größere Verantwortlichkeit, eine schwerere Aufgabe zu lösen. Lasset euch nicht irren durch daS Geschrei solch' eigensüchtiger Leute, die sich „Volksfreunde" nennen, die aber von jeher euere größten Feinde waren, die keiner Familie angehören, die ihr Vaterland nicht erkennen mögen in unserem schönen freien Deutschland, sondern in der Ferne, die den Himmel versprechen und dafür die Güter der Erde, die ihnen nicht gehören, gemächlich und schwelgend verzehren Ihre fetten Bäuche sind ja sprüchwörtlich geworden. Lasset euch nicht irren durch daS grundlose Geschrei, die Religion sei in Gefahr, die Lehrer hätten sich von Gott und von der Kirche loSge- sagt; cs ist dies eine arge Lüge, eine gräßliche Ner- läumdung. Religion ist daS Höchste, daS Heiligste, was die Lehrer bei ihrem Unterrichte zu erstreben bemüht sind, wenn auch nicht die Religion, welche der sogenannte „Volkssreund" zu haben scheint, die da Haß und Verachtung, Lug und Trug predigt — wahrlich, das ist keine Religion. Religion und Christenthum lehren Liebe, Sanstmuth, Verträglichkeit, Gerechtigkeit, Heiligkeit, das sind die Grundbedingungen des Wohls der menschlichen Gesellschaft für Zeit und Ewigkeit — das erkennen die Lehrer, das lehren sie; wer anders sagt, der lügt.
Doch um nochmals auf den Besoldungspnukt der Lehrer zurück zu kommen, sei cs erlaubt, einige Blicke in die Vorzeit zu thun, vielleicht läßt sich dadurch der Haß und das ängstliche Entgegenstreben der Geistlichkeit hinsichtlich der Besserstellung der Lehrer einiger Maßen erklären In den früheren Zeiten, als das Christenthum unter unseren heidnischen Vorvätern in Deutschland verbreitet wurde, waren die Priester zugleich auch d i e Lehrer des Volks, die Klöster besonders die Pflanzstätten der Bildung. Die Geistlichen also waren verpflichtet, den Unterricht in den Schulen mit zu besorgen, sie wurden dafür bezahlt durch die reichen Pfründen, welche ihnen fromme Seelen zur Ehre Gottes nach und nach stifteten. Reichthum aber verleitet allzuleicht zur Genußsucht, zur Gemächlichkeit. Der Schulunterricht ist jedoch weder ein sehr angenehmes noch ein leichtes Geschäft, besonders dann nicht angenehm, wenn er nicht mit Liebe, mit einem warmen kindlichen Herzen ertheilt wird. Natürlich war's daher, daß die reichen Pfründner sich, soviel sie vermochten, davon zu schrauben suchten, daß sie die schwere Arbeit um möglichst kärglichen Lohn ihren Küstern, ihren Knechten oder auch anderen Personen, welche sie dafür tauglich erachteten, oder welche sich dafür hergaben, zu übertragen suchten. Daher da- tirt sich die Abhängigkeit der Lehrer von den Geistlichen, daher die in der Regel allzugèringe Besoldung der Lehrer, die noch geringer sein würde, wenn nicht die Gemeinden den größten Theil derselben übernommen hätten; denn die Geistlichen mochten wohl der Arbeilcit überhoben sein, die Einkünfte aber suchten sie fest zu halten. Daher mag auch jetzt noch das hartnäckige Niederhalten der Lehrer von Seiten der Geistlichen rühren. Diese mögen wohl befürchten, daß das erwachte Volk, seine Rechte erkennend, einen Tbcil der fetten Pfarrbesolduugcu zu- rückziehen, und, seiner ersten Bestimmung gemäß, zur Besserstellung der Lehrer verwenden werde. Freilich würden dann die geistlichen Herren Zeter und Mordio! schreien und einen solchen Akt der Gerechtigkeit als Gottesraub bezeichnen und das Volk ebenso verdammen, wie von dem sogenannten „Volksfreunde" die Lehrer verdammt werden; aber das, was dazu dient, Religion, Tugend und Sittlichkeit zu verbreiten, das Reich Gottes^ das da inwendig in dem Menschen ist, zu vergrößern, daS ist gewiß kein Gottesraub und sollten es alle Pfaffen dafür auSschreien. (Forts, folgt.)
Deutsch la n -.
Karlsruhe. Welcker sprach am 2. Mai in der Kammer der Abgeordneten folgende merkwürdige Worte über die Zustände und ungerechten Vorurtheile, welche auS der Rebellion Hecker'S und Struve'ö im übrigen
Deutschland gegen Baden abgeleitet werden. „Noch vor wenig Tagen würde er für die Berathung deS Gesetzes in abgekürzter Forni gestimmt und vielleicht vor- gefchlagen haben, die Waffen der Regierung noch zu verstärken. Zum Glücke sei dies jetzt nicht mehr nöthig. Die Bewegung sei im Wesentlichen überwunden, und er fühle daS Bedürfniß, jetzt entschieden im Interesse der Freiheit und Ehre des badischen Volkes seine Stimme zu erheben. Im Auslande sei man nur zu geneigt, Be- schuldignngcn gegen Baden zu schleudern, die Ehre und den wohlerworbenen Ruhm dcS Landes als zerstört an- znsehcn. Getrübt allerdings müssen diese hohen Güter erscheinen, aber in unserer Lage wäre cö Andern nicht besser gegangen. An einer Grenze von mehr als 100 Stunden Länge ist Baden den unmittelbarsten Einwirkungen der Erregtheit in zwei revolntionirtcn Republiken ausgesetzt. Alle deutschen Länder haben zu dem Aufruhr in Baden ihre Kontingente gestellt. Preußen, Würtemberger, Sachsen, Holsteiner, Baiern u. A. befinden sich unter den Führern nnd Aufwieglern der verrätherischen Unternehmung gegen das Vaterland, deren Theilnehmer selbst den Franzosen so verächtlich geworden, daß sie sich für Polen ausgeben mußten, um in Frankreich nicht mißhandelt zu werden. Die Fortschritte der Verführung sind eine Folge des früheren Unterdrückungs- zustandes, auf die Regierungen und ihre Beamten fällt ein großer Theil der Schuld. Es hat sich ein Mangel an politischer Einsicht gezeigt, vor dem man erschrecken konnte. Die Bethörten Haschen nach einer Form und einem Worte, jetzt, wo Deutschland im Begriff steht, die herrliche Freiheit zu erringen und zu befestigen. Es ist ein Unsinn, jetzt von Republik zu reden» in einem Augenblicke, wo sie am Wenigsten möglich ist, wo der in ihrem Namen erhobene Aufruhr unsere kostbarsten Errungenschaften gefährdet. Ihre angeblichen Anhänger haben sich feig bewiesen in Vertheidigung derselben, sie haben das Volk belogen und selbst zum Meuchelmord gegriffen. Ebenso hat sich vielfach Feigheit gezeigt in der Vertheidigung der Ordnung. Das sind betrübende Erscheinungen, aber dennoch ist der Kern deS AolkeS gut und kein anderes deutsches Volk hätte es in unserer Lage besser gemacht. Bereits ist im Lande der bessere Sinn erwacht und kömmt zu Kräften Mehr noch als für die Ehre und den Ruhm spricht der Redner im Interesse der Freiheit. Er besorgt, daß viele Bürger durch die erlebten Gräuel der Anarchie zu einer Erkältung gegen die Freiheit geführt, der Reaktion in die Arme fallen, der einzige Weg, auf welchem eine Reaktion möglich wäre, sowie auch, daß Beamte, welche mit bewaffneten Verbrechern feig gebuhlt, sich jetzt wieder reaktionären Verfolgungen hingeben könnten. Gegen solche Früchte deS Aufruhrs muß man auf der Hut fein, aber die Kraft des Gesetzes darf nicht gelähmt werden." lD.Z.)
Karlsruhe, 2. Mai. In Folge der Ergebnisse, welche die Disziplinaruntersuchung gegen Peter geliefert, hat das Ministerium ihn nun vor Gericht gestellt.
Mannheim, 2. Mai. Die Untersuchung gegen die hiesigen Anarchisten leitet, wie man vernimmt, ans weit verzweigte Plane, daher denn auch täglich weitere Verhaftungen vorgenommen werden. ES bestätigt sich, daß schon am Morgen des Tages, an dem man hier die Sturmglocke zog, reitende Boten auf das Land entsendet waren, um die Bauern herein zu holen. Da man aber nicht lange vorher die sogenannten fremden Arbeiter hier verjagt hatte, so war in der Umgegend auch alle Begeisterung für daS herbeizuführende Paradies verschwunden. Bei dem Redakteur der Abendzeitung , I. P. Grohe, soll sich ein sehr wichtiger Briefwechsel vorgesunden haben, wie denn überhaupt Mann- Heini der Hauptsitz der Verschwörung war, von wo die Fäden einestheils nach Mainz, Frankfurt, Hanau und Köln, anderntheils nach Straßburg und Paris reichten. O hätten wir doch nicht diese Schmach erlebt! Der schlechteste Franzose wäre nicht schlecht genug, um sich mit dem Auslande gegen sein Vaterland zu verschwören.