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Der Volksfnuâ

Sobald wir Deutschen eine Nation sind, sind wir die e r st c.

Seu m e.

Wiesbaden. '

Donnerstag, den 4. Mai

1848.

Einige Bemerkungen

zu der Flugschrift:Antwort auf die von einigen Ele in entartehrern deS Herzog- t h u in ö Nassau g e st e l l t e Frage: ob die Schule von der Kirche zu trennen sei? von einem Volks freu ndc." (Fortsetzung.)

Doch die Lehrer fordern auch:

Lossagung von d e r K i r ch e und Religion überhaupt die sie lange verleugnet und verrathen"; so sagt der ehrenwerthe Volksfreund weiter, und lügt dadurch abermals auf eine infame Weise in seinen Hals hinein. In dem ganzenVor­schlag ic. re." kommt das Wort Kirche nicht einmal vor, wie kann eine Lossagung von ihr darin enthalten sein? Und wie kann Bildung bestehen ohne Religion?

Jebrer ehren un-Echten ihre Kirche, sie halten heilig ihre Religion, wenn sie auch oft gedrungen und gezwungen werden, die Diener der Kirche, die Lehrer der Religion wegen ihrer Anmaßung, ihres Stolzes, mit­unter auch ihrer Unwissenheit ic. zu verachten. Von der Kirche und Religion überhaupt wollen die Lehrer nicht erlöst sein, wohl aber von dem Joche, welches herrsch- sächtige Geistliche ihnen auf den Nacken gelegt um sie zu knechten und zu knuten; sic wollen dieses nicht sowohl auS eigenem Interesse, sondern vielmehr zum Vortheil der Schulen selbst, die bis jetzt nicht gehörig gedeihen, nicht segensreiche Früchte bringen konnten, weil ihnen der Strahl der Freiheit verwehrt war, weil der Feind noch allzu oft Unkraut unter den Warzen streute. Denn wie konnte ein Lehrer segensreich wirken, gegen den der geistliche Herr auf alle mögliche Weise seine Geringschätzung, seine Verachtung an den Tag legte? Und gerade diejenigen Lehrer, welche die meiste Kraft besaßen, wurden am strengsten gezügelt; bei ihnen mußte dafür gesorgt werden, daß sie dein geistlichen Herrn nicht über den Kops wuchsen. Selten wurde auch der brave Lehrer je von seinem Geistlichen geschätzt oder gar geliebt? Sind doch selbst jetzt noch Schulinspcktoren, also Leute, welche berufen und verpflichtet sind, die Lehrer zu schützen und zu schirmen, bemüht, Schand- schriflen gegen die Lehrer unter dem Volke zu verbrei­ten. Herr Schulinspektor, Pfarrer Petmecky zu Hatters­heim, kann hier als Musterbeispiel gelten. Gesegnet sei jolcheö Bemühen ad majorem gloriam dei! cs zeugt von Religion und Christenthum!Die Lehrer hätten Kirche und Religion schon lange verleugnet und ver­rathen" wir werfen diese Beschuldigung zurück auf denjenigen, von dem sic ausgegangen; denn wer so schamlos niederträchtig in den Tag hinein zu lästern vermag, her, hat wahrlich keine Religion, den kann keine Kirche als ihr Mitglied anerkennen wollen, dem würde selbst ein Muhamedaner voll Verachtung in das Ange­

sicht speien.DaS ist aber ihre Stunde und die Macht der Finsterniß." Um dem Volk Sand in die Augen zu streuen, um eS irre zu führen auf der kaum betrete­nen Bahn, ruft man ihm zu, die Religion sei in Ge­fahr. O die Wölfe in Schafskleidern! sie werden er­kannt und heimgesucht werden, wann die Zeit kommt, heimzusuchen.Wehe euch Schriftgelehrten und Phari­säer!" rüst der Heiland vor 1800 Jahren Leuten zu, die jetzt noch mit eben solchen Gesinnungen, wenn auch unter andern Namen, eristiren. Sie sind keine Freunde deS Volks, sie waren cs nie, sie wollen, sie befördern fein Bestes nicht!

Die Lehrer fordern ferner:

Loösagung von jeglicher Autorität und Aufsicht, die sie nicht selbst sich bestimmt."

Auch dieser Satz ist von dem sogenannten Volks­freunde auf eine Weise verdreht worden, wie er in dem Vorschlag" weder dem Worte, noch dem Sinne nach enthalten ist. Nach diesem verlangen sie Beaufsichtigung durch eine pädagogisch gebildete Central-Be­hörde, durch einen vom Staate, auS sechs von den Lehrern vorgeschlagenen Kandidaten gewählten Schulin­spektor, der Lehrer sein muß, und durch einen aus Lehrern und Gemeindegliedern zusammengesetzten Schulvorstand. Wir fragen: ist dieses nicht Aufsicht genug? Freilich fehlt ihr die geistliche Autorität und das ist eine Sünde gegen den heiligen Geist. Wir haben aber bereits früher schon angedeutet, daß die geistlichen Herren die Schulen nicht in Flor gebracht haben, obschon sie die Aufsicht über dieselben zu führen berufen waren. Wir sehen da­her durchaus nicht ein, warum man ein Amt, daS bis­her offenbar schlecht verwaltet wurde gleichviel, ob aus Mangel an Kraft oder an gutem Willen warum man ein solches Amt nicht einem andern übertragen solle, bei dem man wenigstens die Kraft vorauSsetzen muß, bei dein man keinen Grund hat, an dem guten Willen zu zweifeln. Wir sehen durchaus nicht ein, daß eS Seitens der Lehrer toller Muth sei, Präsident deS Schulvorstands werden zu wollen. Ist ja doch auch der geistliche Herr, Präsident des Kirchcnvorstandö, oder findet hier vielleicht keine Aehnlichkeit der Verhältnisse Statt?

Doch um die geistige und moralische Tüchtigkeit deö sogenanntenVolksfreundes" gehörig iu's Licht zu setzen, erlauben wir uns hier noch eine seiner Kraftstellen wörtlich anzuführen, sie steht Seite 10 seines Mach­werks und lautet also:

Herrlicher Schulvorstaud! erhabenes Präsidium! Welche Lust für einen solchen Schullehrer, wenn er mit Hilfe einiger gutmüthigen Bürger sich eine Gehaltszulage oder Gratifikation beantragen, die Schule nach Wunsch aussctzcn, die Lehrstunden vermindern, Ferien bewilligen,