dazu verwendet, um «Lere Boren nach allen Gauen Schwabens und TeurfchlandS zu senden um Anbanger zu werben. Viele reiche Bauern sogar und Handwerker traten in kurzer Zeit dem Bunde bei und als derselbe nach vier Jahren, als gezeitigte Frucht die Hülle abwarf und anS Tageslicht trat, zählte er 4000 Mitglieder. Ulrich hatte aber in seiner tollen Tyrannei nicht allein die Bauern mit Füßen getreten, er hatte auch die Bürger auf'S Höchste erzürnt. Die Tare, die er auf Fleisch, Wein und Brot schlug, betraf am meisten gerade die Bürger und daher entstanden die verschiedenen Aufläufe in Tübingen und Stuttgart, das scheinbare Nachgebcn deS Herzogs und daö Zustandekommen deS sogenannten Tübinger Traktats, worin ein ganzer Artikel von Köpfen, Vicrtheilcn und Rädern sich befand, gegen jeden, der von nun an sich nur rühren würde, um nach Recht und Gerechtigkeit zu fragen. Nach manchen Bedenken wurde dieser Traktat von den Bürgern unterzeichnet und sollte den Landleuten mit Gewalt auf- gebürdet werden. Ulrichs Streitkräfte waren aber damals nicht stark genug, um den aufrührerischen Bauern die Spitze bieten zu können; denn daß etwas im Werden war und er cö mit einer Art neuen Bundschuh zu thun haben würde, mochte ihm nicht unbekannt sein. Er benutzte daher die Zwischenzeit der LandtagSunterhand- luugcn, um Reisige anzuwcrbcu und erwartete täglich die Hülsstruppen, die ihm seine guten Freunde, der Pfalzchurfürst und der Markgraf Philipp von Baden zugesagt hatten. (Forts, folgt.)
Turnwesen.
1. Rundschreiben an sämmtliche Turngemein- den Deutschlands.
Der von Hanau aus in öffentlichen Blättern berufene und am 2. und 3. April d. I. daselbst abgchaltene allgemeine deutsche Turntag, beschickt von Abgeordneten aus vielen Turngemeinden des deutschen .Vaterlandes hat für gut erkannt und beschlossen:
§. 1. Die Turnvereine Deutschlands treten zu einem Bunde „der deutsche Turnerbund" zusammen. §. 2. Der Zweck des Tur, nerbundeè ist, für die Einheit des deutschen Volkes thätig zu sein, den Brudersinn und die körperliche und geistige Kraft des Volkes zu heben. §. 3. An der Spitze des Bundes stehet ein Vorort, welcher jährlich gewählt wird. Der Vorstand dieses Vororts ist" zugleich Vorstand des ganzen Bundes.. §. 4. Die einzelnen Gemeinden organisiren sich zu Bezirksvereinen, zeigen ihre Kon- stituirung dem Vorort an und erklären demselben ihren Beitritt zum allgemeinen Turnerbund. §. 6. Wer wegen Wechsel des Wohnorts direkt von einem Vereine in den andern übertritt, bedarf keiner Aufnahme und zahlt kein Eintrittsgeld. § 6. Die verschiedenen Vereine unterstützen sich gegenseitig nach Kräften; als Mitglieder eines und desselben Bundes stehen sie für alle ihre Angelegenheiten wie Ein Mann ein. §. 7. Der Wille der Mehrheit sei in allem Gesetz. §. 8. Jeder Verein hat für 10 — 50 stimmfähige Mitglieder eine Stimme; für die zwei nächsten 50 je eine Stimme weiter (also 150 haben 3 Stimmen); für je weitere 100 eine Stimme mehr. Mehr als 6 Stimmen hat kein Verein (also 450 und mehr 6.) Die einzelnen Vereine können Einem oder Mehreren ihre Stimme übertragen, ebenso können mehrere Vereine zusammen ihre Stimmen auf Einen vereinigen.
9. Die Tagsatzung ist konstituirt, wenn 73 der Mitglieder beisammen sind. v. io. In dringenden Fällen ist der Vorort befugt, selbstständige Maßregeln zu ergreifen, 11. Als äußerliches Zeichen der Vereinigung der deutschen Turnvereine führt der allgemeine Turnerbund eine Bundesfahne, der Vorort ist im Besitz derselben. 2- 12. Die Tagsatzung befiehlt den Bundesgliedern sich, so weit es ihnen möglich ist, zu bewaffnen. Die einzelnen Vereine sind gehalten, von ihrer Bewaffnung dem Vorort Nachricht zu geben. J. 13. Die Tagsatzung beschließt, mit der Redaktion derdeutschen Volkszeitung dahin zu unterhandeln, daß sie ein monatliches Beiblatt erscheinen lasse, welches die Interessen der deutschen Vereine vertrete. Die einzelnen Vereine verpflichten sich dagegen für das Abonnement von einemEremplar dieserZeilung. ;. 14. Der Bund hat eine Kasse, deren Verwaltung dem Vorort zusteht. Jeder Verein zahlt für den Kopf jährlich 12 Kreuzer. Der Vorort legt jährlich der Tagsahunz Rechenschaft über die Verwaltung des Bundesvermögens ab £ 15. Zum Vorort ist Hanau gewählt.
Kratt des uns nach 7- 15 gewordenen Auftrags theilen wir den deutschen Turn gemein den dieses Bundesgesetz mit, und foc- deru hiermit dazu auf: 1) daß alle Gemeinoen, die beim Turn- lage za Hanau nicht vertreten waren, mir Bezug auf 5. 4 die
Erklärung des Beitritt« rum Bunde in kürzester Frist an uns a; langen lassen, 2) daß die beigetretenen Gemeinden (s. ’ 8) scf-r die Zahl ihrer Mitglieder anzeigen und über dieselbe viertrijâhr bei Einsendung der Beiträge (f. J. 14) berichten, 3) daß dieselt den nach '. 12 geforderten Bericht sobald als möglich einsende' 4) daß die Gemeinden, welchen wir dieses zusenden, uncrpGgli' das Ihrige thun, um dieses Rundschreiben auch an die ihnen be kannten Gemeinden in ihrer Umgegend gelangen zu'lassen und namentlich durch die in ihrer Gegend am meisten gelesenen Blätter zur allgemeinen Kenntniß bringen, □) di- beitretenden Turnge. meinden werden aufgefordert schleunigst sich dem 5. 4 gemäß fn Bezirks-Gemeinden zu ordnen, 6) der Berirksvorort, der zur qe- schafisführenden Gemeinde erwählt worden, hat alsdann unver züzlich dem Bundesvorort Hanau Nachricht zu geben, 7) wege der nothwendigen Auslagen des Vororts ist' es wünschenswerth daß jede Turngemeinde, durch den BezirkSvorort oder geradezu, sogleich einen vorläufigen Beitrag cinsendet, der bei der nächsten Tagsatzung demnächst in Abrechnung zu bringen ist.
Der Vorort wird alsbald zur Verwirklichung des §. 13 schreiten und darüber an die einzelnen Gemeinden berichten"
Ein ausführlicher Bericht über die auf dem Turntage gepflogenen Verhandlungen wird demnächst durch die Presse veröffentlicht werden.
Altersvorsitzender der ersten deutschen Turnerversammlung wa' Jahn. Wir theilen dies unsern Brüdern mit, weil wir ihnen damit eine freudige Nachricht zu geben glauben und weil auf seinen Vorschlag der erste Vorort nach Hanau gelegt worden ist.
Indem wir uns hiermit unsers ersten Auftrags als Vorortent- ledlgcn, sprechen wir die Hoffnung aus und hegen das feste Vertrauen, daß alle Turngemeinden die Wichtigkeit der Sache aner. kennen und sich ihr mit ernstem Willen und allen Kräften anschlie- ßen werden. Was uns bewog, den Turntag binnen so kurzer Frist festzusetzen, war der Wunsch und das sich uns aufdrängende Bedürfniß, die zu Frankfurt zur Stiftung eines deutschen Parla- ments zusammentretenden Volksmanner für unsere Sache zuge- winnen und ihnen unsere Beihülfe zu versichern, sowie wir es für unsere Pflicht erachten, der zusammengetretenen Volksvertretung unsern Bund als Stütze und Hülfe darzustellen.
Laßt uns nun zu einer Zeit, wo Einigkeit und Einheit des Volkes vor allem Noth thut, unsere Kräfte mit denen des ganzen Volkes verschmelzen; schließen wir uns dem Volke und dem Va- rerlande innig an, damit wir ein durch Wollen und Können starkes Ganze bilden, der Freiheit eine Stütze und dem Vaterland eine Wacht werden gegen alle Feinde, die es bedrohen. Wir vertrauen fest auf den . treuen deutschen Sinn unserer Brüder, der ja Eins mir uns will — das Wohl des Vaterlandes, und bieten Euch Gruß und Handschlag.
Der Vorort des deutschen Turnerbundes.
A. Schärtner, Sprecher. Fr. Kreuter, Schristwart I.
(Schluß folgt.)
Neueste Nachrichten.
^Hamburg, 7. Mai. Noch gestern waren bereits 5 Schiffe und gegen 160,000 Mark zur deutschen Flotte zur Disposition gestellt. (Wes. Z.)
Schleswig, 5. Mai, Abends. Der Sohn des Prinzen Carl von Preußen soll heute, von Kolding kommend, hier nach Berlin durchgeeilt sein. Man sagt, derselbe habe geäußert, daß von Seiten Dänemarks Friedensvorschläge gemacht wären, die aller Wahrscheinlichkeit nach zum Frieden führen würden. (F.J.)
Bromberg, 5. Mai, früh 9 7- Uhr. —
Flüchtlinge auf Flüchtlinge füllen dieStraßen. Die Insurgenten haben bei W i t k o w o die Militär - l i n i e durchbrochen unbj ziehen mit Eilmärschen in hellen Haufen hierher; es sollen ihrer gegen 13,000 seyn. Unsere Stadt bietet einen Anblick der Verwirrung, der Angst, aber auch des Muthes. Ohne Thore, ohne bestimmte nothwendig zu passirende Stadteingänge sind wir dem Feinde ohne Rettung preisgegeben. Flüchtlinge aus Barschin melden, daß die Insurgenten schon dort in großer Anzahl wahrgenommen werden; Barschin ist drei Meilen von hier, und um 4 Uhr können wir Besuch von ihnen haben. Man rüstet Barrikaden, tausend Hände arbeiten an Pattonen, die Kahnschiffer, 50 an der Zahl, erbieten sich zum Einttitt in die Bür- gerwehr. Viele Familien, namentlich von Beamten, verlassen sie Stadt. Die Gelder der OberbandelS- gerichtskanen und die Regierungshauptkane werden ver- vackt und in Sicherheit gebracht.
Verauur.-rr.cher Ledc^r: yc E»mi-zbr«S. — Truck der I. Ä. Sleir scher» Buchittuârr; zu SreÄMen