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No. 57.

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Der Velksfreund.

Sobald wir Deutschen eine Nation sind, sind wir die erste.

Seume.

Wiesbaden. Dienstag,

t*t Schuldenlast

der deutschen und europäischen Staaten.

II. Europäische Staaten.

(Schluß.)

1785

1789

1818

1825

1845

Auf jede Familie.

Mill.

Mill.

Mill.

fl.

Großbrittanien .

3240

10,500

9700

1796, mit Col. 277

Frankreich. .

260

1900

3200

460

Rußland . . .

75

550

960

80

Polen , . . .

40

Niederlande . .

1300

1800

2200

3660, mit Gol. 1375

Belgien . . .

0

220

275

Spanien . . .

350

1200

1800

750, mit Gol, 600

Portugal . . .

35

150

260

370

Jtal. Staaten .

150

450

500

125

Dänemark. . .

Schieden, und

25

90

148

370

Norwegen .

12

16

8

33

Griechenland. .

4

80

500

Türkei . . .

0

150

200

50

Gesammtzahl aller

europ. Staaten

5750

17,770

21,200

** Das Zerrbild des 4. März zu Wiesbaden.

(Preis 12 Kreuzer, in Kommission bei Chr. Wilh.

Kreidel zu Wiesbaden.)

So sehr es uns sreut, daß ein Maler sich der gro­ßen That dieses Tages bemächtigt hat, so müssen wir doch unser Urtheil dahin aussprechen, daß daS Bild im Einzelnen verfehlt worden, obgleich die Idee des Gan­zen zu loben ist. Der ärgste Fehler ist der, daß der Künstler das Volk, als Graf Walderdorff vom Balköne des Schlosses herabrief:Kennt ihr mich?" demselben antworten läßt:Na." Das ist ganz falsch. Die Pointe liegt darin, daß das Volk rief:Ja, wir kennen dich!" Wir gestehen, Daß es in diesem Sturme un­möglich war, Alles zu sehen, aber der Künstler hätte sich besser erkundigen sollen, alsdann hätte er noch man­ches erfahren, z. B. Folgendes: 1) Als am Morgen daS Volk auf der Kursaalswiese ungestüm die Kanonen verlangte, sprach General von Preen bittend zu demsel­ben:eS solle ihm doch die Schmach nicht anthun, daß er, der 50 Jahre mit Ehren gedient habe, in seinem Alter noch die Ka­nonen ausliesern solle." Da stand ein Bäuer­lein nicht ferne von dem General, und als es die bit­tende Rede eines Mannes hörte, der immer befohlen hatte, schwenkte eS seine Hand in der Luft mit den Worten:ES dreht sich Alles herum." 2) Als der junge Prinz Nikolaus, ebenfalls am Morgen auf der Kursaalswiese zum Volk sprach und ihm auf sein ungestümes Verlangen, die Kanonen zu besitzen und den Herzog zu sehen, vorwarf, daß unvernünftig sei, trat

den 16. Mai 1848.

der Weltumscgler Arnold Wendel vor den jungen Prinzen und sprach mit edler Mannhaftigkeit:DaS Volk i ft nicht unvernünftig, aber die Fürsten sind es, denn sie hören beim besten Willen die Wahrheit nicht, indem sie im­mer von Lügnern und Schmeichlern um­geben sind." Da reichte der junge Prinz dem Ar­nold Wendel die Hand mit den Worten:Das ist auch wahr." 3) Auch das Festhalten der Chaise deS Legationöraths von Gagern ist vergessen und daS ist wichtig, denn das Volk war mißtrauisch an diesem Tage und das Gerücht, daß ein Regiment Baiern im Anmarsch sei, fand allgemeinen Glauben. 4) Die ergötzliche Szene war auch dem Künstler unbekannt, daß, als cs am Nachmittag vor dem Schloß stürmisch zuging, ein jüdi­scher Banquier in der Angst das Gewehr von sich warf mit dem Ausrufe:Ich verlier der Kraft, o weh mein Weib und Kind." 5) Wo bleiben die Bauern, deren vor dem Rathhaus einer zum andern sagte:KaSpar, wenn ich nur drei Klafter Holz jährlich umsonst bekomme, bin ich zu­frieden;" die Bauern, die bis zur Ankunft des Her­zogs (4 Uhr) in den Straßen riefen:Wir gehen nicht fort, Weiber und Kinder sind keine Bürgschaft."? 6) Wo bleibt der Zug des Herzogs durch die Wilhelmstraße, dieser rührend große Augenblick? Trotz dem, daß wir dies Alles vermissen, können wir dem Künstler (angeblich Maler Baumann zu Rüdes- heim) unsere Achtung nicht versagen. Möchte er diese Winke nicht ganz unbeachtet lassen und sich veranlaßt fühlen, auch den 2. März zu verewigen. Was der 20. Juni 1792 in der ersten französischen Revolution ist, das ist der 4. März in der unsrigen. Möchten wir nie einen 10. August erleben!

An Herzogliche Lanves-Itegierung Forderung der unterzeichneten Bürger zu Wiesbaden, Die Ungültigkeit der in diesen Tagen vorgenommenen Wahlen der städtischen Behörden zu Wiesbaden und die Be­werkstelligung einer neuen Wahl des Stadlschultheißen, der Stadtvorsteher und Stadtrâthe daselbst nach dem neuen Systeme.

Es ist eine der schönsten Errungenschaften des 4. März, daß auch das Gemeindeleben eine neue Regsamkeit und Lebendigkeit erhalten und nicht wie früher unter dem alten verrosteten System erstarren und gleichsam eine lahme Maschine sein soll, denn auf der freien Bewegung der Gemeinde beruht die Freiheit des Staats. In der ersten öffentlichen Sitzung deS Stadtvorstandes dahier wurde beschlossen, einstweilen bis zum Erlaß der neuen