. Nauen. C. Nestler. Fr. Oesterlin. A. Pfeffer. Melchior Rückert. Adam Roes. A. Sator. Schröder. Heinrich Weller. Dr. Weissenburg. Franz Wimmer. August Wunder.

Mannheim, 14. Mai 1848.

Berlin, 14. Mai. Die gestern Abend stattgefun­dene Volksversammlung unter den Zellen, die wohl auf 78000 Köpfe angeschlagen werden konnte, hat sich auf eine so drohende Weise gegen daS Fortbestehen deS