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No. 48.
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Der Volkssreuud.
Sobald wir Deutschen eine Nation ftnb', sind wir die erste.
S e u in e.
Wiesbaden. Freitag, den 5. Mai 1848.
sl Vermittlung in den politischen Meinungen.
In unserer Hauptstadt haben sich bis jetzt zwei politische Glaubensbekenntnisse gebildet, — das monarchisch-konstitutionelle und das rein republikanische. Die letztere Form der Staatseinrichtung, als durch die Mehrheit überstimmt, ist nun Gegenstand vielfältigen Hasses gegen ihre Bekenner geworden; fragen wir warum? so läßt sich weiter darauf nichts antworten, als ungefähr dies: „die Männer halten eine andere Staatseinrichtung für besser, als die monarchisch Gesinnten." Deßwegen also sollen wir uns einander hassen!
Wäre cs uns vergönnt, die Erlebnisse der Andersgläubigen genau in Betracht ziehen zu können, so würde es an Fällen gewiß nicht fehlen, wo persönliche Unterdrückung die Bitterkeit und das Mißtrauen gegen daS monarchische Prinzip hervorgerufen hat. Widerwärtige Verhältnisse, welche den Menschen oft durch das ganze Leben begleiten, tragen nicht minder einen großen Theil der Schuld, weßhalb man an dem Besserwerden verzweifelt, besonders wenn man sich die Möglichkeit denkt, das Alte, Verhaßte könnte wieder mit allen seinen Qualen Hereinbrechen.
Bei dem Lichte der jungen Freiheit haben wir nur die Reaktionspartei zu bekämpfen. Männer, welche weiter gingen als wir auf dem Wege des Fortschritts sind nicht zu fürchten für die gute Sache. Mit Vertrauen -vollen wir daher den Andersgläubigen die Bruderhand reichen und ihnen sagen, daß politische Meinungen uns nicht ferner mehr entzweien sollen. — Die Zeit ist glücklicherweise vorüber, wo politische Horcher und Zuträger Dank oder Beförderung zu hoffen hatten, aber Unglück und Verderben über einzelne Familien brachten.
Wir lasen dieser Tage eine Rechtfertigung von Georg Böhning und wollen uns freuen, wenn dem so ist, wie der Mann sagt. Böhning ist schon früher zum Märtyrer seiner Gesinnung geworden, er war der erste Commandant der Wehrmänner in der Hauptstadt. Ist er später mit seinen Anforderungen zu weit gegangen, so sehen wir nicht ein, warum er angefeindet und das Verdienstliche, welches er um die gute Sache hat, mit einemhin vergessen sein soll.
Wenn sich ferner jüngere, besonders wissenschaftlich gebildete Leute Hoffnungen hingaben, welche für unsere politische Bildung vorläufig zu weitreichend sind; so können wir in derselben nur gesinnungsvolle Männer erblicken, welche daö Wohl deö Vaterlandes in der freiesten Form erkennen. Wir freuen uns, wenn unsere Jugend begeistert ist für das einige, große Deutschland, für die Freiheit und das Glück der Völker und sind weit davon entfernt hierin gefährliche Umtriebe gegen die sogenannte alte Ordnung zu sehen. Die Männer, welche eine Republik gewünscht hatten, waren von der
Nothwendigkeit eben so durchdrungen wie wir, daß Ordnung in der Freiheit sein müsse und daß Kommunismus ein Hirngespinnst sei.
Einige Bemerkungen
zu der Flugschrift: „Antwort auf die von einigen Elementarlehrern des Herzog- thums Nassau gestellte Frage: ob die Schule von der Kirche zu trennen sei? von einem Volks freunde." (Fortsetzung.)
Die Lehrer forbern endlich:-
„Lossagung von aller durch Jahrhunderte geheiligten Ordnung und Gesetzmäßigkeit."
Aus dem bereits Gesagten geht wohl hinlänglich hervor, waS hierunter zu verstehen sei. In dem „Vorschlag" stehen diese Worte nicht, .sie sind also untergeschoben. Frei wollen die Lehrer sein von jeder Unordnung, von jeder willkührlichen Gesetzlosigkeit, wie sie bis jetzt nur zu ost bestanden hat. Daß sie Jahrhunderte lang bestanden, das ist gewiß sehr zu bedauern; aber Jahrhunderte können ein Unrecht nicht heiligen, denn hundert Jahre Unrecht, sind keine Stunde Recht. Erkennt ja doch die Kirche in anderen Sachen auch kein Verjährungsrecht an.
Doch der „Volksfreund" belehrt uns weiter:
„Dagegen wollen sie (die Lehrer) sein — Staats« diener — Präsidenten des Schulvorstands — Schulin« spektoren — und vom Staate besoldet. Männer mit einem Gehalte von 300—800 Gulden jährlich, nebst freier Wohnung; Garten, Holz, Ländereien für zwei Kühe — und allerlei Nebensportelu, die nicht angeführt, weil bereu Namen gehässig."
Steht letzteres auch in dem Vorschlag? oder ist es nicht billig und recht, daß der Lehrer, welcher täglich 6 Stunden lang in dem Gestank und Staub der Schule sich abmühen muß, so besoldet werde, daß er den Zeit- und O r t s v c r h ä l t n i ss e n gemäß — wie die Forderung lautet — mit Familie anständig leben könne? Würde dadurch die Schule nicht bedeutend gewinnen, mehr gewinnen, als durch alle Beaufsichtigung von Seiten der Geistlichen? Nur derjenige Lehrer kann segensreich wirken, der freudig zu wirken vermag; freudig kann es aber nur der fein, welcher möglichst frei von Sorgen und Lasten, von Furcht und Kummer, von Druck und Drang lebet; daS größte Uebel in der menschlichen Gesellschaft aber sind die Schulden. Also, Mitbürger! gebet euren Lehrern so viel, daß sie an staubig leben können, sie werden's euch reichlich vergelten. Achtet eure Kinder höher, als Schaft und Schweine, ihren Lehrer mehr, als den Hirten,*) er hat
*) ES sind uns Ortschaften bekannt, in welchen der Hirt bis jetzt einen größeren Lohn bekommt, als der Lehrer. D. Bers.