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schwerden in sechsPhn Artikeln aufgesaßt. 99 alb jedoch ging von Obcrschwabcn ein Manifest der Bauern aud, daS, aus zwölf Artikeln bestehend, die Runde durch ganz Deutschland machte und, so zu sagen, die Magna Charta der Bauern ward. Es ist dies ein religiös-politi- scheS Bekenntniß, das mit Klarheit und Gründlichkeit, Besonnenheit und Entschiedenheit vom Standpunkte des Evangeliums aus die Hauptbcschwcrdcn des gedrückten Bauernstandes zusammeugefaßt und beredter spricht für die gerechte Sache der Bauern als alle weitläufigen RaisonncmcntS und Erörterungen dies vermögen. Bei dem uns zugemessenen beschränkten Raum, müssen wir uns begnügen, einige der wesentlichsten Punkte daranS mittheilen. Die Ueberschrist lautete:

Die gründlichen und rechten Hauptartikel aller Bauernschaft und Hintersassen der geistlichen nnd weltlichen Obrigkeiten, von welchen sie sich beschwert vermeinen.

Der dritte Artikel lautete:

Zum Dritten ist der Brauch bisher gewesen, daß man uns für Eigcnlcute gehalten hat, welches zum Erbarmen ist. Angesehen, daß nns Christus Alle mit seinem kost­baren, vergossenen Blnt erlöst und erkauft hat (JesaiaS 53, 1. Pct. 1. 1. Cor. 7. Röm. 13.) den armen Hir­ten sowohl, als den höchsten, keinen ausgenommen. Darum erfindet sich in der Schrift, daß wir frei sein (Weisheit 6, 1. Pet. 2.) Nicht daß wir gar frei sein, keine Obrigkeit haben wollen, daß lehrt uns Gott nicht. Wir sollen in Geboten leben, nicht in freiem, fleisch­lichen Muthwillen (5. Mos. 6. Matth 4.), sondern Gott lieben als unsern Herrn, in unsern Nächsten Bider erkennen, und alles das ihnen thun, was wir auch gern hätten, wie uns Gott am Nachtmahl geboten hat (Luc. 4, 6. Matth. 5. Joh. 13 ) Darum sollen wir nach seinem Gebote leben. DieS Gebot zeigt und weist uns nicht an, daß wir der Obrigkeit nicht gehorsam feien Nicht allein vor der Obrigkeit, sondern vor Je­dermann sollen wir und demüthigen (Röm. 13), wie wir auch gerne unserer erwählten und gefegten Obrig­keit, so uns von Gott gesetzt ist (Apostelgesch. 5) in allen ziemlichen und christlichen Sachen gehorsam sind. Wir sind auch a u ß c r Z w e i s e l, ihr w e r d c t und der Leibeigenschaft als wahre und rechte C h r i st e n entlassen, oder uns aus d c in Evangelium dessen berichten, daßwirLeib- eigene sind.

Zwölfter Artikel:

Zum Zwölften ist unser Beschluß und endliche Mei- nung, wenn einer oder mehrere der hier gestellten Ar­tikel dem Worte Gottes nicht gemäß wären, so wollen wir, wo uns selbige Artikel mit dem Worte Gottes als unziemlich nachgewiesen werden, davon abstehen, sobald man uns cs mit Grund und Schrift erklärt. Und ob man uns gleich etliche Artikel jetzt schon zuließe, und eS befände sich hernach, daß sie unrecht wären, so sollen sie von Stund' an todt und ab sein, nichts mehr gelten. Desgleichen, wenn sie in der Schrift mit der Wahrheit mehr Artikel finden, der wider Gott und dem Nächsten zur Beschwerniß wären, wollen wir uns diese auch vor- zubchalten beschlossen haben, und uns in aller christlicher Lehre üben und brauchen, darum wir Gott, den Herrn, bitten wollen, der uns selbige geben kann und sonst niemand.

Der Friede Christi sei mit uns Allen!

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Nicht allein sind in diesen Artikeln die Ursachen des Krieges klar unb deutlich auseinandergesetzt, sondern sie bilden anch ein Glaubensbekenntniß, wie die ganze Geschichte kein christlich-sreicres aufzuweisen hat. Es ist gleichviel, ob Münzer oder einer seiner Schüler die Artikel verfaßt; solche populäre Dokumente, ein wahres Heiligthum der Geschichte, bedürfen keines Ei­gennamens, um so weniger, da sie der Ausdruck Aller

sind. Von nun an dreht sich der ganze Krieg zwischen Bauern und Herren, zwischen dem evangelischen und dem schwäbischen Bund um die Annahme oder daö Ver­werfen der zwölf Artikel.

Merkwürdig kurz und bündig sind die zwölf Artikel der Elsässer unb Lothringer Bauern.

Sic verlangten: 1) bad Evangelium nach der rech­ten Meinung gepredigt haben. 2) Keinen Zehnten mehr geben, noch großen, noch kleinen. 3) Auch keinen Zins und keine Gülten mehr, außer den zwanzig Gulden Einen. 4) Alle Wasser sollen frei sein. 5) Alle Wälder und Hölzer frei. 6) Das Wildpret frei. 7) Keiner soll mehr leibeigen sein. 8) Keinen Fürsten und Herrn, als der ihnen gefalle und das soll der Kaiser sein. 9) Gericht und Recht, wie von Alters her. 10) So etwa ein Amtmann sei, der ihnen nicht gefalle, so wollten sie Gewalt haben, einen nach ihrem Gefallen zu setzen. 11) Kein Todfall mehr. 12) Die Allmanden, von den Herrschaften zugeeignet, sollen wie­der Gemeindeallmandcn werden.

Kaum aber hatten sich die Bauern, auf die Gefahr ihres Lebens hin versammelt, um ihre natürlichen Rechte friedlich zu erlangen, so suchte sie Ulrich von Schwaben in seinem Privatiutcresse auSzubeuten und zu benutzen. Er hatte bereits zwei Versuche gemacht, um auS der Schweiz th sein Erbland zurückzukehren und die Wür­temberger, obschon Ulrich abgeneigt, waren der neuen österreichischen Regierung und dem ichwäbischen Bunde, der unter ihrem Schutze stand, ebenfalls nicht sehr hold. Ulrich hatte sich gut evangelisch erklärt; er versprach scierlich die Leibeigenschast und alle andere Mißbräuche abzuschaffen unb trat darüber mit Hans Müller von Bulgenbach, dem Haupte der Bauernhorde aus Stühlin­gen in Verbindung. Indessen wurde der Herzog selbst von der österreichischen Regierung in die Acht gethan und zwar als Mitglied des armen Konrad Franz der Erste, König von Frankreich, natürlicher Feind des Kaisers und des Hauses Oesterreich, war ein Freund Ulrichs und versprach ihm Hülfe. Ulrich schickte ihm seinen listigen und gewandten Unterhändler Hans von Fuchsstein und verlangte 15,000 Kronen von ihm. Franz war in Italien; plötzlich kam die Nachricht, er habe die Schlacht von Pavia verloren. Da verlor auch Ulrich den Muth. Seine Schweizer nahmen Reißaus und so kehrte er zum dritten Male mit Schande und Spott ii die Schweiz zurück. Nichts destoweniger ist seine Schlappe den ersten Unternehmungen der Bauern nachtheilig ge­wesen. (Forts, folgt.)

Neueste Nachrichten.

Schleswig, 13. Mai. Aus dem Hauptquartier Ulderup vom 12. Mai wird gemeldet:Die Dänen sind am 11. und 12. wieder mit Arbeits - Kommandos bei Sonderburg-Fähr gelandet, doch ist kaum ein Schuß geschehen. Um 4 Uhr Morgens haben die dänischen Kanonenbote ein Haus am Ufer, welches sie wahr- scheinlich für besetzt gehalten, durch Werfen von Bom­ben fast gänzlich dcmolirt und einen Einwohner im Bette getövtet."

Paris, 14. Mai. Die Zusammenrottungen waren gestern noch den ganzen Abend hindurch sehr zahlreich an den Thoren St. Denis und St. Martin, wie auch auf den Boulevards. Die Vertagung des National- festes, weit davon entfernt, die Erregtheit der Gemüther, zu vermehren, wurde von den Arbeitern im Gegentheil sehr gut ausgenommen; sie sagten unter einander:Ar­beit und Brod , aber kein Fest; denn es fehlt an Geld, cs zu bezahlen." Die Ruhe erlitt keine ernstliche Störung.

Hr. Emanuel Arago, Mitglied der Nationalversamm­lung, ist mit einer außerordentlichen Mission nach Ber­lin beauftragt worden, mit dein Titel eines außerordent­lichen Gesandten und bevollmächtigten Ministers.

Verantwortlicher Redacteur: Fr. Emminghaus. Druck der I. A. Stein'schen Buchdruckerei zu Wiesbaden.