der Schule entlassen sind, bis spät in die Nacht bewirthet, und denselben dadurch zum Wege des Verderbens Thür und Thor öffnet? Man weiß ja aus Erfahrung, daß früher von den Gemeinden, wo der Schultheis Wirthschaft hatte, beständig Klagen dagegen geführt wurden; um so unbegreiflicher ist es daher, wenn nun gerade von solchen Gemeinden wieder Wirthe gewählt werden, vielleicht solche, in deren Wirthschaft das schöne Geschlecht die Hauptrolle spielt. Das Schultheisenamt muß ein Ehrenamt sein, der Schultheis ein Ehrenmann mit ehrbarer Familie, mit Selbstständigkeit und festem, edlem Charakter; denn nur ein Solcher kann wohlthätig für seine Gemeinde zu wirken.
(=) Heidelberg, 10. Mai. Heute war hier im Gasthause zum Prinzen Mar vorbcrathcndc Versammlung wegen der Wahl zum Reichstage. Als Hauptredner traten aus Kapp, Winter, Küchler, Pfeuffer, Häusser re. Die meisten Stimmen entschieden sich für Soiron und es unterliegt keinem Zweifel, daß derselbe gewählt wird. In Mannheim muß eine neue Wahlmännerwahl vorgenommen werden, da Hecker, Hoff, Welker, Grohe ic. k. ihre Berechtigung verloren haben. In Bruchsal soll Jtzstein gewählt sein.
In der verflossenen Nacht wurden hier von Seiten der Republikaner ein Versuch gemacht durch Bestechung des kurhessischen Wachtpostens den verhafteten Stud. Heramer zu befreien, allein eS gelang ihnen nicht.
M annhcim, 9. Mai. Die Erleichterung der die Gesammteinwohnerschaft sehr drückenden Last der Ein- quartirung und Verköstigung von 7000 Mann Soldaten wurde, wie Sic gemeldet haben, bereits am 4. d. M. im Staatsministcrium beschlossen, ist aber bis heute noch nicht vollzogen, wahrscheinlich weil die Befehle über die Dislozirung der Truppen vom Prinzen Karl von Baiern erst noch erwartet wurden. Heute ist nun dieser in Person hier eingetroffen und hat einer Deputation des Gemeinderaths , welche ihm daö Anliegender Stadt vortrug, die Versicherung gegeben, daß morgen ein großer Theil der Erekutionstruppen abgehen wird. Daß auch der Kriegszustand aufgehoben werde, scheint eine voreilige Hoffnung gewesen zu sein. Uebrigens herrschte seit den bekannten. Ereignissen in unserer Stadt die vollständigste Ruhe, die trotz der vielen Verhaftungen auch nicht einen Augenblick gestört wurde. Der Teutsche Zuschauer ist unter einem andern Redakteur (Karl Hoff, Bruder deS Buchhändlers Hoff) wieder er- fdncnenj die Abendzeitung noch nicht; für diese hat sich wohl ein Redakteur in der Person des Druckers Hahner gefunden, aber die Kaution konnte bis jetzt nicht gestellt werden. Die Parlamentswahl soll den 16. d. stattfinden. Kadidat ist unser bisheriger Deputirter Weller. Von einem Gegenkandidaten verlautet noch Nichts.
(D. Z.)
ß M aniihcim, 10. Mai. Heute hielt der Befehlshaber der 8. Heerschaar eine dreistündige Musterung über die sämmtlichen hier liegenden Bundestruppen, wobei die nassauischen durch ihre vorzügliche Haltung sich auszeichnetcn. Da der Belagerungszustand aufgehört hat, so werden uns morgen die Baiern verlassen.
Berlin, 6. Mai. Man meldet der Weser Zeitung: Die letzten Berichte auS dem Hauptquartier des Generals Wrangel melden, daß Seitens Dänemarks, nachdem der augetragene Waffenstillstand abgeschlagen worden sei, die bestimmte Unterhandlung wegen Wieverherstellung des Friedens sei verlangt worden, und cS soll in Folge davon ein Diplomat, der bereits früher zu Unterhandlungen mit Dänemark verwendet worden ist und deßhalb das dortige Terrain genau kennt, im Begriffe stehen, von hier nach dem Hauptquartier abzugehen. Dem General Wrangel soll gleichzeitig der Befehl zngesandt worden sein, mit der Besetzung Jütlands sortzufahren und bis zur Freigebung der dänischer Seits ausgefangenen Schiffe und bis zur völligen Einstellung der Feindseligkeiten zur See es besetzt zu halten. Es wird endlich noch beigefügl, daß die Aufhebung deS Sundzolls gegen
eine Entschädigung und die Einverleibung von gan Schleswig in den deutschen Bund als die ersten Grünt lagen der Unterhandlung unverrückbar solle festgehaltc weiden.
Magdeburg, 8. Mai. Seit einigen Tagen tre, fen hier ununterbrochen Kolonnen von Polen ein, welch von Frankreich vor einigen Wochen nach Polen gegar gen, an der österreichischen und russischen Grenze zurück gewiesen sind, und welche Preußen nun im Großherzo^ thum Posen auch nicht zu lassen wünscht. Dieselbe, werden in der Provinz Sachsen in Depots von einige; hundert Mann vorläufig untergebracht, bis eine weiter Wendung ihres Schicksals erfolgt. Die heute von hie abgegangenen 386 Mann sind nach Aschersleben birigirt auch nach Eisleben und Quedlinburg sollen Depot? kommen, weil in diesen Orten Militär ist. )
Posen, 7. Mai. Nachstehendes Schreiben ist ge ftern der hiesigen Regierung und der General-Kommis sion zugegangenj: „Namens der polnischen Re publik. Das polnische Partisauen-Korpö an die Ge neral-Kommission zu Posen. Der Oberbefehlshaber der Partisanen-Korps befiehlt der General-Kommission jr Posen, Angesichts dieses: 1) alles Verfahren bei sich einzustetten, alle Erekutionen aufzuheben, die Kassen zi versiegeln oder unter Kuratel zweier Polen und eine Deutschen zu stellen, auch bis auf weitere Verfügung seine Bescheide nicht ferner unter dem Titel einer preu- ßischcn Behörde zu erlassen; 2) die ihr untergeordneten Behörden und Beamten von diesem Befehl zur Nach- achtung in Kenntniß zu setzen. Die Vollstreckung die- scö Befehls stellt der Oberbefehlshaber unter das Vehm- gericht des Partisanen-Korps. Chef KrotowSki." — Einer Erklärung bedarf es wohl nicht! (B. N.)
Bromberg, 5. Mai, 11 Uhr — Stafette. Ein Schreiben des Divisionsgenerals v. Wedell an die hiesige Regierung meldet, daß der General v. Hirschfeld mit zwei Bataillonen deS 21. Infanterieregiments und zwei Schwadronen Husaren, sowie 6 Geschützen in Eilmärschen abgesendet sei, um dem Feinde zuvorzukommen und die Stadt Bromberg und' NrNffMnV zu sMtzen; er selbst mit den übrigen Truppen werde die Insurgenten im Rücken angreifen.
— 1 Uhr. General v. Hirschfeld hat dem Feinde der? Vorsprung abgewonnen, er steht mit seinen Truppen bei Neudorf, diesseits Barschin, die Insurgenten jenseits Barschin. Dort wird eS wohl zu einem entscheidenden Schlage kommen. Die Insurgenten rauben und plündern. Die deutschen Gutsbesitzer und Landrathe ic. jener Gegend sind fast alle hier versammelt; sie würden dort ihre? Lebens nicht sicher sein.
Frankreich.
Paris, 8. Mai. Die Verlesung der Berichte der verschiedenen Mitglieder der Regierung über ihre Verwaltung seit dem 24 Februar wurde fortgesetzt. Der Bericht des Finanzministers kündigt die Vorlage einer Proposition für Einführung einer steigenden Abgabe von den Erbschaften an. Herr Marie, Minister der öffentlichen Arbeiten, sucht insbesondere die Errichtung von Nationalwerkstätten zu rechtfertigen; cS hätten zwar einige Mißbräuche stattgefunden, doch würden diese durch die Vortheile dieser Anstalten weit ausgewogen. — Herr Lamartine, Minister der auswärtigen Angelegenheiten, bezeichnete als leitenden Grundsatz der Regierung: im Innern die neuen Institutionen fest zu begründen und die Erhaltung deS Friedens zu wahren, vorausgesetzt, daß dieser Friede möglich und ehrenhaft sei; diese Politik, die man eine bewaffnete Diplomatie nennen könne, sei feit dem 24. Februar strenge eingehalten worden. Herr Lamartine fügt hier die Erklärung bei: „Wir erklären Niemanden den Krieg. Wenn übrigens unterdrückte Nationalitäten sich erheben (font explosion), so wird ihnen Frankreich nicht fehlen; denn Frankreich ist vor Allem der erste Kämpfer deS demokratischen Prinzips." Herr Lamartine zählt sodann die revolutionären Bewegungen auf, die in den letzten Monaten in Eu-