4 Uhr. Als der durch seine Menschenfreundlichkeit und Langmuth allgemein beliebte Oberkommandant, Graf Castiglione, an der Spitze der Generale das Volk mit väterlichen Worten zur Ruhe mahnte, erhielt er von Fenstern ans 3 Schüsse inS Gesicht; in diesem Augenblicke übernahm General Moltke das Kommando und ließ feuern. DaS Blutbad war fürchterlich, die Stadt ward 3 Stunden lang beschossen, bis Parlamentäre kamen und um Gnade baten. Die Stadt kapitulüte nun, die Insurgenten und polnischen Emigranten, deren größere Zahl am Platze geblieben, streckten die Waffen und flohen aus der Stadt. Das Leben deS Grafen Castiglione soll nicht gefährtct sein. Das Militär hat 10 Todte und 40 Verwundete. Jetzt ist vollkommen Ruhe.
CK A. Z.)
Dänemark.
Kopenhagen. Der dänische Kammerherr von Orholm, der von Dänemark nach St. Petersburg gesandt worden war, um Rußland um seinen Beistand anzusprechen, hat einem Privatbriefe aus St. Petersburg zufolge die kathegorische Antwort erhalten, daß Rußland sich durchaus nicht in diese Angelegenheit entmischen werde.
Frankreich.
Straßburg, 30. April. Durch ministerielle Entschließung ist den dahier eingetroffenen politischen Flüchtlingen der Aufenthalt in den an Deutschland gränzengen Departements untersagt. Es sind ihnen mehre Departements, wie das des Jura, der Ardennen, deS DoubS und der Oberfaone als Aufenthalt angewiesen. Sie erhalten Pässe und Reiseunterstützung.
Italien.
Mailand, 26. April. Udine ist von den österr. Truppen, wie cs scheint, mit gegenseitig großen Opfern genommen; Palmanuova wurde blokirt; es werden nun wenige Hindernisse mehr fein, bis nach Verona vorzudringen, um sich mit Radetzky zu vereinigen, und dann muß eine Schlacht erfolgen Bedenkt man indessen, daß bloße Freischaaren im Tirol und Friaul den Oesterreichern viel zu thun gaben, so kann man annehmen, daß ein Kampf mit dem ganzen piemontesischen Heere sehr ernsthaft werden wird Die provisorische Regierung ruft unterm 25. d. die Bewohner der Landschaften um Verona auf, als Landsturm aufzubrechen, indem nächster Tage bei Verona die entscheidende Schlacht werde geliefert werden. In allen Dörfern soll die Sturmglocke erschallen; die Bauern sollen Heugabeln, Sensen zc. ergreifen, die Geistlichen sich an ihre Spitze stellen rc.
England.
London, 27. April. Die Chartisten bringen eS doch allmählig zu Widersetzlichkeiten nnd Thätlichkeiten, namentlich in Schottland. Unter andern hielten die Chartisten am 22, 7—800 Mann stark, in Greenock einen Umzug, gegen welchen die Polizei einzuichreiten Miene machte' Die Chartisten griffen die Cvnstabler herzhaft an, diese ließen ihre Stöcke etwas unsanft auf die Köpfe der Chartisten niederfallen, und eö setzte mehrere schwere Verwundungen.
Wiesbaden, 2 Mai Regierungsrath v Bismark und Assessor v. Lemberg sind aus dem Staatsdienst entlasten worden.
— Der hiesige Stadtvorstand fordert in Gemäßheit der Verordnung vom 11. März d. I. alle hiesigen zum Wehrdienst verpflichteten Bewohner auf, sich vom 3. bis zum 11. Mai, Morgens von 8—12 Uhr, auf hiesigem Rathhaussaale persönlich zur Einzeichnung in die Stammlisten einzufinden. Dienstpflichtig als Wehrmann ist nach der erwähnten Verordnung jeder waffenfähige Nassauer vom vollendeten 16. bis zum zurückgelegten 54. Lebensjahre.
Mannheim, 1. Mai, Morgens 9 Uhr. Seit einer halben Stunde ist die hiesige Stadt in den Kriegs
zustand erklärt. Zu den nassauischen und kurhessischen Truppen, welche bereits hier liegen, rücken in diesem Augenblick noch einige Tausend Baiern ein. An allen Straßenecken rind öffentlichen Orten lieft man die großherzogliche Verordnung, unterzeichnet von Dusch, Ne- benius, Bekk, C. Hoffmann und Mathy. Die wesentlichen-Bestimmungen dieser Verordnung lauten: 1) Die Stadt Mannheim wird in den Kriegszustand erklärt; 2) Sämmtliche Bürger haben, da eine vorläufige Ausscheidung nicht möglich ist, innerhalb drei Stunden von der Bekanntmachung dieser Verordnung an gerechnet, ihre Waffen aller Art an den vom Militär- Kommando bestimmten Ort abzu liefern, bis der gesetzliche Zustand wieder hergestellt und gesichert sein wird. 3) Denjenigen, welche diese Waffen innerhalb dieser bestimmten Frist nicht abliefern, werden dieselben im Wege der Exekution abgenommen werden." — Von allen Seiten sieht man Gewehre, Sensen rc. abliefern. Ueb- rigcns ist die Stadl, obwohl bewegt, ganz ruhig.
Rendsburg, 28. April. Den Freischaaren ist officiell angezeigt worden, daß, wer wolle, sich nach Hause zu seinen friedlichen Beschäftigungen zurückbege- ben könne; was jetzt noch zu thun sei, werde mehr Sache des regulären Militärs sein, und für die Freischaaren nur noch etwa Vorpostendienst und die Bewachung aus- rührerischer Bauern übrig bleiben.
Dresden, 26. April. Gestern ist hier der Befehl zur Mobilmachung des sächsischen Bundeskontingents ergangen. Die Truppen sollen schon in künftiger Woche marschiren und sind vorerst nach Baiern nachzurücken bestimmt, da die dortigen Truppen theils nach Tirol, theils an den Rhein gehen.
Hamburg, 27. April. Heute sind endlich im Altonaer Hafen zwei dänische Schiffe mit Beschlag belegt worden, während man noch in voriger Woche in un- pastender Gutmülhigkeit ein solches von einem Dampfer inS Schlepptau nehmen und zum Hafen hinausbrin- gen ließ.
Berlin, 30. April. Die „Allg. Preuß. Ztg." ist auch heute nur auf einem halben Bogen erschiemèllT^Auch an den übrigen Blättern fehlt ein Theil der Beilagen. Das Polizeipräsidium macht bekannt, daß alle nicht einheimischen Buchdruckergehülfen , die nicht am 2. Mai wieder in Arbeit stehen, die Stadt verlassen müssen. — UebrigenS hofft man eine gütliche Ausgleichung.
Breslau, 27. April. Soeben treffen mit dem heute Morgen von Krakau abgegangenen Zuge 159 polnische Emigranten, von Krakau kommend hier ein. Sie melden, daß Castiglione, welcher, beiläufig gesagt, durch die Backen geschossen worden, erklärt habe: er würde Krakau in Grund und Boden schießen, wenn nicht 1) alle nicht ortsangehörigen Emigranten Krakau binnen drei Tagen verlassen hätten, und 2) alle Waffen abgeliefert würden. Die Oesterreicher zählen in Folge des gestrigen Kampfes 8 Offiziere und 56 Soldaten, die Krakusen schätzen ihren Verlust eben so hoch.
Erklärung des SicherheitScomite'S zu Wiesbaden,
die Lieferung von Gewehren betreffend.
Da uns wiederholt auS allen Landestheilen, dringende Forderungen um Gewehre zukommen mit dem jed-sma- ligen Bemeiken es seyen hier Lieferungen auS Lüttich angefommen, so erklären wir hiermit, daß diese Gerüchte grundlos und uns noch keine Nachnchten zugekommen sind, bis wann wir sie sicher erwarten dürfen. Wir verweisen daher auf unsre frühere öffentliche Mittheilung und werden ihr gemäß auf demselben Wege bekannt machen, wann Lieferungen angefommen sind mit dem Bemerken, daß alle brieflichen Anforderungen unbeantwortet bleiben werden. Wiesbaden, 2. Mai 1848.
Das SicherheitScomite.
Verantwortlicher Redacteur : L i p p e. — Druck der I. A. S t e i n'schen Buchdruckerei zu Wiesbaden.