Dresden, 9. Mai. DaS Gerücht, daß daS sächsische Militär nächstens Marschordre erhalten und daS Land verlassen soll, hat, da Niemand begreift, warum und wohin die sächsischen Truppen marschire» müssen, die Befürchtung rege gemacht, man wolle größere Heercö- niaffen in der Nähe von Frankfurt zusammenziehen, um volksfeindliche Pläne Metkernichss'chcr Politik zu verfolgen. Daher hat der Ausschuß deS VaterlandSvereinS es für seine Pflicht gehalten, für eine glaubhafte Beruhigung über diese Befürchtung besorgt zu sein, um so mehr, alS er von der Ansicht auSgeht, daß es gegenwärtig, wo selbst die Verhandlungen veröffentlicht werden, auch in Bezug auf die Truppenbewegung Geheimnisse der Politik nicht mehr geben könne, daß daS Volk ein unabweisbares Recht darauf habe, zu erfahren: warum und wozu die Truppen verwendet werden, die Truppen, die feinem Schoße angehören, dip es mit seinem Schweiße zu ernähren, verpflichtet ilt! Der Vatcrlands- vercin wird schriftlich das Gesammtministerium um Aufklärung der gedachten beunruhigenden Gerüchte bitten. — UebrigenS ist in ganz Sachsen die Stimmung für Gesetz und Ordnung entschieden vorherrschend. Die Fremden, welche bisweilen Miene machen, Dresden aus Furcht zu verlassen, dürften schwerlich anderswo ruhiger leben können, sie müßten denn nach London ziehen!
(Fr.
Breslau, 8. Mai. Aus dem Königreiche Polen haben wir die gänzlich zuverlässige Nachricht erhalten, daß daselbst in einem Bogen, der von Warschau aus beginnt, und dessen konvorc Seite sich nach und längs der preußischen Gränze bis östlich von Thorn hinauf- zieht, 4 russische Armeekorps postirt sind. Das in und zunächst Kalisch ausgestellte Korps steht unter dem Oberbefehle des Generals v. Oppermann. ES erhielt noch am Sonnabende eine Verstärkung durch ein Regiment rother Husaren, die sich von dem russischen Hauptzoll- amtöorte Szcüpierua aus nördlich und südlich der Gränze vertheilt haben. (Brcsl. 3-)
Königsberg, 6. Mai. Die Voss. Z. meldet: Die ganze hiesige Umgegend ist in Ausruhr. Die Dienstleute und Knechte empören sich überall gegen die Gutsherr- schaft und richten schreckliche Verheerungen an. Einige Gutsbesitzer sind so arg mißhandelt worden , daß sie iin Verscheiden liegen, und auf einigen Gütern sind die größten Verwüstungen durch die Tumultuanten in den Gutsgebäuden gemacht worden. Täglich rückt Militär der hiesigen Garnison aus, um die Unruhen zu unterdrücken, und cS sollen nun fliegende Kolonnen von größeren Truppenmassen gebildet werden, die für Aufrechthaltung der Ordnung sorgen sollen, denn die Zustände auf dem platten Lande drohen die entsetzlichste Gefahr. (Sollten die gräßlichen Ausbrüche im Osten noch daran zweifeln lassen, daß Rußland hier seine Hand im Spiele hat?)
Königsberg, 7. Mai. Soeben trifft pr. Estaffettc die Nachricht ein, daß in dem 4 Meilen von hier entfernten Städtchen Tomnau ernstliche Unruhen ausgebrochen sind und ein großer Theil der Stadt in Flammen stehe. Beim Abgänge der Estaffete sollen bereits 45 Gebäude niedergebrannt sein, auch die Stadtkirche ist durch das Feuer zerstört worden. DaS hierdurch über die Stadt gekommene Unglück ist als entsetzlich geschildert. Von den unglücklichen Einwohnern deS Städtchens sollen viele in den Flammen, beim Löschen, bei Bergen der Sacken k. den Tod gefunden haben.
(Boss. 3.)
AuS Westpreußen, 5. Mai. Eine beträchtliche Menge von Sensenmännern , die im Einverständnisse mit den Bewohnern von Grabia — in der Gegend von Thorn — auck hier die bestehende Ordnung umfloßen und ein polnisches Regiment cinsührcn wollten, ist ein- gemngcn, und vorgestern wurde ein Theil derselben nach Thorn gebracht, wo sic vorläufig in der dortigen Festung detinirt werden sollen. Eine Abtheilung der früher in Rosenberg stationirten Husaren hatte einen hartnäckigen
Kampf mit diesen Insurgenten zu bestehen, erlangte aber doch den Sieg über sic und machte sie zum großen Theil zu Gefangenen, während die Uebrigen unter Wegwcr- fung ihrer furchtbaren Waffe mit größter Eile entflohen. An der Spitze der Insurgenten befand sich ein katholi scher Geistlicher und ein Einsiedler von Grabia, ein Mann, der bis jetzt allgemeine Verehrung genoß. liebet Haupt ist die katholische Geistlichkeit hier sehr zu fürch ten, denn sie schmiedet fortwährend aufwieglerische Plan: und sucht daS gemeine Volk durch Fanatisirung auszu- rcizen. — Die noch immer in ziemlich zahlreichen Trupps hier eintreffenden polnischen Flüchtlinge auS Russisch- Polen, deren Ziel immer Posen ist, werden hier mit Gewalt von den Bürgern der Städte und den deutschen Bewohnern des platten Landes an ihrem Vorhaben gehindert, und überall, wo sie augetroffen werden, ver- wcigert man ihnen das Weiterreisen nach Posen. Viele haben in der letzten Zeit umkehren und wieder nach Ostpreußen, von wo sie zunächst kamen, zurückgchen müssen. Bei der Ankunft der Dampfboote und Posten sicht man stets eine Menge hiesiger Bewohner versammelt, um diese Maßregel zur Ausführung zu bringen.
(Voss. D
Rendsburg, 7. Mai. Den Berichten eines zuverlässigen Reisenden zufolge, der gestern Abend von Flensbtirg zurückkehrtc, waren Unterhandlungen in Gange und ein zweitägiger Waffenstillstand bewillig' worden. -
Auszug auS einer Depesche deS GenerallieutenantS Halkett an den König von Hannover, augckommen den 7. Mai „Hauptquartier Ulderupp, den 5. Mai Abends. In den Verhältnissen der mobilen Division zu der Insel Alsen ist keine Veränderung eingetreten. Der General von Wrangel hat einen Tagsbefchl erlassen, wonach ein Stillstand in den Operationen jetzt eintreten soll, nachdem Fridericia besetzt worden. In Folge dessen ist das 1. Hannoversche Dragonerregiment wieder, vor der Brigade von Mölleudors getrennt, in Haderslebe; angekommen, und eS wird die Dragonerbrigade wahr scheinlich in ihre früheren Quartiere zurückkchrcn. Dc Peschen des Generals v. Wrangel sind nach Sonder burg-Fahr gebracht und dort von einem dänischen Offi zier in Empfang genommen. Die Verpflegung hat ü der wohlhabenden bevölkerten Gegend bislang feine Schwierigkeit gefunden; der Gesundheitszustand der Mannschaft und Pferde ist gut; die Letzteren haben Lie Strapazen langer Märsche mit Leichtigkeit ertragbn."
Rendsburg, 8. Mai Nach einem uns gefälligst mitgetheilten Privatbriefe auS Gravcnstcin vom 6. Mai haben die Dänen am Morgen des 6. d. unter den Schutz eines heftigen FeuerS ihrer Schiffe (wodurch eint in Sandberg postirte Schildwache verwundet ward) du Meerenge überschritten und stehen jetzt anderthalb Stunden von unsern Truppen entfernt, welche die Höhen vo: Dübbcl besetzt halten. Unsere dort vereinigten Truppe: schätzte der Schreiber auf 5—6000 Mann, der Feind soll 10,000 Mann haben. Doch erwartet man auf unserer Seite Verstärkung. Man macht sich fertig, den Feind zu empfangen; der Geist der Truppen ist vortrefflich, die Artillerie im besten Zustand. Zum 7., spätestens zum 8. erwartete man den Kampf. (S. H. Z.)
Däne m a r k.
Kopenhagen. Die „Berlingsche Zeitung" anet kennt die strenge MannSzucht, welche die Preußen hat ten, Alles bezahlten und sich aufs Beste aufführten.
Der König hat sich nach FredcrikSborg begeben.
Die „Berlingsche Zeitung" meldet, daß ein russischer Courier, der von Snoghoi nach Assens mit dem „Acgyr gegangen, sich geäußert, cr habe im Namen Ruß lands, Englands und Frankreichs den Preu ßen untersagt, über die Königsau zu gehen. Die dänischen Truppen sammeln sich auf Fühnen.
Schweiz.
Chur, 8. Mai. Ein wohl übertriebenes Geruch sagt, von Bregenz sei ein ganzes Bataillon italienische'