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schrieb und die Auslieferung des gefährlichen Ritters forderte.

Erst im Jahre 1521 versuchte cs Hutten, persönlich mit Äther in Verbindung zu treten.Wache auf, Du edelc Freiheit," so schrieb er ihm in seinem ersten Briefe, wir haben dennoch hic Etwas ausgerichtet und fort­gesetzt. Der Hcr^ sei fürder auf unserer Seite und stärke uns, um dessen Willen wir und jetzt hart be­mühen, seine Sache zu fördern und seine heilsame, gött­liche Lehre wiederum lauter und unverfälscht hervorzu­bringen und an den Tag zu geben. Solches treibt ihr gewaltig und unverhindert, sich aber nach meinem Ver­mögen, so viel ich kann. Seid nur keck und beherzt und nehmet gewaltig zu und wanket nicht. Ich will Euch in Allem, cs gehe wie es wolle, getrost und treu­lich beistehen. Deßhalb dürft Ihr mir hinfort ohne Furcht Eure Anschläge kühnlich offen­baren und vertrauen. Wir wollen durch Gottes Hülfe unser Aller Freiheit schützen und erhalten und unser Vaterland von allem dem, damit cs bisher unter­drückt und beschwert gewesen, getrost erretten. Ihr wer­det sehen, Gott wird uns beistchen. So denn Gott mit uns ist, wer ist wider uns!" Früher schon hatte Hutten eine Broschüre veröffentlicht, in der er für Frei­heit und Einheit Deutschlands austrat.Zu Deinen Gezclten, Israel," ruft er Dentschland zu,die Tyran­nei Roms wird nicht mehr lange dauern. Schon ist die Art dem Baum an die Wurzel gelegt. Muth, Muth, ihr Deutschen! Hindurch! Hindurch! Es lebe die Freiheit!"

Aus dem Briefe HuttenS an Luther erhellt deutlich, daß Hutten zuerst wähnte, Luther sei ein Patriot, der seine politischen Pläne hinter der politischen Reform ver­berge. Hutten hatte überhaupt, ehe er zum Aeußersten, d. h. zur Revolution schritt, Alles versucht, die Mäch­tigen seiner Zeit zum friedlichen Fortschritt zu bewegen. Er richtete sich zuerst an den Churfürsten Friedrich von Sachsen, den Beschützer und Freund Luthers. Dieser aber, fromm und friedlich schauderte, wie auch der neu- gewählte Kaiser Karl der Fünfte, vor der Kühnheit Huttens zurück. Der Einzige, der ihn verstand und auf seine Pläne einging, war sein Herzensfreund Franz von Sickingen. Hutten las seinem Freunde die Bibel und die Meisterwerke der Alten vor. Er bewies ihm logisch, wie daS morsche StaatSgebäude auf Unvernunft der Einen und auf Unwissenheit der Andern gebaut, zuerst cingcrissen werden müsse, um ein neues auf Wahr­heit, Vernunft und Religion zu gründen. Und Franz wurde überzeugt; er wurde Feuer und Flammen für die neuen Ideen und ein begeisterter Vorkämpfer der Wahrheit. Er bereitete sich zum Kampfe vor, trat in Unterhandlung mit seinen Freunden, auf die er zählen zu können glaubte, und bald hieß die Ebernbnrg die Herberge der Gerechtigkeit. Vor Allem galt cs jetzt, Luther» für die Sache zu gewinnen. Franz und Ulrich hatten ihn verschiedcnemale nach der Ebern- burg cingeladen. Dort war eine Buchdruckerei, dort konnte man nach. Lust und Liebe denken, schreiben, dru­cken und sprechen. Wer hätte vermuthen sollen, daß der kühne Reformator Bedenken tragen würde; schrieb er doch schon im Jahre 1517 in einer Broschüre: So wir Diebe mit Strang, Mörder mit Schwert, Ketzer mit Feuer strafen, warum greifen wir nicht vielmehr diese schädlichen Lehren des Verderbens, als Päpste, Kardinäle, Bischöfe und das ganze Geschwärm der römischen Sodoma mit allerlei Waffen an, und waschen unsere Hände in ihremBlute." Doch im Jahre 1521 war der Reformator schon besonnener geworden und seine Hitze hatte sich bedeutend abgekühlt: So helf uns Gott, schreibt er daß wir unsere Freiheit erretten. Es gebe der Papst her Rom und Alles, was er vom Kaiserthum hat, lasse unser Land frei von seinem unerträglichen Schälen und Schinden, gebe wieder unsere Freiheit, Gewalt,

Gut, Ehre, Leib unb Seele und lasse ein Kaiserthum sein, wie einem Kaiserthum gebührt." Dasselbe wünschte und wollte auch Hutten. Er wollte cs mit Gewalt; allein Luther sprach sich jetzt gegen alle und jede Ge- waltmaßrcgcl aus.Ich möchte nicht," antwortete er, daß man das Evangelium mit Gewalt und Blutver­gießen verfechte. Durch daS Wort ist die Welt über­wunden worden, durch daS Wort ist die Kirche erhalten, durch das Wort wird sie auch wieder in den Stand kommen und der Antichrist, wie er seines ohne Gewalt bekommen, wird ohne Gewalt fallen."(?) (Forts, folgt.)

Verschiedenes.

Die deutschen Künstler, besonders die Virtuosen, Sänger und Tänzerinnen haben beschlossen, eine Peti­tion an das Parlament ergehen zu lassen, worin sie um schleunigste Vorstellung des innern und äußern Friedens bitten. Sie beklagen sich über die eingetretene Lauheit des Publikums, bei welchem seit Februar d. I. der Sinn für das Theatralische ganz in den Hintergrund getre­ten ist. t-..;

Keine Tänzerin ist mehr int Stande, daS Publikum hinzureißen; kein Sänger kann seine Zuhörer mehr be­geistern, und wenn das so fortgeht, so wird man bald eine Jenni Lind vergessen haben. Donizetti ist vor Kur­zem gestorben , aber kaum hielt es ein öffentliches Blatt für werth , seines Todes zu erwähnen. Schlimme Zei­ten für Künstler!

Neueste Nachrichten.

Aus Schleswig-Holstein, 12. Mai. Unser Krieg gegen das unverschämte kleine Dänemark wird immer hitziger und ernsthafter. >Es ist jetzt außer Zwei­fel, daß den Dänen 20,000 Mann Schweden und Nor­weger zu Hülfe kommen werden. Aber General Wran­gel ist ein zweiter Blücher, ein Mann von ächtem Schrot und Korn. Aus die Drohung des dänischen Schiffs- kapitäns Sten Bille,eine grausame Rache an den Seestädten der Ostsee zu nehmen" hat er geantwortet:für jedes Haus, welches die dänische M arine an deutschen Küsten in Brand schießt, wird ein Dorf in Jüt­land brenne n." Der Krieg mit Dänemark wird uns auch vom Sundzoll befreien, der Dänemark jähr­lich 2 Millionen Thaler einträgt.

Möchte doch Deutschland bald den Krieg an Ruß­land erklären, damit das arme schauderhaft mißhandelte Polen wiederhergestellt und unsere deutschen Brüder in Livland, Kurland ic. von der Knute befreit werden. Wenn Deutschland einig ist, so können wir den Kampf mit der Welt ausnehmen.

Anzeigen.

(18) (Verspätet) Während wir hier Wunder meinen, wie glücklich und ruhig wir leben, säet doch der T ...., oder was gleichbedeutend ist, der Jesuilismus sein Unkraut unter den Wai- zen; es wird ein Stadtschultheißerei-Verwalter gewählt, die Wahl trifft einen Menschen, welcher ein recht guter Weinbergsmann sein kann, aber leider von wahrer Politik nichts versteht und der den Geist der Zeit auch nicht im Entferntesten begriffen hat.

Die Fabel von den Fröschen, weiche einen König verlangten, hat sich bei uns trefflich bewährt.

Doch zur Sache! Dieser Mann, Herr Sch... genannt, scheute sich nicht, vor versammelter Gemeinde, als die Rede davon war, die Kirche zur Wahl zu benutzen, (Hört! Hört!, zu sagen: Unsere Kirche geben wir dazu nicht her, da kommen allerlei Na­tionen (Sie wissen, was bei Jesuiten in konfessioneller Hinsicht Nationen heißen,) und auch die Juden hinein!" Bei der Wahl selbst, fuhr er junge 23jährige Leute, welche er zuvor zur Wahl durch Protokoll, welches sie unterschreiben mußten, eingeladen hatte, mit den Worten:Ihr seid Rebeller!" an. Wir aber sagen, er ist der Rufhetzer, der Aufwiegler, er ist derjenige, der durch seine jesuitisch-rebellischen Ansichten Andersglaubende verächtlich machen möchte. Nach unserer Ansicht kann kein Ehrenmann mit ihm zur Wahl eines Parlamentsmitgliedes zusammentreten. Uebrigens müssen wir auch noch schließlich bemerken, daß von diesem Mann wenig zu verlangen ist, da er viel zu wenig Erziehung hatte, in­dem er sehr früh vaterlos geworden ist.

Hochheim, im Mai 1848

Verantwortlicher Redacteur : Fr. Emminghaus. Druck der J. A. Stein'schen Buchdruckerei zu Wiesbaden