Truppen ausgerWu. Sicher ist, daß eben 32 solcher Ausreißer unter Landjägerbedeckung auf dem Weg nach Italien hier durch kamen. (Schw. M.)
Zürich, 10. Mai. Laut so eben cingcgangcnen amtlichen Berichten sind gestern mehrere hundert Mann würtembcrglsche Truppen in Jestetten und Lotstctten eingerückt. Die Vorposten seien hart an unsere Gränzen vorgeschoben. Es werde noch mehr Militär, hauptsächlich Artillerie erwartet. Auf diese Berichte hin hat der Regserungsrath den Hrn. Oberst v. Orelli mit umfassenden Aufträgen an die Gränze abgeschickt. (Zürch. Z.)
Italien.
Verona, 7. Mai. Ein mörderischer Kampf fand gestern in unserer unmittelbaren Nähe statt. Der Feind, durch die zahlreichen Freischaren den Unsern vielleicht dreimal numerisch überlegen, rmißte weichen , und zog sich auf Balegio zurück. Die österreichischen Truppen fochten Wie die Löwen und verloren darum leider viele der Ihrigen. Unter den Gesalleneu beklagen wir den tapfern General Salis, der durch die Brust geschossen wurde, den Obristlieutenant Leuzendorf und andere. Von den Truppen erlitten den bedeutendsten Verlust daS 10. JägerbalaiUon, bestehend aus Niederösterrcicheru — also Deutschen, und theilweise auch die italienischen Grenadiere. Dem Feind wurde wahrscheinlich eine vierfache Anzahl kampfunfähig gemacht Sieben Stunden ununterbrochen donnerten die Kanonen, von 11 bis 2 Uhr Nachmittags in solcher Nähe, daß die feindlichen Kugeln dis an unsere Thore heranrollten. Die Stadt blieb und ist ruhig.
Nach einem andern aus Verona 6. Mai Abends 10 Uhr datüten Briefe war der rechte Flügel der Oesterreicher von d'Aspre, der linke von WratiSlav befehligt, die Truppen jenseits der Etsch von Melden. Die Macht der Piemontesen wurde auf 50,000 Mann geschätzt. Sie schlugen sich tapfer, vorzüglich die Schweizer Schützen in ihren Reihen. Die italienischen Truppen Radetzkys wichen, während die deutschen Kampfgenossen aufs hel- denmüthigste die deutsche Waffenehre behaupteten. Bei S. Lima und San Massimo hielten sich 3 Compagnien gegen 4 Bataillone sechs Stunden lang, ohne dem Feind einen Zoll breit Raum zu gönnen. (A. 3 )
Geschichte des deutschen Bauernkrieges. Von Dr. Iulius.
(Fortsetzung.)
Kaum hatten die Bauern die Waffen niedergelegt, als Ulrichs Söldlinge meuchlings auf sie eindrangen, die Häupter gefangen nahmen und weit und breit Mord, Brand und Rauferei verübten. Ganze Städte wurden vogelfrei erklärt; reich und arm, Mann und Weib, Greis und Knabe wurde ohne Unterschied hingemetzelt. In demselben Remsthal, wo Ulrich kurz vorher vor den Bauern geflohen war, versammelte er ungefähr 3000 Bauern, woraus er 1600 gefangen nehmen ließ. Da nicht Ketten und Stricke genug vorhanden waren, wurden sie wie die Hunde zusammengekoppelt und in dunkle Gefängnisse geworfen, wo sie verschmachtet wären, hätten nicht mitleidige Wachen für Geld und gute Worte ihnen die nöthigsten Nahrungsmittel gereicht. Am Montag, den 7. August wurden die 1600 auf den Richtplatz geführt. Von Untersuchung und Recht war natürlich keine Rede. Sechsundvierzig, die sogenannten Rädelsführer, lagen in Ketten, die Andern fast alle halbnackt. Die Gefesselten forderten gleiches Recht für alle, die 1600 aber sielen aufs Knie und flehten um Verzeihung. Sie wurden begnadigt; die 46 aber, obgleich die eigentlichen Rädelsführer sich durch die Flucht gerettet hatten, wurden geköpft; dcnir Ulrich verlangte vorerst Blut, nachher dachte er erst an Geld, und die Güterder Flüchtlinge und Verurtheiltcn wurden natürlich eingezogen. Noch zwei solcher Bluttage hielt Ulrich. DaS RcmS- thal war still wie ein Grab. Ulrich verbot sogar zu reden und zu tveinensl), ja, um Geld und Mannschaft genug zu erhalten, ließ er Unschuldige auf die Folter
spannen, bis sie erklärten, es seien Flüchtlinge im Ai> zuge, um ihn auS dem Lande zu jagen. So endete der arme Konrad. „Wieder' eine Woge, die sich brach," sagt Zimmermann, „aber der Strom ging vorwärts."
Bald aber wurde Ulrich von der Nemesis ereilt unb von dem schwäbischen Bunde aus dem Lande gejagt. Er flüchtete sich nach der Schweiz, wo er sein Sündenleben fortsetzte. Herzog Ulrich ist der Held des dramatischen Vorspiels zuni Bauernkriege, der gcffpenster- grüg fast in jedem Akte dieser Volkstragödie wieder zum Vorschein kommt. Und die.er Wüchcrich, ob nun burch das Schicksal gewitzigt, oder (was wahrscheinlicher), daß er kein anderes Mittel sah, seinen Zweck zu 'erreichen und seinen Thron wieder zu erlangen, dieser Wüthcrich machte plötzlich gemeinschaftliche Sache mit den Bauern und brachte derselben als Freund , aufs Neue Unheil und Verderben, wie wir im Verlaufe der Darstellung sehen werden.
Franz von Sickingen und Ulrich von Hn tten.
Wir haben jetzt zweier Männer zu gedenken, die ein Muster wahrer und aufopfernder Freundschaft für alle Zeiten, wie zwei lenchtende Sterne am düstern Himmel des Mittelalters funkelten uud, ein freundliches Dioâ- kurenpaar, das Annahcn eines schönern Morgenroths verkündeten: Franz von Sickingen und Ulrich von Hutten. Man hat Sickingen mit Recht die letzte Blüthe des deutschen Ritterthums genannt. In ihm vereinigte sich Tapferkeit mit Edelsinn , Geist mit Herz, Reichthum mit Macht. Nie mißbrauchte Sickingen, wie viele sogenannte Ritter seiner Zeit, seinen Einfluß und seine Macht gegen Bürger und Bauer; immer schützte er den Schwachen und Unterdrückten gegen die Tyrannei der Fürsten, Ritter, Bischöfe und Mönche. Sein Ruf war europäisch. Als Franz I., König von Frankreich, sich um die deutsche Kaiserkrone bewarb, schrieb er au Sickingen einen schmeichelhaften Brief, gerade so, als wäre dieser einer der Churfürsten gewesen; und in der That hatte Sickingen Einfluß auf die Kaiserwahl; denn sein Wort ward ebenso geachret, als seine Tapferkeit und sein Reichthum. Hickiugeus Instinkt war den Pfaffen jener Zeit so zuwider, daß Luthers Wort in seinem Herzen wie ein Funken in einer Pulverkammer loöplatzte. Au seinem Hofe aufs Laudstuhl und zu Ebernburg hielten sich lauter Lichtfreunde, nur erklärte Freunde des Lichts und der Wahrheit auf. Bei ihm fand jeder verfolgte Geist ein sicheres Asyl. Auf der Ebernburg ließ Sickingen eine Druckerei eiurichteu, woraus fast alle Schriften jener Zeit, Broschüren, Satyren, Uebersetzun- gen in alle Theile Deutschlands geschickt wurden. Er selbst las fleißig in der Bibel und ließ sich die Schriften seiner Freunde vorlesen. Einer der ersten mit Hutten begriff er den innigen Zusammenhang des politischen und religiösen Prinzips. Er sah in der Bibel nicht allein einen neuen Geist, sondern auch ein neues Reich.
Unter den Freunden Sickingens ragen neben Hutten mehrere bedeutende Namen hervor, wie Hartmuth. von Kronberg, ein edler Ritter, der sich in der einen Hand die Bibel, in der andern Hand ein Schwert abmalen ließ; Dietrich von Dahlburg, Johann Hausschein, der unter dem Xiamen Oekolampad schrieb und wirkte; Martin Bucer, Kaspar Aguila, Johann Schwebel und Andere. Oekolampad richtete auf der Ebernburg den ersten evangelischen Gottesdienst ein, lange vor dem in Wit- tenberg. Am meisten Einfluß jedoch auf Franz hatte Hutten, sein Herzensfreund, der Mann mit dem Feuer- geist, dessen Herz groß genug war, um eine ganze Welt darin zu umfassen.
AuS einer adelichen und reichen Frankenfamilie stammend im Jahre 1488 geboren, wurde Hutten schon in seinem eilften Jahre ii» ein Kloster geschickt; denn sein Vater, dem Rath seines Bruders, ersten StinifterS am schwäbischen Hofe folgend, hatte den Knaben dem geistlichen Stande gewidmet. Kaum jedoch war der wilde Jüngling 16 Jahr alt, als ex am Vorabend seiner Ein-