gegen zu wirken und die Vornahme der Wahlen zum constituirenden Parlament auf dem Wege der Verständigung zu erzielen. Nach erfolgter Mittheilung der neuesten Beschlüsse der badischen Regierung, Verkündigung deS KricgögcsetzcS im See- und Oberrhcinkreise u. s. w. beschloß der Ausschuß, eine Proclamation an daS Volk zu erlassen, in welcher zugleich seine vollständige Zustimmung zu den der Freiheit eben so sehr, wie der Ordnung förderlichen Maßregeln der badischen Regierung ausgesprochen werden soll. Zu gleicher Zeit wird unter Mittheilung der über die Ereignisse in Vaden eingelaufenen Berichte, die Bundesversammlung zur Beschleunigung deS Marsches der kurhessischen Truppen nach dem Badischen ersucht.
Frankfurt, 25. April. In der Nachmittagssitzung deS FuMigerauSschuffeS wurde eine Erklärung an die Bundesversammlung deS Inhalts beschlossen: 1) daß jedem zur Nationalversammlung gewählten Mitglied einer Ständeversammlung freistehen soll, beide Wahlen anzunehmen, oder die zur Nationalversammlung vorzuziehen; 2) daß während der Dauer der Nationalversammlung die einzelnen Landtage wo möglich auSgesetzt und nicht ohne die dringendsten Gründe einberufen werden mögen; 3) daß konstitutionelle Versammlungen in den einzelnen Bundesstaaten nicht einberufen werden mögen, ehe daS Verfassungswerk für ganz Deutschland vollendet ist.
Frankfurt, 26. April. In der gestrigen in der Reitbahn stattgehabten Versammlung von Männern, welche Jucho's Bewerbung für unsere Abgeordnetenstclle zur konstituirenden Nationalversammlung unterstützen werden und deren starke Anzahl dessen Wahl als gesichert voraMetzen läßt, kam die Sprache auf das Heraussor- dernde Manifest des Wiener CabinetS, welches jetzt die Runde durch die Zeitungen macht. So also versteht daS Wiener Cabinet die Nationalversammlung und ihre Beschlüsse, daß es denselben je nach Gutfinden zuzustimmen, oder ihren Vollzug zu verweigern gedenkt; daS also wäre deutsche Volkssouveränität nach österreichischen Ministerbegriffen ! Mit stürmischem Jubel, der kein Ende findet! wollte, wurde Jucho'S Ausspruch auf eine bezügliche Interpellation begrüßt, daß die konstituirende Nationalversammlung gegen ein Ministerium, welches Miene mache, ihren Beschüssen keine Folge zu geben, als ein aufrührerisches mit allen ihr zu Gebote stehenden Mitteln einschreiten, und dasselbe zum Gehorsam zwingen müsse! Mag das österreichische Cabinet diese Worte, welche in ganz Deutschland ein allgewaltiges Echo finden, wohl beherzigen; und mögen unsere österreichischen Brüder endlich einmal die gänzliche Entlassung eines Ministeriums durchsetzen, welches Oesterreichs Macht nach Außen zertrümmert hat und nun auch im Innern Deutschlands den Funken der Zwietracht zu entzünden droht! (F. I.)
Darmstadt, 23. April. Die Aussage eines Augenzeugen, der den Brüdern Gagerns, dem greifen Vater, die Einzelnheiten des TodeS ihres edeln Angehörigen berichtete, läßt keinen Zweifel mehr, daß ein schändlicherer Mord noch nie begangen worden. Ein Parlamentär der Hecker'schcn Schaar forderte den General zu einer Unterredung. Gagern, obschon von den Offizieren gewarnt, zu edel an Verrath zu glauben, trat vor, Hecker aus der anderen Seite; Gagern wollte im Laufe des Gesprächs Hecker nochmals bestimmen, dem Vergießen von Bürgerblut zu entsagen, ja er ergriff seine Hand, aber vergebens! Die Unterredung ward abgebrochen und ehe Gagern noch in den Reihen seiner Truppen zurück war, feuerte auf Kommando die Schaar des Hecker aus dem Wald, wo sie im Versteck lag. Und von denen, die eine bessere Zeit zu bringen vorgeben, war eine That geschehen, deren sich die rohesten Völker nicht schuldig machen. Deutschlands giftigster Feind konnte dem Vaterlande nicht eine tiefere Wunde schlagen. Und ein solcher Mann mußte gegen solche Menschen fallen! Wahrlich die Wege der Vorsehung sind räthselhaft und das Leben der Menschen ein Spiel in
ihrer verhüllten Hand. — Die deutsche Ztg. knüpft an vorstehenden Artikel folgende Bemerkung: Wir hätten einer so furchtbaren Anklage die Spalten nickt geöffnet, wenn sic nicht von dieser und andern achtbaren Seiten mit größter Bestimmtheit ausgesprochen würde, wenn nicht Augenzeugen damit überernstimmten , wenn nicht im Heere selbst diese Ueberzeugung die verbreitete wäre. Hecker hat zwar dieser Tage von Basel ans eine Erklärung erlassen, worin er behauptet, es sei zuerst von den Gruppen, dann von den Rebellen gefeuert worden; aber es wird diese Erklärung theils durch die schon mitgetheilten Berichte, theils durch die übereinstimmende Versicherung glaubwürdiger Männer widersprochen. Höchst wahrscheinlich werden wir in den nächsten Tagen weitere Erklärungen darüber erhalten; daß dieselben erfolgen und kein Dunkel über der Katastrophe zurückbleiben möge, muß man im Interesse der Moralität dringend wünschen.
Heidelberg. Die deutsche Zeitung vom 27. enthält Folgendes: Wir haben gestern einen Brief mitgetheilt, worin der Tod Gagerns als ein Meuchelmord bezeichnet war; wir haben auf Ermittelung dieser furchtbaren Anklage gedrungen und werden fortfahren, die einzelnen Aufhellungen zusammenzustellen.
Ferner sind, wie wir aus guter Quelle vernehmen, mehrere Bürger, die Augenzeugen des Zusammenstoßes waren, bereit, zu bezeugen, daß Gagern durch meuchlerische Kugeln gefallen ist; es ist dringend nothwendig , daß dieß geschehe und das Ergebniß öffentlich bekannt gemacht werde. Wer der Bande, die hier in Frage kömmt, einen Meuchelmord nicht zutraut, dem theilen wir aus den jüngsten Tagen eine Thatsache mit, die genügen mag; von den heldenmüthigen Freischaaren, die aus Freiburg flohen, wurde, wie wir vom Bahnpersonal selber erfuhren, bei Zähringen auf den vorüberfahrenden Effenbahn- zug geschossen und ein Mann verwundet! So viel zur Moral der neuen Wellbegründer.
Wiesbaden. Aus dem Schreiben eines jungen Wiesbadeners vom 1. Bataillon des 2 Regiments ent- nehmen wir nachträglich noch folgende Einzelnheiten: „In Mannheim mußten wir am 22. uns in den Kleidern zur Ruhe begeben. Die Nacht verging indessen ohne Störung. Am 23., Mittags, als daS 1. Regiment ankam, kraten wir an und fuhren später auf der Bahn nach Heidelberg, wo wir unser zurückgelassenes Gepäck aufnahmen. Von hier ging es weiter während der Nacht durch. Bei unserer Durchkunft in Karlsruhe, NachtS um 2 Uhr, wurden wir mit Wein, Brod und Käse bewirthet und Morgens 6 Uhr trafen wir in Freiburg im Bahnhof ein, woselbst wir uns aufstellten. — Um 8 Uhr begann das Gefecht und dauerte bis Mittags 2 Uhr. — Bei unserm Bataillon haben wir nur Einen Todten aber viele Verwundete, unter welchen Lieutenant Eyring, an dessen Aufkommen man zweifelt. Von den badischen und hessischen Truppen sind viele geblieben. Ebenso von den Freischaaren; der Rest der letztem hat sich in das Gebirg geflüchtet. — Wir erwarten noch immer mehr Truppen, die vielleicht höchst nothwendig sein werden, da cs heißt, Herwegh sei mit einer Armee von deutschen Arbeitern und französischem Gesindel im Anmarsch auf Freiburg. Hecker und Struve waren nicht bei den Freischaaren um und in Freiburg, denen es überhaupt an einem Anführer zu fehlen schien. Von den Freischaaren wurden ungefähr hundert zu Gefangenen gemacht. Viele Freiburger Republikaner von den angesehenern Einwohnern wurden nach dem Einzug der Truppen in der Stadt verhaftet."
Ludwigsburg, 23. April. Der Schwäb. Merkur berichtet: Der Wahlkampf ist im vollem Gange; die Parteien stehen sich schroff gegenüber: auf der einen Seite Strauß, auf der andern Chr. Hoffmann vom Salon, in der Mitte steht.Fabrikant Weiglc. Hoffmann legte folgendes naives Glaubcnöbckcnntniß ab: daß wenn cs auf ihn angenommen wäre, wir die neu errungene Freiheit als für dieselbe nicht reif noch lange nicht bekommen hätten, daß er jetzt aber, nachdem Gott diesen