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No. 54»
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Belkssrcuilè.
Sobald wir Deutschen «ine Nation sind, sind wir die erste.
Seume.
Wiesbaden.
Freitag, den 12. Mai
1848,
ßéfct»
Die Redaktion des „Volksfreundes" erklärt •jiermit, daß ihr Ziel auf Verbreitung nützlicher Kenntnisse in Geschichte und Staatswissenschast, ,uf Förderung des Gemeinnützigen, auf Belebung der Vaterlandsliebe gerichtet ist. — Alles, was ^iese hohen Angelegenheiten fördert, ist uns will- ommen, Zusendungen aber, welche die kleinen Ereignisse des täglichen Lebens, Krähwinkelei re. betreffen, werden unberücksichtigt gelassen; ebenso inden Zusendungen ohne Namensunterschrift keine Beachtung. Alle Inserate sind unabhängig von der Redaktion.
Badische Zustände
(—) Heidelberg, den 8. Mai. Für unsere Universität eröffnen sich, wie vorauszusehen war, keineswegs glänzende Aussichten. Während sie in dem vorigen Zalbjahre gegen 900 Studenten zählte, sind bis jetzt mm 300 erschienen. Dazu kommt, daß ihr die ausgezeichneten Kräfte für diesen Sommer wieder entzogen nd. Gervinus, der schon zweimal nicht gelesen, liest «ach diesmal nicht. Mohl ist durch die auf ihn ge- allene Wahl in die Reichsversammlung verhindert, Mit- rmaier durch seine ständische Wirksamkeit. Dagegen lest Schlosser diesmal über die neueste Geschichte und at heute damit begonnen. Mit tiefumfasstnden, gewal- igem Geiste gab er im Eingänge seiner Vorlesungen men kurzen Ueberblick über den Gang der Geschichte eit der ersten französischen Staatsumwälzung und kam abei natürlich auf die jüngsten Ereignisse zu sprechen, sie er jedoch, da er erhaben steht über dem irdischen Lhun und Treiben, nur vorübergehend erwähnte. Auch ,r lebt der festen, aus den scharfsinnigsten Gründen gewonnenen Ueberzeugung, daß die sranzösische Republik ich nicht halten werde. Was unsre neue Freiheit 'träfe, so sei es ihm ein Leichtes anzugeben, wie verüben ein schnelles Ende bereitet und ein schlimmrer Zustand der Dinge, als der frühere, in Deutschland erbeigeführt werden könne, allein er sei Geschichtssor- her und wolle sich nicht als Weissager auswerfen. Ohne Zweifel spielte er damit auf die Diktatur eines Hecker, Herwegh, Struve:c. an. Schlosser würde eine Zierde :er deutschen Reichsversammlung werden und wir wünschen nichts sehnlicher, als daß er an irgend einem Orte gewählt würde.
Was die Stimmung der hiesigen Stadt betrifft, so errscht in ihr, wie in ganz Baden, eine unheimliche Stille. Die Republikaner fügen sich der Gewalt und önnen vor der Hand ihren Ingrimm nur dadurch an
den Tag legen, daß sie statt der deutschen die sranzösische Kokarde tragen. Die fortwährende Truppenan- Häufung muß natürlich zuletzt auch den ordentlichen Bürgern zur Last fallen und den Unmuth bei ihnen erregen. Unter den Truppen selbst, von denen die Kur- Hessen am beliebtesten sind und sich auch wirlich durch ihr auffallend braves Benehmen auszeichnen, herrscht Mißmuth und es ist ihnen nicht zu verargen, wenn sie nach Hause verlangen, da sie in Baden einen höchst schwierigen und unangenehmen Standpunkt haben.
Die Verhaftungen dauern hier, wie in Mannheim, noch immer fort. Außer Alten, Wolff, Heramer und Klein, wurden auch Rasp und Ohlinger scstgenommen und die Verhaftung des Bürgermeisters Winter steht in Aussicht. Seine Verhaftung würde wieder böseS Blut absetzen, da derselbe einen großen Anhang besitzt, hingegen billigen beide Parteien die Festnahme der Studenten Wolff und Heramer, die sich ebenso unverschämt als feig und selbstsüchtig bewiesen haben.
Deutschland.
n Mannheim, 9. Mai. Der Belagerungszustand unserer Stadt hat insofern aufgehört, als den Bürgern die Einquartirung wieder vergütet wird. Man hofft auch, daß ein Theil der Besatzung (wie man sagt, die Baièrn) unsre Stadt wieder verlassen werden. — Seit die Haupträdelsführer der republikanischen, resp, kommunistischen Partei unschädlich gemacht worden sind, herrscht hier die größte Ruhe und diejenigen, die etwas besitzen, athmen wieder frei aus. Gegen 70—80 Personen, meist junge Leute haben den Plan gefaßt, nach Amerika auszuwandern, um dort eine Kolonie Neu-Mannheim zu gründen. Hecker's Vater hat seinen Sohn um 11,000 fl. verklagt, um einen Theil seines Vermögens zu retten, man zwei- seit aber, daß er seine Klage durchsetzen werde. Dr. Welker, (der Sohn des um sein Vaterland so hochverdienten Bundestagsgesandten), der sich nicht enlblökete, seinen Vater öffentlich für einen Volksverräther zu erklären, hat sich der Verhaftung durch die Flucht entzogen, ebenso Dr. Hammer. Ueber ihren jetzigen Aufenthalt hat man noch nichts erfahren.
Rendsburg, 4. Mai. Die Auflösung der Freikorps ist wiederum sistirt. Prinz Friedrich hat in einer Proklamation ihnen seine Zufriedenheit mit ihrem Muthe und ihrer Ausdauer zu erkennen .gegeben und erklärt, daß sie seiner Ueberzeugung nach auch ferner dem Vaterlande von großem Nutzen sein würden.
RegenSburg, 5. Mai. Heute Mittags ist die erste Marschkolonne der angekündigten österreichischeu Truppen (10,000 Mann), ein Bataillon vom k. k. Infanterieregiment Wellington, 1400 und einige Mann stark,