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No. 46.
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Der Volksfreund.
Sobald wir Deutschen eine Nation sind, sind wir die e r st e.
Seume.
Wiesbaden.
Mittwoch, den 3. Mai
1848.
Einige Bemerkungen
u der Flugschrist: „Antwort auf die von inigen Elementarlehrern des Herzog- HumS Nassau gestellte Frage: ob die Schule von der Kirche zu trennen sei? von einem Volks freunde."
Unter obigem Titel sind wir in diesen Tagen mit iner Flugschrift, auf Kosten des Versassers, gesegnet worden, die wir ein wenig genauer beleuchten wollen. Wer der hochwürdige Verfasser derselben sein möge, simmert uns wenig, daß er aber kein Volks freund ei, wird sich von selbst ergeben. Ein in Nro. 33 der „Freien Zeitung" enthaltener „Vorschlag zu einer neuen Schulordnung für Volksschulen" hat den Mann so in Harnisch und Hitze gebracht, daß er, gleich dem Ritter er Mancha, glorreichen Andenkens, nicht unterlassen onnte, mit Windmühlen zu kämpfen.
„Hört Bürger"! — so ruft er in heiligem Eiser dem Volke zu. — „Hört Bürger! was die genannte „aufge- äärte" Schaar (soll heißen: die Lehrer) unter dem lügenhaft vorgehaltenen Schilde: neue Schulordnung für Volksschulen fordert:
„Lossagung von jeglichem Kirchenamte, das ihnen nicht über Verdienst bezahlt wird."
Es ist dieses die erste lügenhafte Entstellung, welche sich der sogenannte Volksfreund zu erlauben für gut sielt. In §. 8. des angeführten „Vorschlags" heißt es nun: mit Glöckner- und Küsterbienst werbe der Lehrer nicht behelligt. Er kann Kantor ?nd Organist sein. Von einer Bezahlung ober ar von einer Bezahlung über Verdienst ist da kein Wörtchen gesagt. Der hochwürbige Volksfreund mag sohl gewohnt sein, sich über V er bien st bezahlen a lassen, er mag darum auch bei den Lehrern ein glei- heS Gelüste voraussetzen; wir dürfen ihm jeboch die Versicherung geben, baß er hier in einem eilten Irrthum befangen ist. Meinte er es mit der Schule und ihren Lehrern gut, so würde er es gerne sehen, daß diese des lästigen und zeitraubenden Küsterdienstes entbunden würden. Niemand kann zwei Herren zu gleicher Zeit die- 'en. Der Küsterdienst aber fällt gar zu oft in die Schulzeit hinein, und durch ihn wird daher der Unterricht nicht selten unterbrochen und gestört. Kann dieses ein gewissenhafter Lehrer wünschen? kann es ein wahrer Volkssrennd wünschen? Ist der ein VolkS- freund, der dahin strebt, dem Volke sein höchstes Gut, seine geistige Bildung und Aufklärung zu verkümmern und zu verkürzen? — Höret Bürger! wenn ihr dieses glauben wolltet, dann freilich müßtet ihr auf der Stelle alle Lehrer zum Lande hinaus jagen, müßtet alle Bücher verbrennen, alle Buchdruckerpressen zerstören, die Papier
mühlen abreißen und eure Kinder gar nichts mehr lehren, als essen und arbeiten, wenn dieses möglich wäre — ich bürge euch dafür, ihr würdet alsdann gewiß noch mehr geschabt und geschunden werden, als ihr bisher geschabt und geschunden worden seid. Man würde euch bald genug zumuthcn Heu zu fressen, man würde euch solches als eine gesunde und nahrhafte Speise anpreisen. Nur durch Bildung unv Aufklärung unterscheidet sich der Mensch vom Thiere ; Bildung und Aufklärung setzen das Volk in den Stand, die Bedingungen seines Wohles zu erkennen und zu erringen; Bilvung und Aufklärung aber suchten bis jetzt die Lehrer zu verbreiten, sie wurden daran gehindert; sie wollen sie verbreiten in größerem Maße — sie werden noch daran gehindert, sie werden verdächtigt, verläumdet und angefeindet von der schwarzen Partei, die, gleich den Maulwürfen, das Licht scheut und sich rund unv glatt mästet in den dunkelen Gängen. Ich frage nochmals: Wer ist hier derBolks- frcund? Gewiß der Lehrer, der nicht Küster, nicht Pfaffenknecht sein mag. (Forts. folgt.)
Ein Zeugniß Karl Zeuners in Nordamerika, über die Nichtswürdigkeit des heimlichen deutschen Gerichts mitgetheilt von Wilhelm Schulz. (Schluß.)
So lautet das Zeugniß Karl Zeuner's, das in seiner Einfachheit und Mäßigung das Gepräge der lautersten Wahrheit trägt. Auch dieser edle, muthig auS- harrende Kämpfer für die Freiheit, war allen Mißhandlungen eines wahnsinnigen Trunkenbolds und der Tyrannei eines von der Stimme der deutschen Nation schon lange verworfenen Gesetzes preisgegeben Wer kann es dem grausam Gequälten verargen, wenn er jetzt noch, auf dem freien Boven Nordamerikas, von arglistig angesponnenen Ränken spricht, die ersonnen worden, damit ein Weidig um die mit tausend Opfern erworbene Liebe feine Mitbürger betrogen werde? Mag er gleich irren in seinem Argwohn, cs war doch schon empörend genug, jenes leichtfertige Spiel zu sehen, daS von Amtswegen mit dem Eide getrieben wurde. Und war es nicht der bezahlte Spion des Ministeriums, der zum Meineiv verführt hatte? Wie durften es heuchlerische Pharisäer unter solchen Verhältnissen noch wagen, ihre unreine Hand gegen einen Weidig und seine Unglückögenossen zu erheben?!
Die Erklärungen Zeuner's bestätigen eS von Neuem, daß Weidig streng hielt am Gesetze, daß er seinem Fürsten aufrichtig zugethan war. Erst der maßloseste Gei- steSzwang, erst jene unseligen Bundesbeschlüsse, welche die Verfassungen zum Spotte machten, hatten ihm und Tausenden, in welchen das Gefühl für die Ehre deS