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No. 53.

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Der Bolksfreund.

Sobald wir Deutschen eine Nation sind', sind wir die erste.

S e u m e.

Wiesbaden.

Donnerstag, den 11. Mai

1848.

*t* Elsaß und Lothringen.

Unter dem 9. April hat H. Dr. Zais dem Fünfzigeraus­schuß folgende Eingabe zugestellt : In Betracht daß Friede und Freundschaft zwischen der französischen und deutschen Nation die nothwendigen Bedingungen sind: 1) um ihre espektiven Verfassungen neu zu gestalten, die Freiheit auf gesetzlichen Grundlagen zu befestigen und die sozia- en Fragen der Gegenwart zu einer befriedigenden- ung zu bringen; 2) daß durch diese friedliche Entwick- ung die Freiheit Europa's so wie die tausendjährige Er­rungenschaft seines jetzigen Kulturzustandes gesichert wird; 3) daß ein Bündniß dieser zwei Nationen nothwendig ist, um eine etwa bevorstehende Allianz zwischen Ruß­land und England zu Verfolgung selbstsüchtiger Zwecke unwirksam zu machen; 4) um einen Krieg zwischen Oesterreich und Frankreich zu verhindern, welcher aus Anlaß der Lombardei sich entspinnen könnte, ein Krieg, welcher die Freiheit dreier Nationen gefährden dürfte; stellte der Obige den Antrag:

Daß zur Befestigung des Friedens zwischen Frankreich und Deutschland ein Austausch von Ländergebieten statt stnden solle. Nämlich:Oesterreich trete die Lombardei ;b an Sardinien, Sardinien hingegen Savoyen und einen entsprechenden Theil von Piemont und Nizza an Frankreich, Frankreich aber daS Elsaß und Lothringen an Deutschland."

Elsaß und Lothringen soll es überlassen sein, entweder als eine Republik bestehen zu bleiben und als solche zum deutschen Reiche zu treten oder einen Prinzen aus dem österreichischen Hause als Regenten zu wählen. Im erste­ren Falle würde Oesterreich Anspruch auf anderweiti­ge Entschädigung zuzugestehen sein.

Frankreich und Deutschland verpflichten sich die sie betreffenden Fragen auf gütlichem Wege beizulegen, und der Einsprache anderer Mächte mit gewaffneter Hand entgegenzutreten.

Zur Motivirung hebt der Antragsteller hervor: daß sich die politische Stellung beider Völker durch die vollbrach­ten Revolutionen wesentlich gegeneinander geändert habe. DaS Hauptinteresse beider sei jetzt: die Ausbildung und Befestigung ihrer Freiheit. Diese Frei­heit sei zwischen ihnen ein Gemeingut. Die Freiheit Frankreichs sei nur gesichert durch Deutschlands Freiheit. Seien ihre Wege auch verschieden, sie strebten doch nach einem Ziele. Im Interesse Beider liege es daher, die alten Vorurtheile gegenseitig schwinden zu lassen und zu Erreichung höherer Zwecke den Leidenschaften deS Eigen­nutzes, der Nationaleifersucht und der Ländergier Schwei­gen zu gebieten. Ueber kurz oder lang könne aber dennoch der Besitz des linken Rheinufers von der einen oder andern Seite Veranlassung zu einem feindlichen Zusammenstoß geben. Besser sei es, sich auf friedlichem

Wege zu verständigen und gerade jetzt scheine ein solcher günstiger Zeitpunkt eingetretcn zu sein. Ein solches ma­terielles Unterpfand, welches beide Nationen in ihrem eigenen Interesse sich gegeben hätten, würde wahre Grund­lage eines dauernden Bündnisses sein. Elsaß und Lo­thringen dürften wohl bereitwillig auf die deutsche Seite übertreten, wenn ihnen bei Wiedererlangung ihrer ange- borneu Volksthümlichkeit auch in materieller Hinsicht größere Vortheile geboten werden. In demselben Falle befinden sich auch die Piemontesen und Savoyarden, welche nach Sinnes- und Stammesart zu Frankreich gehörten. Für Frankreich sei eS aber von größerem Werthe, eine Provinz am Mittelmeere, als am Rheine ^u besitzen. Ganz Deutschland würde aber Oesterreich aus das freu­digste unterstützen, wenn es gälte seine Größe und hohe Stellung behaupten zu helfen und ihm für die Aufopfe­rung der Lombardei andere Vortheile oder andere Länder­gebiete, zuzuweisen suchen.

Deutschland.

Hamburg, 6.Mai. Der begeisterte Aufruf welchen die Herren R. M. Sloman und I. C. Godefroy und Sohn gestern an alle Deutsche richteten, zusammen zu stehen zur Abwehr und Ahndung jeder Schmach, welcher der deutschen Flagge drohet von Dänemarks Kriegs­schiffen er muß ein Echo finden in jeder deutschen Brust. Er hat es gesunden hier in Hamburg, er ist zur That geworden und heute schon können wir den that­sächlichen Anfang einer deutschen Kriegs-Flotte berichten. In einer außerordentlich zahlreichen Versamm­lung im großen Saale der Börsenhalle erklärten die Herren Slomann und I. C. Godefroy heute, daß im Vertrauen auf die Mitwirkung von ganz Deutschland die ersten vorbereitenden Schritte zur Errichtung einer Kriegsmarine von ihnen eingeleitet, daß ihnen von Seiten unseres Senats die willfährigste Erklärung bei diesem Unternehmen geworden, Schutz und Hülfe zu­gesagt und daß die Erreichung des großen Zieles nicht mehr zweifelhaft, wenn ganz Deutschland sich einer Sache annehme, welche mehr denn eine die Sache von ganz Deutschland ist. Die Versammlung bot ein wahrhaft erhebendes Bild; ein elektrischer Funke bewegte alle Her­zen bei dem energischen, mehrfach durch Zuruf des Bei­falls und der Einstimmigkeit unterbrochenen Vortrag des Herrn Godefroy und die lebhaftesten Zeichen der Aner­kennung wurden den Ehrenmännern, welche durch ihr Auftreten ein Verdienst um ganz Deutschland sich erwor­ben haben, zu Theil, als sie ihren Aufruf mit der Er­klärung besiegelten, daß jeder von ihnen ein Kauffahr­teischiff für die erste deutsche Marine zur Verfügung ei­ner Comite gestellt, welche zur Herbeiführung des gro- i ßen Zieles sich gebildet. Die Aufforderung zur Herbei-