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No. 50.

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Der Velkssreunb.

Sobald wir Deutschen eine Nation sind, sind wir die e r st e.

S e u in e.

Wiesbaden. Sonntag, den 7. Mai 1848.

Einige Bemerkungen

zu der Flugschrift:Antwort aus die von einigen E l e m e n t a r l e h r e r n des Herzog- thums Nassau gestellte Frage: ob die Schule von der Kirche zu trennen sei? von einem Volksfreunde." (Schluß.)

Der Umstand, daß mehrentheils arme Jünglinge sich dem Lehrerstande widmen, ist ein Beweis dasür, daß dieser Stand bis jetzt nicht die gehörige Würdigung, die verdiente Anerkennung erhielt. Armuth aber ist keine Schande; und was die Unterstützungen betrifft, welche an dem Seminar gegeben werden, so stehen in dieser Hinsicht namentlich die katholischen Theologen gewiß nicht zurück. Auch hinsichtlich ihres Herkommens könn­ten sie füglich den Lehrern die Hand reichen. Auch die katholischen Geistlichen waren von Hause ausmeistens Knaben aus dem mittleren Bürgerstande, sehr viele ganz ^rm." Das sind übrigens nur Nebensachen, die in unserer Zeit gar nicht mehr zur Sprache gebracht wer­den sollten. DeS Mannes Werth liegt in sei­ner Kraft.

Zum Schluß nur noch die Bemerkung. Die Lehrer werden in der angeführten Schmähschrift Leute ohne gediegene Kenntnisse, ohne Grundsätze, ohne Religion re. genannt. Als solche wären sie allerdings nicht fähig Unterricht im Allgemeinen, Unter­richt im Besondern in der. Religion zu ertheilen. Wir wenden uns jedoch hier an euch, Mitbürger! und fra­gen: Wem hat das Volk seine gegenwärtige Bildung zu verdanken? Wer ist schuld daran, daß jetzt der 10 bis 14 jährige Knabe weit mehr Kenntnisse und Fer- tigkeiten besitzt, als vor 4050 Jahren der gereifte Jüngling, der Mann? Wer hat bis jetzt selbst den Religionsunterricht ertheilt, etwa die Geistlichen, welche, .uißer den wenigen Stunden, welche sie auf den Con- firmanden-Untereicht verwenden, oft das ganze Jahr hin­durch daS Innere einer Schulstube nicht zu sehen be- ommen? Wären die Lehrer wirklich so dumm und so gottlos, wie man sie darzustellen sich bemühet, dann würde freilich noch Finsterniß herrschen in den deutschen Gauen, eine Finsterniß, wie sie herrschte in den seligen Tagen deS Mittelalters. Nur wer Arges thut, scheuet das Licht!

Sie aber, lieber Volksfreund, sehen wohl selbst ein, daß Sie Ihr heiliger Eifer zu weit geführt hat, daß ^ie wohl im Staude waren, sich selbst, nicht aber die ehrer ju verdächtigen. Das Volk hat gesunderen Sinn, als Sie ihm zumulhen; es läßt sich nicht mehr leicht 'in L für ein U vormaleu.

Daß es übrigens auch unter den Geistlichen Män- er gibt, denen daß wahre Wohl deS Volks sehr am Herzen liegt, die da wissen und erkennen, was zu seinem

Frieden dient, davon sind wir fest überzeugt. S i e mögen hoch leben! Hoch das brave Volk!

Der infame Haft der deutschen Zeitungen gegen das unglückliche polnische Volk.

(Fortsetzung.)

Im weiteren Verfolg seines Schreibens sagt der Kor­respondent der Zeituugshalle, daß die polnisch-patriotische Stimmung im Großherzogthum gar nicht allgemein sei, daß man unter den 1,150,000 Einwohnern der Provinz, 500,700 Deutsche rechnen könne, daß die polnischen Bauern nichts weniger als Polvnisirung wünschen und nur durch SchuapS, Versprechungen und Drohungen aller Art dazu von dem Adel gezwungen werden, daß sich der Letztere endlich nur nach seinem Ideal, (niema zgody) keine Einigkeit, sehne. Allerdings ist die polnische Stimmung in der Provinz Posen nicht allgemein, und kann es nicht sein. Mehrere Tausend deutscher Beamten, denen eS hier wohl ergeht, können nicht polnisch gesinnt sein, ebenso einige deutsche Guts­besitzer und deutsche Kolonisten, die mit Zurücksetzung polnischer Einwohner beim Ankauf von Domänen und Bauerngrundstücken auf alle mögliche Weise begünstigt wurden. Die Statistik deö GroßherzogthumS Posen, wie sie der Korrespondent der Zeitungshalle giebt, ist ganz falsch. Auf 1,200,000 Einwohner sind über 800,000 Polen, etwas weniger als 300,000 Deutsche und 80,000 Juden. Der Pole im Großherzogthum ist mit Leib und Seele Pole, der polnische Bauer spricht keine andere Sprache als die polnische, bedarf also keiner Polonisi- rung, wie es der Korrespondent böswillig behauptet, wohl aber einer Germanisirung, die man durch Volks­schulen, Militär, Distrikts-Commissarien seit 30 Jahren durchzusetzen sich umsonst bemüht hat. Die 300,000 Teutschen des GroßherzogthumS zerfallen in Ureinwoh- ner der Provinz, d. h. solche, deren Vorfahren im drei- ßigjährigen Kriege ein Asyl in Polen gefunden haben, und in solche, die seit 1815 hier eingewandert sind. Ter letzteren giebt eS viele Tausende und es ist zu be­wundern , daß bei diesem beharrlichen ColonisationS- Systeme, das im Großherzogthum bis dato beobachtet wurde, die Provinz nicht ganz von diesen Einwanderern überschwemmt ist. Diese Einwanderung begünstigte man aus jede mögliche Weise. Noch im vorigen Jahre wollte man das Domänen - Amt Jerka, Kreis Kosten, unter deutsche Einwanderer vertheilen, da indessen Hunderte von polnischen Bauern in dieser Domäne, deren Vor­fahren diesen Boden mit ihrem Blut und Schweiß be­netzt hatten , mit ihren gerechten Ansprüchen zurückge- wiesen wurden. Die deutschen Beamten aller Art und diese Einwanderer sind es hauptsächlich, die der polni­schen Sache im Großherzogthum abgeneigt sind. Die