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Der infame Haß der deutschen Zeitungen

gegen das unglückliche polnische Volk.

ES liegt im Wesen der meisten Menschen, sich wie Hunde vor den Gewaltigen, Reichen und Glücklichen zu verneigen und in demselben Maße die Schwachen, Ar­men und Unglücklichen niederzutreten, zu verfolgen und zu verlâumden. Diese Erscheinung sehen wir täg­lich in den giftigen Urtheilen der deutschen Zeitung von GervinuS gegen alle Bestrebungen der Palen zur Wiedererlangung ihres Vaterlandes. Dieser Haß deS gelehrten Professors gegen ein großes und beispiellos mißhandeltes Heldenvolk, ist eine große Inkonsequenz bei einem solchen Manne, der doch in Bezug auf Deutsch­land nichts Höheres kennt, als Unabhängigkeit gegen Außen und Aufrechthaltung der Nationalität in jeder Hinsicht und nach allen Seiten hin. Auch ist die­ser Haß ein so großer politischer Fehler, als die Thei­lung Polens selbst, denn ohne daß Polen ganz in seiner alten Macht wiederhergestellt wird, ist Rußland für uns Deutsche ein eben so gefährlicher Feind als Frankreich und England. ES ist gefährlich für uns, das un­glückliche Polen, in seinem Jammer zu verspotten und zu mißhandeln, denn, wer kann es wissen, ob wir nicht in einem Jahre eben so unglücklich sind, als Polen eS jetzt ist; oder ist ein Bund Rußlands und Frank­reichs, Behufs der Theilung Deutschlands, nicht sehr wahrscheinlich in einer Zeit, wo wir Mühe haben, unS der Anarchie zu erwehren ? Mag der gelehrte und verkehrte Professor zu Heidelberg bellen, wie er will und fortfahren in seinem systematischen Hasse gegen ein großes, tapferes und unglückliches Volk, wir wollen an dieser Sünde keinen Theil haben und wenigstens den mißhandelten Polen nicht verweigern, sich gegen infame Verläumdungen zu vertheidigen. AuS diesem Ge­sichtspunkte bitten wir, die beiden folgenden Aktenstücke zu beurtheilen , welche wir der polnischen National- zeitung" entnehmen:

1.

Posen, im April

DieBerliner ZeitungShalle" vom 31. März Nr. 77 enthält ein Schreiben aus dem Großherzogthum Posen, sub dato Posen den 25. März, worin der Einsender, ein verschworner Feind deS Pollakenthums (wie er unsere Nationalität spottweise nennt), eine ganz falsche Ansicht der hiesigen Zustände aufstcllt und eine derartige Unwissenheit derselben bekundet, als wohnte er in China. Wir würden gerne seine Angriffe gegen die Polen auf sich beruhen lassen, hätten wir nicht befürchtet, daß die edle deutsche Nation durch ähnliche Anschwärzungen irre geleitet werden könnte. Wir wollen also daS Schreiben dieses Feindes des Pollakenthums Wort für Wort beantworten. Er behauptet erstlich, daß die Gemüther der Polen gegenwärtig vom Geist der Knechtschaft und der Herrschsucht aufgeregt sind, und daß Hohn, Schadenfreude und Verachtung des Deutschthums die Polen unserer Provinz beseelt. Der Einsender möchte wohl hierin ganz Recht haben, wenn er die Sache um­kehrt; denn der geknechtete, verhöhnte und verachtete Theil ist nicht das Deutschthum, sondern gerade das Pollakenthum unserer Provinz. Die hiesigen Be­amten nämlich möchten gerne die alte Knechtschaft mit den schönen Gehältern zurückrufen und ihre absolute Herrschaft über fast eine Million Polen auch fernerhin behalten.

Hohn und Verachtung seiner Mitmenschen ist den Polen ganz fremd; eS besitzen im Gegentheil viele Po­len die Schwäche, daß sie Fremde, namentlich Deutsche, mitunter ganz untaugliche und schlechte Subjekte in jeder Beziehung ihren Landsleuten vorziehen, und ihnen ihr Vermögen, ja ihre heiligsten Interessen anvertrauen.

Was die Behauptung anbetrifft, als hätten die Polen die Deutschen durch Drohungen zum Tragen einer pol­nischen Kokarde gezwungen, so ist dies eine arglistige Lüge. Möge der Einsender auch nur einen einzigen Deutschen nennen, der dazu gezwungen worden ist. Wir

können im Gegentheil mehrere Beispiele anführen, daß mehrfach die deutsche Bevölkerung im Großherzogthum Posen gegen das Tragen der national-polnischen Kokar­den gewüthet hat. So hat z. B. die deutsche Bevöl­kerung von Lissa den Grafen Leo MiclzynSki deshalb gemißhandelt. Daß der p o l n i s ch e Pöbel (wie st er­ber Einsender artigerweise ausdrückt), die Landräthe und Distrikts -Commissaricn hie und da auf friedlichem Wege unschädlich zu machen suchte, liegt in der Natur der hiesigen Zustände und kann den Polen nicht verargt werden. Diese Beamten nämlich, es wird dies viel leicht Niemand in Deutschland glauben wollen ver­suchen an vielen Orten die Bauern gegen den Adel auf zuwiegeln, und drohen mit Mord, wie es im Jahre 1846 im Tarnower Kreise Galliziens geschehen. Beleg! sind da. Auch haben wir Beweise, daß Landräthe deutsch Kolonisten bewaffneten, um mit ihnen gegen die Pole; zu handeln. Der Distrikts - Commissarius von Schroda wollte die polnischen Bauern zur Ermordung ihrer Her reu bereden, und als ihm diese Schandthat mißlang machte er sich aus dem Staube. (Forts, folgt)

Deutschland.

t Wiesbaden, 5. Mai. Mit Freude entnehmen wir aus einem Artikel der Allgemeinen Zeitung Nr. 3 vom 2. Mai, welche Hoffnungen die politischen Ereig­nisse für die Wiesbadener Badesaison in Aussicht stelle; und da die Ruhe sich an daS allgemeine Interesse bt hiesigen Bürger knüpft, so dürfte nur noch ein Wunsch übrig bleiben, nämlich der Wunsch, daß alsbald zur An­wendung drohender Unglücköfälle an das theilweise 4 Schuh hohe Theater-Trottoir, welches so viele Cur fremde bei Tag und Nacht passiren, eine Brustwehr an­gebracht werde, damit für die Folge weiteren Unfällen zum Wohl der Fremden, welche die Beschaffenheit bie ses Trottoirs nicht kennen, ein Ziel gesetzt werde und nicht noch mehrere das LooS mit dem Herrn Genera Uminski theilen, der kaum hier augekommen, bei der Nacht von erwähntem Trottoir fiel und an einer Bein- verengung schon seit Herbst darniederliegt.

Stuttgart, 2. Mai. DerSchw. Merk." beuch tet: Die k. würtembergischen Truppen haben in den letzten Tagen in dem untern Rhein - und Wiesenthab Kantonnirungen bezogen. Das Hauptquartier befindet sich in Lörrach. Wir entnehmen auS einem Schreibe: auS demselben: Die gefangenen deutschen Demokraten werden dem Wunsche der badischen Regierung zufolge nach Bruchsal gebracht. Heute ist ein Drittheil abge­gangen, morgen und übermorgen folgt der Rest. So viel bis jetzt über die durch das Gefecht vom 27. ge sprengte Legion erhoben werden konnte, war sie von Herwegh und Bornstedt als Mitgliedern des Ceiural- comiteS begleitet; der militärische Oberbefehl wurde bei dem Uebergange über den Rhein Börnstein übertra­gen. Die Legion theilte sich in vier Bataillone und ein jedes derselben in vier Compagnien. Bataillonschef wa­ren Arndt, alS abwesend vertreten durch Musake, (der geblieben ist), Herter, Delaporte (gefangen),, und Reinhardt (todt). Die Stärke der Legion wir auf etwas mehr denn 800 Mann angegeben. Herwegh machte sich sogleich bei der Wahrnehmung eineS Zusam­mentreffens auS dem Staube. Börnstein verschwand nach den ersten Schüssen, worauf Bornstedt, der eigent­lich nur politischer Feldherr war, befehligte. Ueber die Absichten der Kolonne gibt Bornstedt an, schon nach dem Uebergange über den Rhein bei KembS hätten sie sich überzeugt, daß an eine große politische Erhebung nicht zu denken sei, die zugleich erhaltene Nachricht von dem Gange der Ereignisse bei Freiburg habe zu dem Beschlusse geführt, in die Schweiz zurückzukehren. Der Uebergang dahin sollte bei Rheinfelden geschehen. Daß dieser ganze Einfall der Arbeiter und politischen Schwind­ler durch irrige Berichte über den Zustand Deutschlands hervorgerufen, daß also diese Verbindungen und Plane bei der Mehrzahl durch Täuschungen zu Stande ge«