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No. 43.

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Der VMsfrcuä

Sobald wir Deutschen eine Nation sind, sind wir die erste.

S e u m e.

Wiesbaden.

Samstag, den 29. April

1848.

t*t Die Deputirtenwahl von Wiesbaden.

Dem Vernehmen nach sind die Wahlmänner des zwölften Wahlbezirkes dahin übereingekommen, von ihren vier Deputirten zwei aus der Stadt, einen aus dem Amte Wiesbaden und einen aus dem Amte Hochheim zu wählen. Wir sehen hieraus, daß vier Deputirte für diesen Bezirk offenbar zu wenig und daß, da nach der verhältnißmäßigen Vertheilung die 41 Deputirten für das ganze Land, nur 4 auf den zwölften Wahlbezirk kommen konnten, die Zahl 41 im Ganzen viel zu gering gegriffen ist und wenigstens um ein Dritttheil höher hätte gegriffen werden sollen

Zu den zwei aus der Stadt zu wählenden Deputa­ten sollen die aus der früheren Kammer schon als ge- sinnungötüchtige Männer bekannten Franz Bertram und Dr. Zais ausersehen seyn. Wir sind überzeugt, daß di^âch^Echt -besser' ausfallen kann, denn beide Män­ner haben das in unseren Tagen allein untrügliche Zeugniß für sich, daß sie schon vor dem 4. März un­erschrocken und unverzagt auf die Abstellung der Män­gel unserer Staatsverwaltung und unseres Staatshans­haltes nicht nur hingewiesen, sondern auch hingcarbeitct haben.

Dieses Zeugniß gilt viel mehr als ein nach dem 4. März abgelegtes, durch nichts verbürgtes, poli­tisches Glaubensbckenntniß; ein solches jetzt erst ab­gelegtes Glaubenöbckcnntniß gilt uns in dem Munde eines Mannes gar nichts, welcher aus der Zeit vor dem 4. März keine Bürgschaft für die Lauterkeit und Aufrichtigkeit seiner Gesinnung auszuweisen vermag. Wem wir aber nur ein Paar Gulden in unseren Tagen anvertrauen sollen, dem verlangen wir eine Bürgschaft, eine Sicherheit und zwar eine gute ab, eine, welcher man auch trauen kann. Und wir sollten demjenigen, welchem wir unsere Vertretung in der Volkskammer anvertrauen, also uns selbst mit Allem, was uns heilig und theuer und was nicht mit allem Golde der Erde aufzuwie­gen i st, welchem wir die Wahrung, Verfechtung und Verbriefung unserer Menschen- und Staatsbürgerrechte anvertrauen, wir sollten diesem ein nach dem 4. März abgelegtes, durch nichts verbürgtes politisches Glaubens­bekenntniß als eine genügende Sicherheit ab­nehmen ?

_ Die Wahlmänner des zwölften Wahlbezirkes, welche die Wahlmänner der Hauptstadt des Landes, also den gebildetsten Theil des Landes in sich schließen, auf welche daher mit Recht die Blicke des ganzen Landes gerichtet sind, sollten so weit zurück seyn, jenen Satz nicht zu begreifen? Wir trauen ihnen eine solche Geistesarmuth, einen solchen Mangel an Einsicht, ein solches Verken­nen dessen, was sie vor dem und seit dem 4. März er­

lebt haben, nicht zu. Wir würden es für eine wahre Versündigung an jenen Wahlmännern halten, wollten wir ihnen so etwas von ferne zutrauen.

Wie entstehen jene Glaubensbekenntnisse, welche jetzt auf uns regnear? Es wird oft eins von dem andern abgeschrieben, oder eins aus mehreren an­deren zusammcnge stop pelt und von demjenigen, welcher durch Aufstellung desselben, diejenigen, von wel­chen er gerne gewählt seyn möchte, für sich zu gewin­nen sucht, mit einigen Sätzen ansgestattet, von welchen ein solcher politischer Erbschleicher wohl weiß, daß der Satz bei den zu Betrügenden v er sängt. Zu solchen Sätzen rechnen wir z. B. das Versprechen, daß es dahin kommen müsse, daß un­sere armen Westerwäldcr, gleich den reichen Bauern von Altenburg, Hannover u. s. w. silberne Knöpfe auf ihren Westen tragen müßten, oder das Versprechen, daß alle Zehnten a u f g e h o b e n w e r d c n müßten.

Jeder Unbefangene sieht auf den ersten Blick, daß solche Glaubensbekenntnisse zur Erreichung eines bestimm­ten selbstsüchtigen Zweckes gemacht, aber nicht, was sie doch sein sollen, wenn sie keine Lügengewebe und Trugbilder sind, das treue Abbild des Spiegels in der Bru st eines aufrichtigen Volksfreun- dcs sind. Das ist aber das Unglück, daß man einem auf das Herz aber nicht immer in das Herz sehen kann und gerade vor Denjenigen, welchen man nicht in das Herz sehen kann, hat man sich am meisten zu hüten, vor ihnen kann nicht genug gewarnt werden, und eines jeden ehrlichen Mannes Pflicht ist cs, die­jenigen in ihrem wahren Lichte zu zeigen, welche er in unseren Tagen (um d as Vo l k zu täuschen) mit politi­schen Glaubensbekenntnissen hervortreten sieht, von wel­chen, wie er überzeugt ist, nichts in ihrem Herzen ge­schrieben steht, welche nur das schlechte Mittel zu einem selbstsüchtigen Zweck sind, ganz nach dem Grundsätze der Jesuiten: Der Zweck heiligt die M i t t e l!

Die Erfüllung jener Pflicht der Ehrlichkeit führt unS zur Beleuchtung der weiteren Frage: Von wem gehen in unseren Tagen die meisten jener politischen Glaubens­bekenntnisse ans? Von wem? Von Staatsdienern und zwar nicht von solchen, welche jene Glanbcnsbekennt- nisse um dieser selbst willen aufstellen, welche dieselben ausstellen, nur um der Welt zu zeigen, waS sie glau­ben , ohne Rücksicht darauf, ob man sie wählt oder nicht. Nein, nur von solchen StgatSdicnern werden jene erst nach dem 4. März nach den vor­liegenden Umständen und Verhältnissen zusammengestop­pelten Glaubensbekenntnisse in die Welt hineinposaunt, welche gewählt sein wollen und zwar u m