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ich nicht hier, um hierüber zu streiten, sondern frage, ob Sie mir sonst etwas mitzutheilen haben."

Hierauf entgegnete er nur: So werde ich mit alter Strenge gleich einschreiten, worauf ich erwiderte: Und wir werden einem Angriff zu begegnen wissen, übrigens werden Sie uns (die An­führer) zuvor zu unsern Korps zurückkehren lassen; worauf er erwiderte: Allerdings. Nach diesem Awischengcsprach rief mir ein badischer Stabs-Offizier (Kunz, wenn ich nicht irre) noch zu: ,,Jch beschwöre Sie, stehen Sie ab." Damit hatte das Parla­mentiren und der erste Akt der Handlung ein Ende.

Wir verließen nun unsere Position vor Kandern, sammelten unser Korps aus der Straße und marschirten vorwärts bergauf, ungefähr dreiviertel oder eine Stunde Zeit. In einiger Entfer­nung marschirten uns die Linientruppen, die Hessen voran, nach. So gelangten wir, nachdem also zwischen der Unterredung aus der Brücke dreiviertel bis eine Stunde verflossen war, auf die höchste Spitze des Berges, von wo dann die Straße sich bei Schlechtenhaus stets bergab gegen Steinen zieht. Hier mußten wir Position fassen, denn zogen wir bergab und ließen den Feind die Höhe fassen, so konnte er uns von oben herab mit Geschütz-, Musketen-, Kavallerie-Chargen leicht werfen. Als die uns nach- rückende Linie sah, daß wir Halt machten, hielt sie ebenfalls an, und wir stellten uns nun folgendermaßen auf: Ein Fähnlein rechts an der Straße (von Kandern aus gedacht), ein Fähnlein links, ein Fähnlein quer über die Straße, rechts von ihm am Wald­rande sämmtliche Sensen und hinter dem ersten Fähnlein rechts von der Straße im Gebüsche die Reserve; zu beiden Seiten der Berahänge die Scharfschützen. Die Gegner standen so. daß das hessische Fußvolk voran stand, wie man denn wohlweislich stets vermieden hatte, uns badssche Truppen gegenüber zu stellen. Die Republikaner empfingen nun diese mit einem Zurufe, schwenkten die Mützen oder Hüte, riefen:Kein Bürgerblut vergießen, Ihr seid unsere Brüder, es lebe die Freiheit, tretet in unsere Reihen!" und gleichzeitig traten aus unseren Reihen Männer vor, streckten die Hände aus, und schon traten aus den vorderen Reihen der Hessen 810 Soldaten vor, offenbar in der Absicht friedlicher Begegnung. Als dies bemerkt wurde, ritt Gagern vor, einer oder mehrere Oberofsiziere begaben sich ebenfalls vor. Die Soldaten traten in die Reihen zurück, nachdem er ihnen etwas zugerufen hatte; Feuer wurde kommandirt, ein Peleton-Feuer erfolgte, und nun erst schoß man republikanischer Seirs; hätten wir zuerst schie­ßen lassen, so wäre der Erfolg nicht zweifelhaft gewesen, denn es ist etwas ganz Anderes bei kriegsungewohnten Truppen, die erste Salve geben oder die erste Salve ruhig aushalten. Erst nachdem nun gagern'schcr Seits gefeuert worden, feuerten unsere Leute; es fiel Gagern, und fast gleichzeitig mit ihm fielen noch andere ver­wundet oder todt, das konnte ich nicht unterscheiden. Es ist also eine wahre Schändlichkeit, behaupten zu wollen, Gagern sei beim Parlamentiren erschossen worden, und kein Ehrenmann, mag er auch mein politischer Feind sein, wird je glauben, daß Republika­ner, daß ich fähig sei, einen Meuchelmord auch nur durch Zu­sehen zu gestatten , geschweige ihn zu verhehlen oder zu vertheidi­gen ; dafür bürgt mein ganzes Leben. Gewissenlos muß ich es aber nennen, wenn der Fünfziger-Ausschuß zu Frankfurt a. M., wenn dessen Vorstand, v. Soiron, welchem ich noch ein besonderes Kapitel widmen werde, so leichtfertig diese schändliche Anschuldi­gung als wahre Thatsache annimmt und darauf hin proklamirt.

Von Hrn. Baron v. Soiron, der selbst noch in Offenburg im Easthause auf die Republik Toaste ausbrachte, und mich lange genug kennt, um zu wissen, daß Meuchelmord weder eines ehrlichen Mannes, noch eines Republikaners, noch mein Handwerk ist, von ihm hätte man wenigstens erwarten dürfen, daß er mir nicht eine Erklärung mit seinem Namen in die Welt schickte, die eben so grundlos, als schmählich ist. Ich hätte erwarten dürfen, daß man eben so wenig an eine Tödtung beim Parlamentiren glaube, als ich daran, daß die Familie v. Gagern 40 Banditen gegen Struve und mich gedungen habe. Das Maß des Frechverleumdcrisch-n ist aber voll mit der angeblich protokollarischen Erklärung eines ge­wissen Soldaten Trautmilch in derKarlèruherZeitung", wonach ich sogar gegen Gagern ein Pistol abgeschossen hätte.

In dem ganzen Feldzuge kam ich nie, das brachte schon meine Stellung mit sich, in die Lage, den Säbel und die Pistolen auch nur zu zücken oder anzulegen, 'geschweige denn davon Gebrauch zu machen. Um aber das völlige Nichtswürdige dieses angeblichen Deponenten in das Licht zu setzen, bemerke ich, daß die Badener hinter den Hessen standen, vor mir das Fähnlein rechts vom Wege, ich selbst vor diesem Fähnlein noch rückwärts gegen den Wald, dem Seitenfeuer der Hessenausgesetzt, so daß ein badischer Soldat gar nicht sehen konnte, was vorne bei den Hessen vorging. Ich bin es fest überzeugt, dieser Geselle ist nicht im Stande, den Platz zu beschreiben, auf welchem ich stand, und doch ist es ein sehr leicht zu beschreibender. Ich erkläre auf mein Wort, daß die Anschul­digung eine infame Verläumdung ist, als hätte ich ein Pistol auf Gagern abgedrückt.'

Ich zweifle nicht, daß es gemeine Seelen genug geben wird, welche in Wort und Schrift die republikanische Sache mit Sudel und Geifer zu bewerfen unternehmen; am meisten solche, die noch vor wenigen Wochen selbst die wüthendsten Fürstentödter waren; von Hof- und Staatèräthen und anderen Geschöpfen nicht zu reden. Ich werde diesem monarchischen Epheu und seinem vae victls ni^t antworten, cs genügt an dieser Erklärung.

In dem Original hat Hecker noch Folgendes hinzugefügt:Abc, eins mögen sich die Herren notiren : Aus dem für die Herrschaft E ne 6 Menschen vergossenen Blute vieler Menschen wird die R: publik so sicher erstehen, als aus dem Keime der Baum.

Dr. Friedrich Hecker.

Neueste Nachrichten.

Köln, 8. Mai. Erzbischof von Geissel wurde heute mit 107 und Minister - Präsident von Camp­hausen mit 128 Stimmen von 169 Anwesenden zu Abgeordneten für unsere Stadt für die nach Berlin zu berufende Versammlung wegen Vereinbarung der preu­ßischen Staatöverfassung gewählt.

Paris, 7. Mai. Die ultrarevolutionären Mitglie­der der Nationalversammlung haben in dieser ihre Sitze auf den obersten Bänken genommen. Sie wollen ja dieBerg-Partei" von 1793 wieder herstellen ! Unter diesen fanatischen Anhängern der Grundsätze von 1793 befinden sich zwei Arago; Stephan, der Bruder, und Emanuel, der Sohn des Mitgliedes der provisorischen Regierung, Franz Arago's. Dieser letztere hat sich au? das Entschiedenste der gemäßigten Partei angeschlossen Es sollen äußerst heftige Diskussionen stattgefunden ha­ben zwischen den beiden Brüdern und auch zwischen Vater und Sohn. Aber das väterliche Ansehen ver mochte nicht, Emanuel Arago von der äußersten Partei abzubringen. Talent, Verdienst und Einsicht sind übri­gens in diesem Familienconflikte überwiegend aus Seiten der Minorität. Franz Arago ist einer der eminentesten Gelehrten Europa's. Sein Bruder Stephan ist dagegen nur ein Schriftsteller dritten Ranges und sein Sohn Emanuel hat nur einige schlechte Vaudevilles zu Stande gebracht und gehört zu den wenigst tüchtigen Mitglie­dern des Advokatenstandcö von Paris. Hr. Thiers ist noch nicht zur Nationalversammlung gewählt, wird eS aber noch werden, weil Hr. Lamartine eS wünscht. Es heißt sogar, wenn die Regierung später einem Tri­umvirate übergeben werde, wie eS in der Absicht der gemäßigten Partei liege, so werde dasselbe auSHH. La martine, Thiers und Armand Marrast bestehen:

Das Wort Bürger " hat auch bei den Verhandlun­gen in der Nationalversammlung das Wort Herr" (monsieur) bei den meisten Rednern verdrängt. Herr Demosthene Olivier, Vertreter von Marseille, wurde, als er Herrn Ledru-RollinHerr Minister deS Innern" anredete, von vielen Mitgliedern mit dem Rufe unter brochen:Sagen Sie: Bürger-Minister!" Der neu Redebrauch wird aber noch lange, mehr als einem Red­ner, besonders den Mitgliedern der ehemaligen Kammer, nicht geläufig sein.

Wiesbaden, 10. März. Für die in Aussicht ge­stellte Dienstkleidung der hiesigen Bürgerwehr halten wir statt des UeberrockeS eine einfache, leichte farbige (etwa grüne ) Blouse, wie solche bereits bei benachbar­ten Garden (worunter namentlich Mainz) eingefühn ist, für die geeignetste Tracht, an welcher für die Haupr- leute und Zugführer die passende Auszeichnung anzu­bringen wäre. Nicht allein die Leichtigkeit und Bequem­lichkeit derselben bei großer Hitze, sondern auch der seh', wesentliche Punkt der Wohlfeilheit, der namentlich in Be- tracht zu ziehen wäre, sprechen für die Annahme dieser Kleidungsstückes, welches, wie wir an Anderen jeher durchaus nicht übel kleidet. Während der kälteren Jah reSzeit halten wir eine beliebige wollene Unterbekleidung für angemessen. Hinsichtlich der Kopfbedeckung dürfte: uns die der Mainzer Wehrmänner cbenwohl zum Vor­bild dienen. Eine abzeichnende und gleichmäßige Bein kleidung halten wir nicht für unbedingt erforderlich; will man eine solche einführen, so dürfte auch hier, wie bei der übrigen Bekleidung weniger auf das gute Aussehen, als auf Zweckmäßigkeit und Billigkeit zu sehen sein und empfehlen sich in dieser Hinsicht die Turnhosen.

Einige Wehrmännner.

Verantwortlicher Redacteur: Fr. Emminghaus. Druck der I. A. Stein'schen Buchdruckerei zu Wiesbaden.