eine Stadt sann so wenig, wie ein ganzes Land, wie eine ganze Nation für die Verirrungen einzelner ihrer Glieder einstehen. Mannheim stand immer auf ter Seite der Freiheit, auf der Seite deS Vaterlandes; eS wird auch ferner auf diesem Posten stehen bleiben, und unter Druck und Drang den Muth nicht verlieren, den daS Vaterland fordert."
ß Mannheim, 4. Mai. Unsere Stadt wimmelt gegenwärtig von Truppen. ES liegen bereits gegen 6000 Mann darin und täglich werden noch neue erwartet. Mit den Kurhessen und Baiern steht die hiesige Einwohnerschaft in besserem Einvernehmen, als mit den Nassauern. Der Haß gegen diese hat keinen andern Grund, als weil sie die ersten der „fremden" Truppen waren, die hier einrückten und weil man sich an ihnen um so mehr täuschte, je gewisser man von ihnen erwartete, daß sie abfallen würden, da sie, selbst mit den schändlichsten Mitteln, nicht dazu gebracht werden konnten. Daß die Nassauer gewiß jeden Anlaß zu Beschwer- den zu vermeiden suchen, geht schon daraus hervor, daß ihre Offiziere, trotz deS Belagerungszustandes, in dem sich Mannheim dermalen befindet, keinen Gebrauch von den ihnen dadurch gewährten Rechten machen, sondern auf ihre eignen Kosten leben, obgleich sie natürlich Alles doppelt bezahlen müssen. Daß den Offizieren die Diätengelber nicht ausbc- ,zahlt und den Gemeinen 2 fr. von ihrem Solde abgezogen werden, ist deßhalb nur eine übelangebrachte Er- sparniß zu nennen. — Hecker und Struve sollen sich entzweit haben, da dieser die Hilfe Frankreichs anrufen wollte, wozu der erste sich nicht verstehen mochte.
Vom b a i e r i sch e n unteren Main, 4. Mai. Die Würzburger Garnison wird nicht nur durch das 4. Jägerbataillon verstärkt, sondern auch die dort neu zu errichtenden drei Bataillons (jedes zu 6 Compagnien) des 6., 9. und 12. Regiments, so daß sie sich mit der dortigen Artillerie auf mehr als 4000 Mann belaufen wird! Zwischen Nürnberg und Bamberg wird daS sächsische Kontingent (bei 50,000 Mann) placirt. So eben hören wir auch von der darinstädtischen Gränze, daß nach Babenhausen und Dieburg starke Garnisonen gelegt werden sollen, so daß wir allenthalben mit einem dichten Truppennetze umzogen werden. — Seit einiger Zeit tritt I die, der neuen Ordnung der Dinge feindselige Partei, bei uns mit großer Zuversicht aus. Jede nur etwas freisinnige Aeußerung wird hitzig bekämpft und da, wo überzeugende Gründe nicht ausreichen, her Verdacht deS Nepublikanismus auf sic geworfen, obgleich, Gott sei Dank, wenigstens in unserer Gegend keine Spur von Republikanismus vorhanden ist.
Göttin gen, 1. Mai. Soeben Nachmittags 3 Uhr, sind unsere Studenten im feierlichen Aufzuge wieder hier eingetroffen, jedenfalls eine größere Anzahl, als die, welche am 17. März in ernstem Trauerzuge die damals noch unter dem Drucke des Polizeistaats seufzende Stadt verlassen hatte. (Fr. I.)
Berlin, 2. Mai. Noch gestern Abend spät ist mir auS zuverlässiger Quelle die wichtige Nachricht zugekommen, daß ein starkes CorpS preußischer Truppen in den Maingegenden zusammengezogen werden soll. Das Gardedragonerregiment, daS 7. Kürassierregiment, zwei Linieuinfanterieregimenter, vier Landwehrregimenter und eine Artilleriebrigade werden schon in den nächsten Tagen ihren Marsch nach Nürnberg und Bamberg antreten. (D. A. Z.)
Hamburg, 1. Mai, SV, Uhr Abends. Nach heute Abend mit dem Bahnzuge eingegangenen Nachrichten wären die Preußen in Jütland eingerückt; das Hauptquartier soll in Kolding seyn. Der rechte Flügel (daS 10. Bundes-Armee-Corps) erwartete nur schweres Geschütz, um den Angriff auf Alfen zu beginnen. (H. C.)
Von der Elbe, 2. Mai. Correspondenznachrich- ten vom Kriegsschauplatz in Schleswig-Holstein zufolge, war unter den dortigen Freischaaren und Turnern große Unzufriedenheit darüber entstanden, daß man sic fast ausschließlich nur zum Convoyiren der Gefangenen und
der Lebensmittel bis jetzt verwendet hatte. — Aus derselben Quelle erfahren wir auch noch sehr Rühmliches über die beifpielloje Tapferkeit der preußischen Garden und des 20. Infanterie-Regiments bei dem Sturm auf die Verschanzung von Danncwirke; die Position war eine der vorzüglichsten und wurde von den Dänen sehr tapfer vertheidigt; aber trotz einem mörderischen Kar- tätschenfeuer, welches den in sumpfigem Terrain vor- rückenden Preußen ganze Rotten niederstreckte, drangen diese mit gefälltem Bajonnette und die gelichteten Reihen immer wieder schließend, mittag vor, und pflanzten ihren Adler auf dem Parapet auf.
Hole n.
Krakau, 28. April. Die Ruhe war nicht mehr gestört worden; es herrschte Todtenstille. Ueber 800 Emigranten hatten die Stadt verlassen. Die Regierung hatte eine kaiserliche Entschließung kundgemacht, nach welcher die Ablösung der Robot und anderer Feudallasten den Bauern aus Staatsmiteln zugesagt wurde. Bei den Edelleuten soll dies große Erbitterung erregt haben. (Allg. Z.)
5v st n f v c i ch.
Ein Dekret der Regierung bestimmt, daß die Aushebung der Negersklaverei in allen französischen Kolonien zwei Monate nach Bekanntmachung dieses Dekrets in jeder Lokalität Statt finden soll. Die körperlichen Züchtigungen und die Käufe und Verkäufe von Sklaven hören augenblicklich auf. Alle Besitzer von Sklaven werden vom Staate entschädigt. Jeder Sklave, der künftig den Boden der französischen Kolonien betritt, ist frei. Franzosen dürfen selbst in sremden Ländern weder Sklaven besitzen, noch selbe kaufen oder verkaufen, widrigenfalls sie sonst ihr französisches Bürgerrecht verlieren.
Paris. Nach dem „Courier du Bas-Rhin" haben drei der Chefs deö „CentralcomiteS der republikanischen Streitkräfte Deutschlands", die „Bürger" Hecker, Heinzen und Lommel, ein Gesuch um Gastfreundschaft und den Schutz Frankreichs an die provisorische Regierung der französischen Republik gerichtet.
Paris. Dem Vernehmen nach sollen demnächst 20,000 Arbeiter der Nationalwerkstätten aus Paris entfernt nud zur Beendigung mehrerer Canalbauten, unter anderen des Rhvnc-Rhein-Canals, verwendet werden. Zwischen Hrn. Franz Arago, Mitglied der provisorischen Regierung und H. Steph. Arago, (dessen Bruder), welcher die Oberpostdirektors-Stelle bekleidet, ist ein völliger Bruch entstanden. Der erstere hat sich der gemäßigten Partei angeschlossen und steht auf der Seite der Majorität der Regierung; der letztere dagegen gehört zu den entschiedensten Anhängern deS Hrn. Ledru-Rollin und der ultra-revolutionären Ideen. — Man versichert, Hr. Sobrier, Redakteur der „Commune de Paris", Habesich von der ultra-revolutionären Partei völlig getrennt und der provisorischen Regierung seine entschiedenste Unterstützung zugesagt. (F. I.)
totrap b urg, 3. Mai. Mit jedem Tage befestigt sich die Ruhe in unserer Stadt mehr und das Vertrauen gewinnt dadurch wieder festen Fuß. Der Eifer um daS Gemeinwohl, welchen die an der Spitze der städtischen und der Departementalverwaltung stehenden Männer beseelt , sind Bürge, daß dieser so vortreffliche Geist auch fortan obwalten, und das Elsaß wie Frankreich überhaupt recht bald gedeihliche Früchte von der letzten Umwälzung ernten werden. — Diesen Morgen haben die Herren Struve, Heinzen, M ö g l i n g und L ö- wenfelS durch eine Anzeige in öffentlichen Blättern den biedern Bewohnern des Elsasses, welche die deutschen Republikaner so gastfreundlich ausgenommen, ihren Dank ausgedrückt. Heute haben wirklich sehr viele der deutschen Flüchtlinge unsere Stadt verlassen; indessen weilt noch eine ansehnliche Anzahl hier, die in den nächsten Tagen ebenfalls abziehen wird. DaS Betragen dieser Leute war bei unS ein recht anständiges. Sie haben sich hier nicht den geringsten Erceß erlaubt. Es scheinen weit weniger bei dem Kampfe umgekommen zu sein,