Gang der Dinge einmal zugelassen habe, sich wohl oder übel darein füge, wie er überhaupt als Christ die jeweilige gesetzliche Obrigkeit, möge ihre Richtung sein, welche sie wolle, zu unterstützen habe.
Westpreußen. Die Festung Graudenz erhielt in den letzten Tagen ganze Wagen voll von polnischen Besitzern dortiger Gegend, die daselbst einstweilen aufbewahrt werden, bis dieselben ihre Ansprüche auf Westpreußen aufgeben. .Sic werden aufS Strengste behandelt, da sic wegen Staatsverrath angeklagt werden. Sobald alle eingezogen worden, wird die Ruhe gewiß hergestellt sein, da die Bauern nur preußisch sein wollen. Zwischen Schwez und Bromberg kam eS zu einem Gefecht zwischen Husaren und polnischen Insurgenten zu Pferde unter Anführung des Wissocki auf Palkowo und Ba- linöki auf Lippnitza. Drei Husaren wurden erschossen, 6 Andere schwer verwundet, von den Polen fielen 9 und 13 wurden verwundet, der ganze Trupp aber, mit Anführer und zwei Wagen Waffen, gefangen genommen. ' Die Festung Graudenz ist in Belagerungszustand erklärt.
Pvsen, 17. April. Das polnische National-Cen- tral-Comite hat nachstehenden Protest veröffentlicht:
Im Jahre 1846, alö gegen alle Verträge und zum Uebermaß aller dem polnischen Volke angethanen Ungerechtigkeiten der letzte Rest unserer freien Erde, Krakau, der Unabhängigkeit beraubt und Oesterreich cinver- kibt worden, sah daS polnische Volk in dieser That eine letzte Theilung deS Vaterlandes und forderte deren Urheber vor das Gericht Europa's und der Nachwelt. — Die Strafe folgte bald dem Verbrechen. Im gegenwärtigen Augenblicke, im Jahre 1848, im Jahre der Freiheit der Völker, gelangen an uns amtliche Nachrichten, daß eine neue Theilung Polens im Werke sey! Wahrlich, wir würden eö nicht glauben, wenn dies unS nicht von Amtswegen verkündet wäre. Unter dem sehr zweifelhaften Vorwande, daß in einem bedeutenden Theile der Kreise des Großher- zogthums Posen die deutsche Bevölkerung die polnische an Zahl überwiegt, gelang es den Beamten der Reaktion, Menschen, die die heiligsten Rechte übersehen, weder die Gegenwart, noch deren Forderungen begreifen und bloß um materielle Vortheile und Stellen besorgt sind, durch Hervorrufung einer künstlichen Agitation im Ramen der deutschen Nationalität von den höchsten Behörden das Versprechen zu erwirken, daß jene Kreise vom Großherzogthuin Posen abgetrennt und dem deutschen Bund einverlcibt werden sollen. Wir erklären hiermit feierlich, daß, sobald die Wiederherstellung Polens verwirklicht werden wird, das polnische Volk, getreu seiner ganzen Vergangenheit, den zweifelhaften Grenzdistrik- kn seines Landes die freie Wahl der Regierung und Nationalität, denen sie angehören wollen, lassen wird; — daß aber, so lange die Wiederherstellung Polens nicht erfolgt, wir jede willkürliche Abtrennung der Theile unseres Landes für eine neue Theilung Polens ansehen, vor den Völkern Europa ö gegen diese Gewaltthat Protest cinlegen, und die Urheber und Vollstrecker dieses Vorhabens dem gerechten und unzweifelhaften Gerichte der Gegenwart und der Nachwelt überliefern.
Posen, 18. April. Aus Warschau ist die wichtige Nachricht hier cingegangen, daß mit Genehmigung des Fürsten Statthalters eine Deputation einflußreicher Polen nach Petersburg abgegangen ist, um den Czar zu bitten, den Polen gewisse Zugeständnisse zu bewilligen und sich zum Herrn von ganz Polen zu machen. Diese Nachricht wird von hiesigen Polen als durchaus wahr verkündigt. Sie sagen, sie wollen sich jetzt dem Kaiser Nikolaus in die Arme werfen, um mit seinem Beistände ein panslavisches Reich zu gründen. (Fr. O.P.A.Z.)
Wiesbaden, 27. April. Verflossene Nacht gegen 12 Uhr wurde die biestae Bürgerwehr durch Alarm
zeichen unter die Waffen gerufen. Die Ursache war die eingetroffene Nachricht, daß die am Pulvermagazin stehende Wache von einem Uebersall bedroht sei und der Kommandant des Postens einen Schuß durch den Tzschako erhalten habe. Bei Ankunft der Bürgerwehr an dem bedrohten Ort, der etwa eine halbe Stunde von der Stadt am Saume des WaldeS liegt, war indessen von dem Feind keine Spur mehr zu sehen.
— In dem Wahlbezirk der Aemter Dillenburg, Herborn, Marienberg, Rennerod und Hacheirburg wurde Herr Prokurator Schenk von Dillenburg mit großer Mehrheit zum Abgeordneten in den deutschen Verfas- sungsrath oder die Nationalversammlung gewählt.
M a n n h e i m, 26. April, Nachmittags halb 4 Uhr. Die seit mehreren Tagen genährte Erbitterung zwischen dem hier liegenden nassauischen Regiment und den niedern Bürgerklasscn brach heute Morgen gegen 12 Uhr zu offene m Kampfe aus. Soweit ich Ihnen melden kann, sollen es die Nassauer gewesen sein, die durch ihr Benehmen die erste Veranlassung gegeben hätten. Die einzelnen in der Stadt vertheilten Soldaten sahen sich plötzlich von mehreren Proletarierhaufen attakirt, und einige von ihnen sind schlimm weggekommcn. Nur die schleunigste Flucht und das Dazwischentreten einzelner angesehener Bürger rettete mehreren von ihnen das Leben. Aber der Anlaß zum Kampfe war einmal gegeben und nachdem der Generalmarsch die Bürgerwehr unter die Waffen gerufen hatte, kam es an der Rheinbrück- zwischen dem dort aufgestellten nassauischen Wachtposten und den Bürgern zum blutigen Kampfe. Letz lere nämlich wollten, um den Zuzug von baierischen Truppen von Ludwigshafen her zu verhindern, die Schiffbrücke abführen. Dem widersetzten sich die nassauischen Soldaten, zogen sich später, als sie sich in Gefahr sahen, übermannt zu werden, auf das am andern Ende der Brücke ausgestellte baierische Piket und gaben Feuer.
Diesem Beispiele folgten alsbald die Baiern, bis endlich Parlamentäre von beiden Seiten in der Mitte der Brücke zusammentraten. Während diese noch unterhandelten, schwammen Mannheimer Seits mehrnv-Her Brückenkähne ruhig den Rhein hinunter und die Verbindung mit dem baierischen Gebiet ist sür's Erste unterbrochen. Nach Karlsruhe ist sofort eine Bürgerdeputation abgegangen, um von dort die Entfernung der nassauischen Truppen zu erlangen. — Bis heute Abend um 10 Uhr wird dieselbe mit der Ordre zum Ausmarsch zurückerwartet. Dies der wahre Hergang der Begebenheit, die zweifelsohne entstellt und übertrieben verbreitet werden wird. Was Sie hier lesen, "schreibt ein unparteiischer Augenzeuge, der mit Sorge der nächsten Zukunft entgegensieht. Gott bewahre uns vor dem Schicksal Freiburgs! (F. I.)
Hoffentlich stellen bald andere Nachrichten das Benehmen der nassauischen Truppen in ein besseres Licht, als obiger Bericht.
Rendsburg. Am 22. sind endlich die preußischen sowie die übrigen Bundcstruppen ausgerückt. Der Kampf begann unmittelbar hierauf, und am 23., Abend? 11 Uhr, schrieb schon der preußische Kavalleriegcneral von Wrangel folgende Depesche an die provisorische Re gierung aus seinem Hauptquartier Schleswig:
„Einer hohen Regierung theile ich die freudige Nachricht mit, daß nach mehrstündigem hartnäckigen Gefechte die Dänen zurückgeworfen worden und die Stadt Schleswig bis zum Gottorper Schloßdamm Nachmittags gegen 2 Uhr in unsere Hände gekommen. Nachher wurde mit dem linken Flügel der Angriff erneuert, wobei die Stâ Schleswig umgangen und bis zur Chaussee nach Flensburg vorgedrungen wurde. Um 7'A Uhr war das Gefecht beendet. In Folge der Umgehung ist das Schloß Gottorp von den Dänen geräumt worden."
Zwei Abtheilungen Dänen sammt einigen Dragonern sollen übcrgeganqen sein.
Verantwortlicher Redacteur : L i p p e. — Druck der I. A. S t e i n'schen Buchdruckerei zu Wiesbaden.