Geschichte des deutschen Bauernkrieges.
Von Dr. Julins.
ES gibt keine Periode in der deutschen Geschichte, welche in ihren verschiedenartigen Beziehungen der unsri- gen so ähnlich wäre, wie die Zeit der Bauernkriege — der Reformation. Jetzt wie damals Unzufriedenheit mit der Gegenwart und Verstimmung der Gemüther! Reichthum, Ueppigkeit und Behaglichkeit des Besitzes aus der einen, und ein trauriges immermehr verklimmerndes Proletariat auf der andern Seite; reformatorische Bewegung auf religiösem Gebiete, und frei und freudiger, denn zuvor sich entwickelndes politisches Leben, Kamps gegen Rom und Lossagung von den drückenden Fesseln geistlicher und weltlicher Oberherren, die auf ihrer stolzen Höhe den gerechten Anforderungen des Volkes nur ungern sich fügen; ein Drangen und Gâhren der Gemüther, aber auch zu gleicher Zeit ein Sichüberstürzen ungestümer Reformer, die mit einer Berserkerwuth alles Bestehende, eben weil es besteht, zertrümmern möchten, und in ihrem unbesonnenen Neuerungseiser das Kind mit dem Bade verschütten. Die Zeit der Bauernkriege und unsere Tage — sie geben dem besonnenen Beobachter der Geschichte vielfache Gelegenheit die Gegenwart aus der Vergangenheit zu erklären und die religiös-politischen Kämpfe von einem höheren Standpunkte aus zu würdigen.
Der Bauernkrieg war eine konsequente Folge der Befreiung des Evangeliums, nicht in dem Sinne, daß das befreite Christenthum Revolte und Anarchie predigt. Im Gegentheil! Die Bauern selbst in ihren 12 Artikeln verwahren sich gegen eine solche Behauptung. Der Krieg war die Folge des bestehenden Antichristenthums. Einmal in Brand, artete er, wie alles Gewaltthätige, in Erzesse aus.
Lange Zeit vor Luthers Auftreten blitzte es allenthalben in Deutschland. Die Buchdruckerei war der göttliche Funken, der magnetisch durch einen Schlag alle edlen Herzen entzündete und kaum leuchtete er, so käs man in allen deutschen Gauen den feurigen Wahlspruch: Kampf gegen Rom.
Allein dieser Kampf wurde nicht gleich mit dem groben Geschütz der Philosophie und Religion begonnen. Eine Menge Plänkler und freiwilliger Schützen erklärte der Vergangenheit den Krieg mit Broschüren, Pamphlets und satyrischen Liedern. Der Mann, der das ernste Wort mit dem satyrischen zu verbinden wußte, der große Humorist Deutschlands war Ulrich von Hutten. Sein Hauptwerk, die Briefe über die Dunkelmänner seiner Zeit haben für alle Zeit ihre Geltung und werden daher ewig bestehen. ErasmuS war ebenfalls ein Feind der Pfaffen und des unsaubern Treibens der Geistlichkeit. Er hatte viel Geist und noch mehr Kenntnisse, allein es fehlte ihm, was noch viel höher steht, als Geist und Gelehrsamkeit — die Wärme des Herzens und die Energie des Charakters, um ein großer Mann zu heißen. Erasmus wird durch die kräftige deutsche Natur Reuchlins beständig verdunkelt. Johann Reuchlin, von niederer Abkunft, aus Pforzheim gebürtig, verdient sowohl wegen seines entschiedenen Strebens, als wegen seiner gründlichen Gelehrsamkeit den Ehrennamen eines Reformators, und würde jeden Augenblick sein Leben für seine Ueberzeugung eingesetzt haben. Was ihm fehlte, war der Scbwung der Leidenschaft, die Kraft der That, wodurch Luther als Reformator so groß und einzig dasteht.
Unter der hohen Geistlichkeit selbst waren damals ''ehrere Männer (der Erzbischof von Mainz; Johann, Jisebof von Meißen) entschieden der Reform zugethan. Schon lange Zeit vor Luther erklärte Johann von We- alia (aus Wesel), Professor an ver Universität zu Eran, raß er die Dogmen der Kircbe nicht anerkenne, daß 'er Ablaßhandel eine elende Schelmerei sei, daß der Pabst nichts für die Seligmacheres der Seelen vermöge, und daß Christus weder Fasten, noch Beichte, noch Feiertage vorgeschrieben habe. Wesalia starb auf der Folter.
Im Jahr 1498 wurde Savonarola, Nachfolger von Arnold di Brescia in Floren; öffentlich von der Inquisition verbrannt; vier Jahre später der fromme Hilten zu Eisenach, ein Greis, im Kerker zu Tode gemartert. Es waren der edlen Opfer viele gefallen. Die Nemesis konnte nicht ausbleiben.
Und, wie es zu geschehen pflegt, je mehr die neuen Ideen der Wissenschaft und Philosophie wie Sterne in der Nacht funkelten, je mehr die lasterhafte Geistlichkeit der Verachtung Preis gegeben war, desto mehr Wunder und heilige Reliquien erfand die Inquisition. Zugleich predigten Rom und seine Geistlichkeit Kreuzzüge gegen die Juden.
So erzählt der Chroniker Sebastian Frank, wie im Jahre 1516 der Doktor Balthasar Hebemeyer in Regensburg im Namen des Pabstes Mord und Todtschlag gegen die Juden predigte. Nachdem die Häuser dieser Unglücklichen zerstört waren, drang die aufgehetzte Menge in die Synagogen und metzelte Männer, Frauen und Kinder nieder, die sich dorthin geflüchtet hatten. Die Synagoge selbst wurde der Erde gleich gemacht und an ihre Stelle eine Kapelle erbaut, die den Namen „d i e schöne Marie" zur Taufe erhielt. Die schöne Marie besaß das Wundertalent, alle Krankheiten des Körpers und des Geistes durch bloße Berührung zu heilen. Es war ein solcher Zulauf aus der ganzen Umgegend und sogar aus weiter Ferne zu der schönen Marie, daß die Priester erklärten, es reiche hin im Angesichte der Kapelle auf die Knie zu fallen, um von ihr erhört und geheilt zu werden. Der Unfug ward zuletzt der Art, daß der Magistrat der Stadt die Wallfahrten nach der schönen Marie unter Gefängnißstrafe verbieten mußte. — Der Kirchenlurus war übrigens aus's Höchste getrieben. Die Statuen und Gemälde der ersten Künstler zierten die riesigen Dome, die ewig groß bleiben werden, die Altäre waren belastet mit prächtigen Gefäßen von Gold und Silber. Allein dieser Glanz war das Flimmern eures ausgehenden Lebens; es war die Pracht des römischen Leichenbegängnisses und schon wurde von einer kräftigen Jugend der Sarg gezimmert, um die Leiche der Feudalität und des Pfaffenthums mit Pomp zu begraben.
Luther war der Mann, der Deutschland und die Welt von der religiösen Tyrannei befreite. Andere hatten ihm vorgebaut, er war der Mann der Kraft und der That, der das schlaugewebte Netz, womit Rom und das Pfaffenthum das arme Deutschland umfangen hielt, mit kühnem Muthe zerriß. (Forts, folgt.)
Alle ehrenhaften Redaktionen deutscher Zeitungen werden ersucht, nachfolgende
Erklärung aufzunehmen.
Zu den schlechten Mitteln monarchischer Reaktion, welche sich nicht entblödet, die aus Begeisterung für Volk und Volksfreiheit geschehene republikanische Schilderhebung auf das Nichtswürdigste zu verläumden, jener Reaktion, die nur den niederen Leidenschaften des Eigennutzes, der Furcht und Aufopferungs-Unfähigkeit schmeichelt — zu jenen schlechten Mitteln gehört vor allen die boshafte und schändliche Erdichtung, als sei General Gagern meuchlings gefallen.
Wiederholt erzähle ich den Hergang, wie er sich wirklich zugetragen hat, und appellire an die Ehrenhaftigkeit der Augenzeugen, an die Ehrenhaftigkeit, welche ein Feind dem andern schuldig ist, damit sie die Wahrheit meiner Behauptung bestätigen. Als un- sere Kolonne von Kandern auszog, faßte sie auf den Höhen dicht vor Kandern Posto. Ich stand bei einem Fähnlein am Berge, als mir zugerufen wurde, Gagern wünsche mich :u sprechen. Ich begab mich auf die Straße, wo mir ein Kavallerie-Lieutenant, ich meine Kieser, vom Dragoner-Regiment in Bruchsal, entgezen- kam und diese Mittheilung wiederholte. Ich stieg den Weg herab, begleitet von mehreren republikanischen Anführern, und traf mit Sagern auf der Mitte einer vor der Stadt Kandern bejchidlichen Brücke zusammen, wo er mich anredete: „Sie. d h. die Republikaner, müssen die Waffen niederlegen," was ich natürlich ab- lehnte; darauf fuhr er fort:
„Sie sind ein gescheidter Mann, aber ein Fanatiker," worauf ich erwiderte: „Wenn die Hingebung für die Befreiung eines großen Volkes Fanatismus ist, dann mögen Sie diese Harid- lunzswei'e als» bezeichnen, dann gibt es aber auch einen Fanatismus auf der andern Seite, dem Sie dienen; übrigens bin