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kommunistische nennt, unter ihnen auch Dr. Lüning, Redakteur des Westphälijchen Dampfboots, dort versam­melt. Da erscheint ein Trupp von ein paar Hundert Webern und schickt in die Versammlung eine Deputa­tion, welche sich darüber beklagt, daß alle die Verspre­chungen, die von den Herren Kommunisten gemacht wür­den, nicht in Erfüllung gegangen, die Verhältnisse viel­mehr immer schlechter geworden seien, und sich schließlich von den Herren feierlich loSsagt. Als sich Letztere hier­gegen vertheidigen wollen, macht man ihnen bekannt, daß es besser wäre, wenn sie ihr ganzes System auf­gäben: es wurde zunächst verlangt, daß sie sich ihrer kommunistischen Bärte entledigten. Sie brauchten sich nicht weiter zu bemühen, die Rasirer wären j$on mit­gebracht. ES werden denn auch Rasirer herbeigeholt und es muß sich die ganze Versammlung wohl oder übel rasiren lassen. Soll man dies als einen guten Geist der Bevölkerung ansehen oder als reaktionäre^Regung?

Ober-Glogau, 6. Mai. Heute früh um 1 Uhr brachte eine Staffette die Ordre, daß das erste Aufge­bot der Landwehr eingezogen werden und bis zum 9. Mai bereits in Kosel eintreffen müßte (O. B.)

Dänemark.

Kopenhagen, 8. Mai. Es heißt von vielen Seiten, und diese Nachricht wird auf vielfache Weise bestätigt, daß am 2. Mai Abends in Stockholm beschlossen wor­den, uns mit 20,000 Mann Schweden und Norwegern beizustehen. Von den uns gegenüberliegenden schwedi­schen Städten wird versichert, daß bis zum 20. Mai circa 14,000 Mann Schweden marschfertig in Schonen stehen werden, während hier auch noch auf wenigstens diplomatischen Schutz und Beistand von England und Rußland gerechnet, und inzwischen unsere Armee auf Fü­nen und Alsen täglich verstärkt wird. Die Preußen wurden in Randers erwartet. StaatSminister Leh­mann ist in Veile, Ribe, Horsens und Aalborg gewe­sen und am 5. Mai in Kopenhagen zurück eingetroffen. Alle Truppen sind von Aarhaus wegtransportirt, und von dort und Randers nebst Arsenalgegenständen per Dampfschiff weiter bugsirt. Wie eS scheint, nach Fü­nen. DieBerlinische Zeitung" enthält Folgendes: Beim Schluffe der Zeitung empfangen wir ein Privat­schreiben, worin man unS auS Stockholm vom 2. Mai die erfreuliche Nachricht gibt, daß ein HilfSkorpS von 20,000 Mann Marschorder erhalten hat. Wir können in Folge dessen bald schwedische Truppen hier erwarten."

Frankreich.

Von Straßburg erhalten wir soeben zwei telegra­phische Depeschen, deren erste die Ernennung des Ministers des Innern, die zweite spätere die Bildung deS ganzen Ministeriums ankündigt. Dieselbe lautet:

Paris, 12. Mai, Abends 47, Uhr. Der Minister des Innern an die Kommissäre der Republik. Sie er­halten hier die Zusammensetzung des neuen Ministeriums, wie cS durch die Kommission der Erckutivgewalt ernannt worden ist. Minister der Justiz Cremieur; der aus­wärtigen Angelegenheiten. Jules Bastinde (Untcrstaats- sekretär Jules Favre;) de's Kriegs (interimistisch) Char- ras; der Marine Easy; deS Innern Recurt (Unterstaats­sekretär Carteret); des öffentlichen Unterrichts Carnot; der öffentlichen Arbeiten Trelat; des Handelö Flocon; des Kultus Bethmont; der Finanzen Duclerc. Maire von Paris: A. Marrast; Polizeipräfekt Cauffidiöre; Pagnerre ist Sekretär der Erekutivbehörde mit berathen­der Stimme im Ministerrath. (D. Z.)

England.

London, 8. Mai. Ich kann Ihnen die erfreuliche Nachricht mittheilen, daß sich hier ein Verein der hiesi­gen Deutschen gebildet hat, um dem Vaterland ein Ge­schenk mit einem ersten deutschen Kriegsschiff zu machen. Es soll 25,000 Pfund kosten. Der Prinz von Preußen geht mit einer Zeichnung von 1000 Pfund voran. Darf man Gerüchten trauen, so ist die preußische Ge­sandtschaft überhaupt bedacht, für den Ankauf von Schif­

fen erfolgreicher zu wirken, als der Bundestag durch seine Gesandten mit leeren Taschen.

Geschichte des deutschen Bauernkrieges. Von Dr. Julius.

(Fortsetzung.)

Mit seinem Adlerblick hatte er zuerst in Luthers Wort die neue deutsche Zukunft erblickt und er erkannte leicht, daß mit dem Evangelium auch das politische Reich vor Allem erlöst werden müsse. Während Luther es bloß mit der Geistlichkeit zu thun hatte, griff er die Mäch­tigen der Politik mit eben so viel Unmuth und Ernst als die Klerisei an. Es war ihm ein leichtes zu beweisen, daß die politische Freiheit Hand in Hand mit der reli­giösen geht und daß ohne politische Reform die religiöse nicht von Dauer sein könne.

Churfürst Albrecht II. von Mainz war der erste, der zur Veredelung der äußern Stellung Huttens in Deutsch­land beitrug. Dieser kunstsinnige Prälat war ein eifri­ger Beschützer der Kunst und der Künstler, der Wissen­schaft und der Gelehrten; er war ein deutscher Medicis; allein mehr kunstsinnig alö charakterfest, wohlbestallt und an die feineren Lebengenüsse gewöhnt, vermied er gern jede Kollission mit Fürsten und Machthabern und suchte, wo möglich, Alles fernzuhalten, was ihn in seiner be­haglichen Ruhe stören konnte. So tolerant und aufge­klärt der Erzbischof Albrecht war, so pflegte er doch, gezwungener Verhältnisse halber, Ablaßbriefe zu verkau­fen, die ihm sehr viel Geld eintrugen. Das war un­serm Hutten unerklärlich und unerträglich. In einer Broschüre gegen Rom nennt er die Päpste geradezu Schurken, Tyrannen und Dummköpfe. Als auf dem Reichstage zu Worms die Frage wegen einer türkischen Abgabe entstand, d. h. daß man unter dem Vorwande, die Türken zu bekämpfen, dem deutschen Volke neues Geld abzapfen wollte, schrie Hutten:Die wirklichen Türken sind in Italien, Der Papst ist der Sultan, und

i Heer, daö sind die Pfaffen." Der Papst verlangte hierauf vom Bischof Albrecht die Auslieferung Huttens und dieser, um seinen großmüthigen Freund nicht in Verlegenheit zu bringen, zog vor, den Mainzer Hof freiwillig zu verlassen und begab sich zu seinem Freunde Franz von Sickingen, der ihn schon mehreremale einge­laden hatte, nach Ebernburg zu kommen, um mit ihm Freud' und Leid zu theilen. Um diese Zeit sendete der von allen Fesseln sich völlig freisühlende junge Adler viele Schriften, Broschüren und Gedichte in die Welt, die wie Blitze zündeten und mit Flammenschrist geschriebene Aufforderungen an das deutsche Volk waren, sich vom römischen Joche zu befreien. So sang Hutten:

Sie haben Gottes Wort verkehrt,

Das christlich Volk mit Lügen b'schwert;

Die Lügen woll'n wir tilgen ab,

Uf daß ein Licht die Wahrheit hab';

Die war verfinstert und verdampft,

Gott geb' ihm Heil, der bei mir kämpft;

Das hoff' ich mancher Ritter thu'

Manch' Graf, manch' Edelmann darzu,

Manch' Bürger, der in seiner Stadt

Der Sachen auch Beschwerniß hat;

Uf daß ich's nit anheb umsunst.

Wohlauf, wir haben Gottes Gunst,

Wer wollt' in solchem bleiben d'heim? Ich Habs gewagt, das ist mein Reim!

Amen.

Nichts, was je in deutscher Sprache geschrieben wor­den, hat die Kühnheit seines Geistes erreicht; kraftlos waren die fürchterlichen Bannbullen, wenn sein zer­malmendes Wort sich hören ließ. Er unterließ nicht, gewaltig und unverhindert, ich aber nach meinem Ber­auch selbst an den Papst ju schreiben und ihn zu er­mahnen, dann aber, gleich den übrigen Finsterlingen schonungslos zu geißeln; ja die Bannbulle, welche Luthern verdammte, gab er im Druck heraus mit beißenden An­merkungen, welche die Willkür des Papstes erst recht in'S Licht stellten. Darum wurde er auch gleich Luthern in den Bann gethan und auS der christlichen Kirche aus­gestoßen vom Papste, der auch an den Kaiser Karl