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Schließlich bitte ich Sic noch, mich wegen der Nach­lässigkeit bei meinem Schreiben zu entschuldigen, da der Urbcrbringer meines Briefes sehr schnell von hier ab- rcistc und die Zeit für mich zu kurz war, um einen besseren Brief zu schreiben, so wie eS die Achtung, welche ich für Sie hege, verlangte.

Hochachtungsvoll Karl Zeuner.

(Schluß folgt.)

Deutschland.

Vom Taunus, 26. April. In der gestern zu Kö­nigstein statt gehabten Wahl wurde der RcgierungS- direktor Hehner mit großer Stimmenmehrheit zum Ab­geordneten fürs deutsche Parlament von unserem Bezirk erwählt. Nach ihm hatte der Freiherr Mar v. Gagern, der den Nassauern ja schon längst bekannt ist, sonderba­rer Weise, die meisten Stimmen. Von gewissen Kreisen her war sehr für ihn gewirkt worden, ich hörte gar, daß seine Anhänger gesiegt haben würden, wenn sie nicht mitunter etwas zu plump zu Werke gegangen wären. Natürlich kann ich dieses nicht geradezu verbürge». Viel­leicht wird der Freiherr von frommen Seelen noch in ^-bie nassauische Ständekammer gewählt.

In Bezug auf die Männer für diese scheint man, trotz aller Vorschläge, aller Berathungen und Volksversamm­lungen noch nicht recht im Reinen zu sein. Ein Theil der Wahlmänner will tüchtige Juristen wählen, weil nur solche bei den nichtigen Rechts- und VerwaltungS- fragcn entscheidend antworten könnten. Allerdings sind hierbei Rechtsgelehrte nöthig und zwar tüchtige; aber werden sie im Stande sein, sich vor Einseitigkeiten zu bewahren? Gelehrte Theorie und spitzfindiger Wort­kram hat uns bis jetzt wenig weiter geführt. Die Zeit des Handelns ist gekommen, ein praktischer Verstand, ein gesundes Urtheil, Kenntniß des Volks und seiner Ver­hältnisse, das sind wesentliche Eigenschaften eines Abge­ordneten unseres Landes. Diese Kenntniß des Volks re. konnte aber bis jetzt weder auS Büchern, noch in der Amtsstube erworben werden; nur der, welcher unter und mit dem Volke lebte, konnte sich dieselbe verschaffen. Deßhalb wäre eS gewiß zweckmäßig, neben tüchtige Rechtsgelehrte auch Männer aus dem Gewerbe- und Bauernstande, Männer, welche gleichsam den Uebergang zwischen dem Bürger- und Gelehrtenstande bilden, na­mentlich Elementarlehrer, (man möge vor diesem Worte nicht erschrecken) in die Kammer zu wählen. Nur dann, wenn alle Stände vertreten sind, können die Gegenstände allseitig beleuchtet werden, und Mancher hat von seiner Frau Mutter geerbt, waS der Gelehrte für Geld sich nicht zu erwerben vermochte. L.

Wien. Hier haben sich zwei große Parteien gebil­det: die eine will vollkommen unbedingten Anschluß an Deutschland, sie verlangt, daß die österreichischen Abge­ordneten für einen deutschen Bundesstaat voti- ren. Die andere Partei vertritt die separatistische Ten­denz, sie fürchtet, daß Oesterreich in Deutschland auf­gehe, sie will vor Allem die Erhaltung der österreichi­schen Monarchie, und fordert von den Wahlkandidaten, daß sie gegen ein einiges Deutschland unter Einer Cen­tralgewalt, also für das bisherige Prinzip eines Staa- tcnbundes voitten. Welche von diesen Parteien die mächtigere ist, weiß bis heute Niemand. Selbst unter dem Kern der Bürgerschaft, unter dem gebildetsten Theile deS Publikums, herrscht über diese Frage die entschie­denste Spaltung. Am 21. d. fanden an mehr als zehn Orten öffentliche Berathungen über diese große Tages­frage statt. Wiens Beispiel wird wahrscheinlich ent­scheidend auf die Provinzen wirken. Neben den öffent­lichen mündlichen Diskussiouen ivird der Kampf durch zahllose Flugschriften und Plakate geführt. Die Wiener Zeitung, das einflußreichste Organ der Tagespreise, er­klärt sich gegen den Bundesstaat, und Frhr. v. Busch­mann veröffentlicht heute darin einen leidenschaftlichen Artikel in antideutschem Sinne.

Aus Tirol, 23, April. Die Angriffe auf unsre Gren­

zen dauern fort. Im Sulzberg und am Nonnsberg dringen die lombardischen Freischaaren immer weiter vor und verstärken sich durch Werbung unter den wälschen Bewohnern dieser Thäler. Sie bieten Jedem zwei Zwan zigcr täglichen Sold und ein Handgeld, verlockend ge nug für die armen Bauern und das zahlreiche Gesindel Schon sagte man, daß sic auf solche Weise 2 bis 30< Mann gewonnen haben und somit mehr als 600 zäh len. Ihnen entgegen stehen an der Rochetta 4 Kom pagnien reguläre Truppen mit 2 Geschützen und an de: Mendel die Schützen von Botzen und Kalter» in ziem lich schwacher Anzahl, die jedoch durch zugezogene 200 Sanner und Möltener verstärkt werden. Den Gampe hielt bis jetzt Hauptmann Peter von Sölder mit de Schützen von Lana besetzt. Ihm zu Hilfe zogen 2 Kom pagnien Passeirer und eine aus der Stadt Meran unter Dr. Anton Putz und von Luterotti. Diese mit den A- tenern und Laneneru wollen den Wälschen überUnser Frau im Wald" in den Rücken fallen und sie in bi Bajonette der Oesterreicher bei Deutschmetz treiben. Im Nonusberg hat der Landrichter von Cleö flüchten müs­sen, einer seiner Beamten, Martini, ritt den Freischaa­ren entgegen und hieß sie Namens ihrer Nonnsbergischen Brüder willkommen. Ain Wormserjoch halten 35 Sage und ein paar Schützenkompagnien Wache. Ein Beweis, wie es an Truppen mangelt, gab uns die Hilfsschaar, die durch Meran zog, etwa 120 Mann aller Waf­fengattungen , wahrhafte Musterreiter, und dennoch konnte man selbst diese in Trient nicht entbehren', bem schon am nächsten- Tage kehrten sie aus Vintschgau zu rück. Es fehlen und Nachrichten, ob nordtirolische Zuzug bald anlangt. Die Proklame der Erzherzoge un der als gänzlich rath- und thatlos sich erweisenden Schutz, deputation kommen täglich nach allen Orten hin, das Nothwendigste, Pulver und Waffen, wird immer nur versprochen. Der Unmuth wächst, je dringender die Gefahr und je besser der Wille wird. Selbst der Bo teuverkehr ist mangelhaft das Gericht Lana entsende vergeblich um Nachrichten nach Fondo Zwei Briefe liegen vor uhd aNS dem Etschlande : Mucha ENcd schlagfertig liebe deutsche Brüder, um und zu Hilfe zu eilen", der zweite wiederholt:Wendet alle Mittel an, auf den ersten Hilferuf ein Korps herbeiführen zu kön­nen. Viele, Viele schauen bereits nach Baiern und Schwaben, von wo sie allein sich Hilfe versprechen." Erzherzog Johanwwar vor zwei Tagen noch in Innsbruck. Er soll viele ernste , treffende Worte von patriotischen Männern hören müssen er erfährt nun, warum der Tiroler erst nach mißmuthigem Zögern zu den Stoffen greift. Die Noth des Vaterlandes thut jetzt Alles. Un­ser Volk ist zu tüchtig, um nicht zu rechter Stunde am rechten Platz zu stehen. Eins bemerken wir noch die meisten derer, die sich jetzt um die Sache Oesterreichs und Tirols eifrigst annehmen, sind Leute, die dem "alten Systeme niemals beipflichteten, die für die neue Ord­nung einsteheu. Die obgenannten Anführer gehören einem Mäuncrkreise in Meran an, der von geistlicher und welt­licher Polizei bis inö Absurde verfolgt war. ('D. Z.)

M ü n ch e u, 23. April. Von hier berichtet die Allg. Zeitung: Die Werbung für die Freischaaren nach Ty- rol hat einen schönen Erfolg gehabt, indem sich bereits über Zweihundert dazu gemeldet haben; die Führung soll dem Hauptmann Becker übertragen sein, welcher im Jahr 1809 in Tyrol als Tambour seine ersten Sporen verdiente; alö sein Adjutant wird der mit Tyrol nach allen Seiten hin aufs Genaueste bekannte Literat Dr. Leutner am Zuge theilnehmen. Die Freischaar wird sich mit den beiden mobilen Kompagnien des oberländer Freikorps in Miesbach und Tegernsee verbinden, und wahrscheinlich binnen Kurzem schon ausmarschiren.

Frankfurt, 25. April. Der FünfzigerauSschuß hat in seiner heutigen öffentlichen Vormittagssitzung die Ab­sendung einer Deputation von zwei Mitgliedern nach Böhmen beschlossen, um der von der ezechischen Partei betriebenen LoSreißung Böhmens von Deutschland ent-