als anfänglich behauptet wurde. Die Zahl der Gefangene», welche der Dcmokrateulcgicm angehörten, ist jedenfalls sehr beträchtlich. (F. I.)
Neueste Nachrichten.
Frankfurt, 6. Mai, Morgens S1/, Uhr. To eben erhalten wir nachstehende telegraphisch e Depesche: Paris, 4. Mai, TU Uhr. Der Mini- ster dcS Innern an die RegierungökonnnWre. Die Ra- lionalversammluttg ist heute zusammengetretcu; sie hat die Prüfung der Vollmachten begonnen; diese Operation wird morgen beendigt sein; die Sitzung wurde eröffnet, fortgesetzt und geschlossen unter dem einstimmigen und tausendmal wiederholten Rufe: „Es lebe die Republik." Eine ungeheuere Volksmenge drängte sich in den Umgebungen des Palastes, auf dem Platze und den Quais. Die provisorische Regierung und die Repräsentanten entsprachen dem Rufe dcS Volks, indem sie vor der Säulenhalle erschienen, wo sie mit allgemeinem Zurufen empfangen wurden. Der größte Enthusiasmus herrscht in der ganzen Stadt. (F. I.)
F r Hb urg, 4. Mai. Für die Untersuch u n g her Freischärler-Gefangenen wird ein gemischtes Comite, aus Militär- und Civilbehörden bestehend, ernannt, und sind bereits Befehle deßhalb ertheilt. Wie die Untersuchung aussallen wird, läßt,sich denken; denn cö sind unter den Gefangenen bis jetzt nur Wenige, welche stark gravirt sind, die Andern sind meist Verführte, welche zum größten Theile ihre Thorheit bereuen. Es scheint überhaupt ein Theil der Bürger zu der Einsicht gekommen zu sein, daß das nicht der Weg zur wahren Freiheit sei, wenn man in zügellosen Banden in die Oerter einzieht und der Regierung den Gehorsam aufkündet. — Hier in Freiburg werden täglich noch Arrestationcn vorgenommen, und eS kommtost vor, daß ein Bürger den andern angibt, ein Beweis, welche Einiqkeit unter den hiesigen Einwohnern herrschte.
v (Mannh. I.)
Hadersleben, 1. Mai, 8 Uhr Morgens. Seit einer Stunde ziehen die ersten Preußen durch die breite und schöne Norderstraße dem 9forbeii, Jütland, zu. In vier Stunden kann man zu Wagen ober zu Pferde bequem die Königsau und Kolding erreichen, doch wäre eS möglich, daß die Preußen heute noch in Christians- felb und der Umgegend übernachteten. In geringer Entfernung von der Landstraße liegt — etwa zwei Meilen von hier — die berüchtigt gewordene Skamlingöbank, wo die dänische Propaganda daS Landvolk so lange Haranguirte und gegen die Deutschen ausreizte und Deutschland so lange höhnte, biS der Fluch der bösen That in Erfüllung ging und jetzt die Dänen, die noch vor 9 Ta- aen in und vor Schleswig lagerten, keine Armee mehr ausbringen können, um ihr eigenes jülssches Land zu schützen. Freilich wird cs noch viele Mühe kosten, ehe das Landvolk in Nordschleswig und das Schiffsvolk in den schlcöwigschen Hasenörtern für deutsche Sprache und Sitte wiedergewonnen, ehe eö für Ideen deö Vaterlandes und der Freiheit empfänglich gemacht wird, ehe es Freude und Leid mit dem ganzen großen und einigen Deutschland zu theilen bereit ist. Denn der dänische Fanatismus ist nicht blos selbst blind gewesen, er hat auch seine Anhänger blind gemacht und mit seiner heillosen Verblendung angesteckt. Namentlich das Landvolk im Amte Hadersleben befindet sich ganz in Abhängigkeit von den dänischen Predigern und Schullehrern. Wie weit aber dieselben oft ihre Mission vergessen, dafür mögen hier zwei Beispiele genügen. Ein Prediger sprach von der Kanzel herab Drohungen und Flücke gegen die Deutschgesinnten aus und ein Anderer brach mitten in der Predigt ab, um sich an die Spitze eines bewaffneten BauernfreischaarenhaufenS zu stellen. Daneben gehen freilich auch komilche Züge einher; so wollte sich ein dänischer Prediger bei dem Anrücken der
Preußen auf die Flucht begeben, die Bauern aber, die er selbst einereArt hatte, hinderten ihn mit Gewalt daran und stellten ihm zwei der ihrigen als Wache vor daS Pfarrhaus. (B.-H.)_____
3II Nr. 44 des „VotkSfreundè" wird unâ eine große Mägdever- sammlung in baldigste Aussicht gestellt. Obgleich der Vorschlag hierzu von den Republikanerinnen auSgegangen ist, die manchmal ein bischen zu weit gehen, so wollen wir doch daS Beste davon her- ausnehmen und hierdurch den Staatsmännern mit einem lehrreichen Beispiel vorangehen. Dem Verfasser jenes Aufsatzes aber, der sich mit so warmer Theilnahme unserem Geschlecht hingibt, gestehen wir (die Stichelei von dem Mangel an Soldaten für diesmal mit Stillschweigen übergehend), daß wir bei dem Lesen seines Vorschlags einer tiefen Rührung uns nicht erwehren konnten; zugleich bemerken wir aber auch, daß wir mehrere der zu besprechenden Punkte sehr beanstanden, und deßhalb im Namen von 33 der hervorragendsten Mägde folgende Erläuterungen, Zusätze und Aenderungen beachtet zu sehen wünschen. Wir erklären jedoch von vornherein, daß wir unserer Ansicht nur auf gesetzlichem Wege, das heißt durch die Macht der Lungen und Zungen, nie aber durch Gewalt der Waffen (Nägel oder Zähne) Geltung zu verschaffen gesonnen sind.
1) Daß die Anredewörter „sie" und „du" abgeschafft werden, ist nicht mehr als billig und gerecht; besonders einige Frauen, die durch deren Gebrauch ihre Autorität an den Tag legen wollen, möchten wir hierbei erinnern, doch gefälligst zurückzudenken, waS sie gewesen sind. ---—
Zudem sollte bei uns, wo seit dem 4. März schon ein Paar Freiherren ihren jetzt entbehrlichen Adel in die Rumpelkammer geworfen und erst ganz kürzlich ein Baron eine Schlofferstochler geheirathet har, jeder Standesunterschied aufhören.
2) Dieser Punkt ist lange nicht genug von derjenigen Freiheit beseelt, die uns von Rechtswegen zukommt; der Verfasser spricht da nur von einem Ausgang an den Faulbrannen, vergisst aber jene genußreichen Abende auf derDielenmühle i nb dem Geièberg; eine Beschränkung an solchen Abenden wäre der schmählichste Verrath an unserer Freiheit, und dieser Punkt muß daher bedeutend erweitert werden.
3) Der in diesem Punkte beantragten Gleichstellung mit den Haustöchtern und Kammerjungfern können wir nicht ganz bei- stimmen. Mit den Kammerjungsern wollen wir durchaus nicht gleichgestellt fein; es würde dies nur ein zweideutiges Licht auf uns werfen und machte uns keine Ehre; auf Hut und Schleier geben wir ohnedies nicht viel, weil wir wegen des Wassertragens keinen Gebrauch davon machen können. Eher würden wir noch eine Verschmelzung mit den Haushälterinnen und Köchinnen vorziehen, denn diese haben noch nie ihre Farbe verleugnet. WaS nun die Gleichstellung mit den Haustöchtern betrifft, so lassen wir uns diese wohl gefallen, müssen unsaoerunvoraus aufs enljchie- dcnste gegen eine Verwechselung mit denselben verwahren; denn welche Ehre hätten wir davon, mit solchen Fräuleins gleichgeachtet zu sein, die zwar ein bièchen auf der Guitarre klimpMi können, aber nicht einmal riechen, wenn der Kaffee kocht, oder die zum Trocknen die Seife auf den glühenden Ofen legen, oder gar — waè auch schon vorgekommen ist — den Salat mit Seife waschen wollen? —
4) Dies ist freilich ein sehr kitzlicher Punkt, der Mühe kosten wird, bis er durchgesetzt ist. So lange indessen das deutsche Parlament durch einen förmlichen Beschluß die „Hausfreunde" nicht abgeschafft hat, ist die verlangte neutrale Stellung der grauen nur ein billiges Zugeständnis, das sich gänzlich aus Gegenseitigkeit gründet. Wrr können bei diesem Anlaß nicht umhin, unser Bedauern mit den armen Mannern auszusprechen, die so glücklich sind, einen solchen Hausfreund zu besitzen.
5) Diesen Punkt verwerfen wir gänzlich. Wir wollen weder mit ehemaligen Gräfinnen noch mit spanischen Mücken etwas zu schaffen haben.
6) Der sechste Punkt muß dahin abgeändert werden,' daß 8er Congreß deutscher Mägde nicht in Lalenburg sondern in Carlsbad zusammentritt, denn die von Carlsbad ausgegangcnen Beschlüsse haben sich stets als die besten bewährt.
7) Der siebente Punkt ist ganz am rechten Orte! nur bedarf derselbe des Zusatzes, daß die Frauen, im Falle sie die Beeidigung verweigern, im Wege der Exekution dazu genöthigt werden.
8) Soll es uns ebenfalls freigestellt sein, nach Belieben die Vornamen zu ändern, wie dies neuerer Zeit Mode geworden ist, zum Beispiel Kathrine in Käthchen, Gudelchc in Jettchen, Lisbeth in Betty, Affrom in Adolph, Jerrfricdrich in Schorsch.
Schließlich sehen wir gar nicht ein, warum nur den Kammerjunkern der Eintritt in die Versammlung gestattet sein soll; dies wäre Einseitigkeit im höchsten Grade; wir haben uns einer vielseitigen Bekanntschaft zu erfreuen und laden jeden Freund bc6 zarten Geschlechtes ein, der Versammlung beizuwohnen.
Unserm Beschützer und Vorkämpfer aber werden wir für sein unermüdetes Streben und für seine uns bewiesene Anhänglichkeit ein Halsband sticken. Wiesbaden, 5. Mai 1848.
Die Vorsitzerin: Kunigunde Pumpelmuß, Die Schriftführerin: Sophie Leidreich.
Proscriptum, Sollte Jemand etwas an unsern Ansichten auszusetzen haben, dem werden wir die Antwort nicht schuldig bleiben.
Verantwortlicher Redacteur: Fr. Emminghauö. — Druck der I. A. S t c i n'schcn Buchdruckern zu Wiesbaden.