reit erklärt habe, sobald der Zweck dieser Maßregel erreicht sei, ihre Truppen aus Jütland zurückzuziehen.
(Pr. StaatSanz.)
Posen, 10. Mai. Das größte Partisanenkorps, unter dem Justizkommissär Krotowski, ist, wie bereits gemeldet, vorgestern bei Rogalin an der Warthe gänzlich auseinandergesprengt worden; die Insurgenten haben etwa 30 Todte aus dem Platze gelassen und ihre sämmtlichen kleinen Kanonen eingebüßt; viele Gefangene sind in die Hände der Soldaten gefallen. Kra- towSki selbst, der ein geübter Schwimmer ist, entkam dadurch, daß er sich in den Fluß stürzte; indessen ist er in der verflossenen Nacht in Konnarzcwo von dem Lieutenant v. EckartSberg erkannt und verhaftet worden. Da er eins der Häupter und Hauptleiter der ganzen Schilderhebung der Polen ist, so dürfte sein Schicksal unschwer vorherzusehen sein. Auch ein anderer Jnsur- gentenchef, der hiesige Schlosser Lipinski, der noch an allen Verschwörungen Theil genommen hat, ein höchst verwegener Mann, ist gestern gefesselt hier eingebracht worden, wobei cs noch eine grausenerregende Scene gab. Der Sohn eines bei Buk ermordeten Juden erkannte nämlich in Lipinski sofort den Mörder seines Vaters, und nun fiel das versammelte Volk mit kannibalischer Wuth über denselben her und würde ihn auch, trotz der Militäreskorte sofort in Stücke zerrissen haben, wenn nicht ein entschlossener deutscher Mann von kollos- saler Kraft, der Regierungsrath v. Schreeb, herzugc- sprungen wäre und mit eigener Lebensgefahr den Li- Pinsky der Volksjustiz entzogen hätte. (D. A. Z.)
Geschichte des deutschen Bauernkrieges. Von Dr. JuliuS.
(Fortsetzung.)
Sickingen konnte auf den Adel zweiten und dritten Ranges zählen, der längst schon auf eine Gelegenheit lauerte, um das Joch der Feudalität abzuschütteln. Im Frühjahr (1522) vereinigten sich in Landau die Herren von Kronberg, Schauenburg, Fürstenburg - Helmstätt, Gemmingen, Menzingen und noch mehrere Ritter auS Franken, Schwaben und am Rheine, um einen Schutz- und Trutzbund für sechs Jahre zu zeichnen. Sickingen war entschlossen mit offenem Visir anzugreifen. Ulrich jedoch sah wohl ein, daß der Adel allein nicht mächtig genug sei, um Kaiser, Fürsten und Prälaten die Stirn zu bieten. Er suchte namentlich auch die Bürger und Städter für seine Sache zu gewinnen, sogar den Landmann, Handwerker und Taglöhner wollte er Theil nehmen lassen. — Allein Sickingen war zu hastig und überstürzte Alles. Zu früh eröffnete er von Ebernburg den Krieg. Mit 5000 Fußgängern, 2000 Mann Reiterei und einer ziemlich gut bestellten Artillerie brach Sickingen den 1. Septbr. 1522 gegen Trier auf und erklärte dem Erzbischof Richard von Greifenklau die Fehde, „er künde ihm den Krieg um der Dinge willen, die der Churfürst gegen Gott und Kaiserliche Majestät gehandelt habe." Anfangs ging Alles glücklich; St Wendel fiel sogleich und am 7. Septbr. stand Sickingens Heer vor Trier. Die Gefahr für das alte Reichsregiment war groß, noch größer die Furcht. Die großen Herren zitterten an allen Gliedern, als sie die wunderbare Mähr erfuhren. Allein Sickingen hatte sich geirrt. Die gehoffte Hülfe der Reichsfürsten kam nicht, selbst von den verbündeten Rittern blieben viele aus. Sickingen mußte die Belagerung aufheben und, von der Uebermacht bezwungen, sich auf seine Burgen zurückziehen. Allein die Fürsten verfolgten ihn bis dahin, verwüsteten seine Landgüter und nahmen eine Burg nach der andern. In dieser Gefahr entließ Sickingen zuerst seine gelehrten Freunde, um sie nicht der Wuth der Feinde preiszugeben; dann bat er auch seinen Freund Hutten, der an einem hartnäckigen Fieber litt, ihn zu verlassen, da der Bischof, wenn.es übel abliefe, mit ihm als einem Geächteten nicht sehr glimpflich verfahren dürfte. Hutten ging, in der Hoffnung, auswärts fei
nem Freunde besser zu dienen und Hülfsvölker zu werben; Sickingen aber verschanzte sich auf seiner Burg Landstuhl, bereit, sich bis zum letzten Hauche zu vertheidigen, obwohl er, selbst gichtbrüchig, kaum auf den Füßen stehen konnte. Die Angriffe waren aber so heftig, daß die Mauern durch die Gewalt des schweren Geschützes bald zerschmettert wurden. Sickingen selbst wurde dabei schwer verwundet und von seinen Leuten in ein unterirdisches Gewölbe getragen. Von hier aus unterhandelte er mit den Feinden, und als er gebrochen am Leibe, doch noch immer aufrechten Muthes keine Rettung sah, ergab er sich; starb aber einige Stunden, nachdem die Fürsten in die Trümmer von Landstuhl eingezogen waren. So fiel der tapferste Ritter seiner Zeit, ein Held an Muth und Gesinnung; er hat sreilich den Landfrieden gebrochen, allein nicht für seine Sache, und um Raub und Mord zu verüben, sondern, wie er meinte, dem Vaterlande Freiheit zu erkämpfen. Als Luther die Nachricht von Sickingens Tode hörte, wollte er'ö lange nicht glauben; doch da sich die Nachricht bestätigte, sann er tief nach und brach dann in die Worte aus: „Der Herr ist gerecht, aber wunderbar. Er will seinem Evangelium nicht mit dem Schwerte helfen!"
Sein Freund Hutten irrte noch eine Weile als Flüchtling umher, verfolgt wie das Wild des Waldes, wollte aber König Franzens Einladung nicht annehmen, sondern wanderte krank und elend nach Basel zu seinem alten Freunde Erasmus. Dieser aber, der seinen Geist einst so hoch hielt, selbstsüchtig und furchtsam wie er war, verläugnete ihn. So mußte der Flüchtling, weil ihn der Baseler Rath nicht dulden wollte, weiter ziehen und sand erst bei dem edlen Ulrich Zwingli in Zürich Unterkunft. Hier wurde er gepflegt mit Sorgfalt und christlicher Liebe; allein der Zürcher Rath schaffte ihn aus Rücksicht gegen den Kaiser auch ab, und so sandte ihn Zwingli zu einem befreundeten Pfarrer auf der Insel des Zürchersees Ufnau, wo er nach kurzen Leiden im 36. Jahre seines stürmischen Lebens starb. So ging in Erfüllung, was Hutten einst selbst an Luther schrieb: „Dein Werk, heiliger Mann, ist aus Gott und wird bleiben; meines ist menschlich und wird untergehen."
Ausbruch des Krieges.
Damals mehr noch als jetzt war Deutschland in verschiedener Herren Länder getheilt und fast jeden Schritt war ein anderes Land, ein anderer Herr, ein anderes Recht. Die Einheit bestand nur in dem Elend und der Unterdrückung des Bauern und gemeinen Mannes; die Klagen über Frohnen, Zugeld, Steuern, Brücken- und Straßengeld, Zehnten und sonstige Bedrückungen waren überall dieselben, soweit die deutsche Zunge klang. Die Herren übten meistentheilS selbst Gerechtigkeit. Alle Klagen der Landleute wurden barsch, oft mit Kerker und Folter zurückgewiesen und das geringste Vergehen nicht selten mit dem Tode bestraft. Jedoch zählt die Geschichte einige wahrhaft edle und adelige Namen auf, die eben so christlich-menschlich, als evangelisch-brüderlich dachten. Außer dem edlen Churfürsten von Sachsen waren Eberhard, Würtembergs erster Herzog und ein Herr von Einsiedel großartige Ausnahmen. Heinrich von Einsiedel, der die Frohnen für unchristlich hielt, wendete sich an Luther, um bei ihm Rath zu holen. Dieser aber antwortete: „Die Frohnen seien zuweilen zur Straft auferlegt oder durch Verträge erlangt worden. Er könne sie also mit gutem Gewissen beibchal- ten." Und späterhin antwortete derselbe Reformator Luther in ebenso bornirter und unchristlicher Weise: „Der gemeine Mann," sagt er, „müsse mit Bürden beladen sein, sonst werde er zu muthwillig." (Schöne Maxime daö!) Einsiedel jedoch gehorchte auch diesem Rathe nicht und hob die Frohnen aus. — Helena von Rappolstein, Gräfin von Lupfen scheint aber vollkommen Luthers Meinung gewesen zu sein, daß man den gemeinen Mann mit Bürden belasten müsse. Sie zwang ihre Bauern sogar