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Der Velksfttund.
Sobald wir Deutschen eine Nation sind, sind wir die erst e.
S e u m e.
Wiesbaden. Samstag, den 13. Mai 1848.
O Gesellschaftliche Zustände und Turnwesen zu Usingen; das fünfte
Feldbergfe st am 2. Juli.
Usingen, 10. Mai. Von vielen unserer Städte und Flecken hören wir, wie schön sich die Bürgergarden allenthalben konstituirt haben. Unsere hiesige Garde hat, wenn auch anfangs geringe, doch in jüngster Zeit große Fortschritte gemacht. Es ist eine wahre Lust zu hören, wie die Trommeln, kriegerisch durch die Straßen schallend, unsere wackern Söhne und Männer fast täglich auf den Exerzierplatz rufen; noch schöner aber ist's zu sehen, wie jetzt der geringe Bürger neben dem hohen Angestellten steht, zu dem er in den Tagen der Knechtschaft und Tyrannei nur scheu sein Auge empor hob. Doch, Gott sei Dank, diese Zeiten sind verschwunden; die gewitterschwangere Luft hat sich entleert, und freier grüßt die Menschheit einander! Der Kastengeist, dieser Geist der Zwietracht, der in Usingen sein wahres Brutnest hatte, und gleich zischenden Schlangen sein Gift umherspritzte, findet nun immcrmehr sein längst verdientes Grab. Das beweist deutlich, um in der Kürze nur ein Beispiel anzuführen, der zuletzt stattgehabte Ball, an dem ein Theil der Angestellten Antheil nahm. Auch der wurmstichige Thron der so sehr verhaßten Büreau- kratie, ist, wie fast allenthalben, auch hier mit Glanz gestürzt; gleich Lämmern einer zerstörten Heerde sieht man nun solche Menschenkinder, die diesem erbärmlichen Throne angehörtcn, verlassen in der Welt umherlaufen. Der Geist der Eintracht und Liebe soll in Allen und Allem walten; die reinste Harmonie muß nothwendiger Weise im Kleinen, wie im Großen Statt finden, wenn gemeinschaftlich das erhabene Ziel der Freiheit errungen werden soll. Daß wohl die StaatSdiener vor dieser glücklichen Zeit nicht immer das konnten, waS sie fühlten und wollten, unterliegt keinem Zweifel, denn sie waren mit derselben Geißel geschlagen, wie wir; aber um so weniger darf jetzt Jemand blos dem Scheine nach das Wohl seiner Mitbürger wollen. Niemand darf sich jetzt bei seinen Handlungen von egoistischen Motiven leiten lassen. Nur allzugut erkennt daS Volk solche Menschen in ihrem Wesen, die, nachdem sie vielleicht 18 Jahre abgeschlossen von jeder menschlichen Gesellschaft lebten, wieder unter das Volk gehen; aber dasselbe Volk weiß auch, daß sie der Gedanke, irgend eine Ehrenstelle (als Teputirter) zu erhalten, dazu antreibt und hütet sich darum vor solchen Kreaturen! Von Herzen muß alle Brüderlichkeit gehen, weil das, was nicht von Herzen kommt, auch nicht zum Herzen geht. Wir haben viele unserer Ungeteilten , denen wir nur dankend nachsagen können, daß ne bei allem Guten rüstig Hand an's Werk legen; doch finb auch noch solche da, welche in pharisäischer Kutte einherschreiten ! —
So glorreich der Kastengeist ans unsern Mauern schwindet; so beklagenswert!) ist cs,-daß der hiesige Turnverein im Allgemeinen so wenig Anklang findet. Einsender dieser Zeilen weiß nicht die Ursache davon; denn, daß unsere Bürger und Bürgcrssöhne ven Nutzen eines solchen Vereins nicht erkennen sollten, wagt er kaum zu ahnen. Oder sollte vielleicht ein Mißverständniß im Zwecke des Vereins die Ursache einer so geringen Theilnahme sein? In jüngster Zeit wurde ich nämlich gewahr, daß man dem Vereine den Vorwurf mache, er verfolge eine politische Richtung (die republikanische), sei somit kein Turnerbnnd mehr, sondern ein politischer Bund. Daß jedoch dem nicht so ist, kann ich öffentlich bezeugen. Wenn auch Einige Republikaner sind, so ist dies noch nicht bei der Mehrzahl der Fall. Jeder kann denken, was er will, und Niemanden wird irgend eine Gesinnungsart aufgedrungen. Der Zweck des Vereins ist und bleibt vielmehr vor allen Dingen 1) körperliche Ausbildung durch das Turnen und 2) geistige Ausbildung bewirkt durch Vorträge über Geschichte und andere nützliche Gegenstände. Der Verein, meistens aus ganz jungen Leuten bestehend, die nur zu leicht irren können, würde sich gewiß noch besser gestalten, wenn sich außer den wenigen volksfreundlichen Männern noch mehr solcher als Turner oder Turnerfreunde anschlössen. Ja, möge die Zukunft zeigen, daß man diesen so wichtigen Verein nicht mehr so st i es mütterlich betrachte, als dies bisher der Fall war! — Soweit unser Berichterstatter. Von anderer Seite wissen wir, daß die edcln Jungfrauen Usingen's der rüstigen Turnerschaar wohlgewogen sind imd der dortigen Turngemeinde nächstens eine prachtvolle, mit dem Reichsadler verzierte Fahne überreichen werden. Wir hoffen dieselbe am 2. Juli bei dem großen Sänger- und Turnerfeste auf dem Feldberg wehen zu sehen.
D e u t sch l a n d.
■5 Aus dem Nassauischen, im Mai. So sehr uns die errungene Freiheit zu den schönsten und besten Hoffnungen berechtigt; so betrübend sind aber auch die Erscheinungen in so mancher Gemeinve unseres Landes, namentlich in Folge der Schultheiseuwahlen. Betrübend ist eS, wie Leute zu Schultheisen gewählt werden, welche voraussichtlich diesem Dienste nicht gewachsen sind, welche nicht mit der nöthigen Energie einer Gemeinve vorstehen können, welche in Folge zerrütteter Vermögensverhältnisse abhängig von Gemeinveglicdern find, welche nur nothvürfüg lesen und schreiben können, welche nebenbei noch Wirthschaft führen, die doch mit dem Schulchenen- dienst ganz unvereinbar ist. Was kann von einem Manne erwartet werben, der sogar junge Heute, Cie kaum