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No* 49*

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Der Belkssreunh.

Sobald wir Deutschen eine Nation sind, sind wir die e r st c.

S e u m e.

Wiesbaden. Samstag, den 6. Mai 1848,

Einige Bemerkungen

zu der Flugschrift:Antwort auf die von einigen E l e meutarleh re rn d e S Herzog- thumS Nassau g est eilte Frage: ob die Schule von der Kirche zu trennen sei? von einem Volks freu nde." (Fortsetzung.)

Was die weitere Verdächtigung im Allgemeinen und besonders deS Lehrers, der S. 6 derAntwort re." als in großer Schreier, selbstgefälliger Prahler, liebloser Verdächtiger :c. bezeichnet wird, wobei selbst noch die Frau Lehrerin eine Rolle mitspielen muß, betrifft, so ist olche zu abgeschmackt, als daß wir viele Worte über dieselbe verlieren sollten. Soll denn der Lehrer als Lump gekleidet einher gehen und sich am Schnapsglase erlaben? Und seine Frau, sollte sie wohl als Wäscherin auf dem Taglohn herum gehen? Was würde man dann sagen? An einem Orte, wo jede Bürgersfrau, wo selbst die Magd und die Köchin des Pfarrers einen Mantel trägt, darf die Frau des Lehrers gewiß auch einen solchen tragen. An andern Orten ist's wohl wieder anders. Muß auch die Frau Lehrerin noch durchgehechelt werden mit ihrem Herrn Gemahl, oder yat sie auch irgend einmal dem geistlichen Herrn auf's Füßchen getreten? Dann geben selbst einzelne Wind­beuteleien kein Recht dazu, einen ganzen Stand zu verdächtigen.

Gesetzt aber, die Besoldungen der Lehrer sollten wie weiter angedeutet ist hinreichend sein zur an­ständigen Ernährung und Versorgung einer Familie; warum, so fragen wir dann weiter, warum beziehen dann doch die Herren Geistlichen, die keine Familie zu versorgen haben, Besoldungen, welche diejenigen der Lehrer um das 5lOfache, ja noch mehr übersteigen. Wenn sie denn so große Volksfreunde sind, warum sagen sie dann nicht: wir brauchen diese hohen Besoldungen nicht, wir wollen fein einfach, mäßig und demüthig le­ben, wollen Wasser trinken, anstatt des WeineS, keine fette Küche führen, wollen vorlieb nehmen mit einer gleichen Besoldung, wie sie der Lehrer bezieht, das klebrige aber zur Verfügung des Volks hergeben, damit es von diesem verwendet werde zum Besten der Armen und Nothleidenden, der Wittwen und Waisen? Höret ihr Herren! gehet doch einmal den Lehrern mit eurem from­men Beispiele voran, wir glauben versichern zu dürfen, daß diese dann fein bescheiden schweigen werden und sich begnügen mit ihrem Commisbrote. Oder meint ihr vielleicht, ein Lehrermagen, der durch tagclauges Reden beständig erschüttert und gereizt wird, während der Eurige in behaglicher Ruhe liegen kann, habe weniger Bedürf- niffe ? DaS wäre eine sonderbare Logik!

Und so wird weiter gefragt welche Opfer hat der Lehrer gebracht, um billiger ^4f^ einen Gehalt

von 400800 Gulden ansprechen zu können? Hat er ein großes elterliches Vermögen von 20003000 Gul­den auf's Studium verwendet? Nein, höchstens hat es ihn einige Hundert Gulden gekostet; die meisten von ihnen, besonders die jetzigen Schreier haben mit dem Gelde der Bürger, das heißt, mit Stipendien ans der Landcskasse in Idstein 3 Jahre ihren Hunger gestillt und ihre Blöße gedeckt. Ja, Bürger, mit eurem Gelde sind Viele zum Lehrerstande gelangt, in deren Meinung ihr bei aller Schmeichelei gegen euch dennoch das dumme Volk seid und deren Auge stets auf euer Geld lüstern hinschiclt."

Auf diese Weise sucht der sogenannteVolkösreund" das Volk aufzuklären! Welche Opfer der Lehrer ge­bracht hat, lassen wir dahin gestellt sein; wer die Ver­hältnisse des Seminars in Idstein kennt, der weiß eS auch, daß die Opfer, welche ein junger Mensch bringt, der dasselbe besucht, nicht allzugcring sind. Doch lassen wir das und sehen, welche Opfer der Lehrer alltäglich als Lehrer bringt und bringen muß. Sollen wir in seine Schule blicken und dort sehen, wie er sich bemüht, die schlummernden Keime der Menschlichkeit dort zu regen, zu beleben zum gedeihlichen Wachsen? sehen, wie er sich bemüht, daö Unfraut, welches der Unverstand, der Leichsinn, die Bosheit bereits unter den Waizen säete, anszureuten? sehen, wie er sich bemüht und be, mühen muß, die rohen Kräfte auszubilden, sie durch Uebung zur Fertigkeit zu bringen? Wir würden sehen, daß ihm dabei oft der Schweiß von der Stirne träufelt, daß er die ganze Kraft eines Mannes, daß er mehr als menschliche Geduld nöthig hat, die ihm gestellte Auf­gabe auch nur einiger Maßen befriedigend zu lösen. Seine Gesundheit unterliegt nur allzuoft der übergroßen Anstrengung; er wird alt vor der Zeit, er stirbt eines allzu frühen Todes und an seinem Grabe weinen un­versorgte Waisen. Sind daS keine Opfer? Müssen zu diesen Lasten und Leiden noch die Uebel deS Mangels und der Entbehrung, des äußeren Drucks und der Ver­achtung gesellt werden, um dem Lehrer die Erde ganz zur Hölle zu machen, um ihn desto mehr aus den Himmel ver­trösten zu können? Doch der sogenannteVolksfreund" nimmt auch Aegcrniß daran, daß der Lehrer ein Weib, vielleicht gar ein hübsches Weib sich beilegt, daß er heirathet. Der gute Mann wird doch nicht neidisch sein, wie weiland Kain der Brudermörder! Sollte der Lehrer bei seinen vielen Lasten und Entbehrungen auch noch entbehren die reinen Freuden des Familienlebens? des Trostes, der Ermunterung, der nöthigen Pflege? Aber warum weiter hiervon reden. Der Blinde hat ja doch keinen Begriff von Farben. (Schluß folgt.)