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Asses Blatt erscheint, Montags aus- enommen, täglich, nnd kostet jährlich st. Bei allen Postämtern so wie i der Stein'schen Buchdruckerei zu Wiesbaden werden Bestellungen hierauf angenommen.

No, 42.

Anzeigen aller Art werben in diesem Blatte ausgenommen und kostet die Zeilers Petitschrift) 4 kr. Grö­ßere L>chrift wird nach dem Verhält­nisse des einzunebmenden Raumes berechnet.

Der Belksfreund.

Sobald wir Deutschen eine Nation sind, sind wir die erste.

Seume.

Wiesbaden. Freitag, den 28. April 1848.

Für Wiesbaden und die Umgegend, soweit der Volks fr e nnd" durch Boten befördert wird, werden jederzeit Bestellungen auf denselben bis zum 1. Juli d. I. zum verhältnißmâßigen Preise angenommen in der J. A. Stein'schen Buchdruckerei in der Mauergasse, sowie in der Schreibmaterialienhandluttg von G. PH. Lippe in der Goldgaffe.

Ein Zeugniß Karl Zeuners in Nordamerika, über die Nichtswürdigkeit des heimlichen deutschen Gerichts mitgetheilt von Wilhelm Schulz. (Forts.)

Nachdem meine Untersuchung schon geschlossen war, wurde ich von Herrn Criminalrichter Nöllner noch ein- mN vorgeladen und gefragt, ob ich den früher von mir verlangten Eid in Bezug auf den Wortstreit Kuhls mit dem Gensdarmen wirklich aus den von mir damals an­gegebenen Gründen verweigert habe, nämlich weil es gegen mein Gewissen sei, in einer so geringfügigen Sache einen Eid zu schwören? Ich bejahte diese Frage, worauf Nöllner mir sagte, nachdem er erst Einiges über die Grundsätze, welche Weidig über den politischen Eid verbreitet habe, bemerkt hatte, daß eS jetzt erwiesene Thatsache sei, daß 12 Personen von Butzbach, wovon er einige mit Namen nannte, sich verabredet hätten, vor­dem Landgericht zu Friedberg bestimmt auszusagen, Kuhl habe diese Worte nicht geäußert; und daß diese 12 Per­sonen ihre so gemachten Aussagen sämmtlich beschworen und sich hierdurch des Meineids schuldig gemacht hät­ten. Einige unter diesen 12 Personen seien seither in der politischen Untersuchung verhaftet worden, und hät­ten ihr Vergehen und die vorausgegangene Verabredung eingestanden. Sie seien jetzt von Gewissensbissen ge­foltert und alle anderen würden noch zur Verantwor­tung und Strafe gezogen werden, welche nicht geringer als 2 Jahr Zuchthaus sei. Dieses alles sei eine Folge der verderblichen Wirkung der Grundsätze, welche Wei­dig in Bezug auf den Eid unter den jungen Leuten zu Butzbach verbreitet habe. Diese Eröffnung machte einen sehr niederschlagenden Eindruck aus mich und ich erin­nere mich nicht mehr, was ich darauf erwiedert habe.

Ueber den Zusammenhang dieser Sachen habe ich Be­trachtungen eingestellt. Ich erwog die Thatsachen, daß Kuhl schon längere Zeit vor dem 3. April 1833 als Spion gedient und geheime Anz'eigcn gemacht; seinen unbegrenzten Haß, den er ost gegen Weidig an den Tag legte, von dem er sich beleidigt glaubte; die Umstände, daß nach dem Abgang Weidig's von Butzbach Kuhl be­sonders thätig war und unverantwortliche Grundsätze

und Ansichten über den Eid aussprach, wie sie niemals von Weidig im geringsten gebilligt worden sind, und die man nachher Weidig fälschlich zuschrieb. Ebenso kann ich aus dem Verhältnisse, in welchem Kuhl zu den des Meineids angeschuldigten Leuten stand, mit Sicherheit schließen, daß Kuhl von diesen, wie eS srü- her bei allen andern Sachen geschah, in seiner Eigen­schaft als Winkeladvokat zu Rathe gezogen worden ist; und daß er um ihre Verabredung ünd Vorhaben, so und so über den Zwist, den er mit dem Gensdarmen gehabt hatte, auszusagen, gewußt hat, namentlich da er selber der Gegenstand und Betheiligte in der Unter­suchung war, und daß er dieselben durch ein Wort von ihrem Vorhaben hätte abhalten können. Außerdem habe ich seitdem durch Erkundigung erfahren, daß Kuhl selbst der Anzeiger zu dem erwähnten zwölffachen Meineid ge­wesen ist. Hierzu kommen noch die Umstände in Er­wägung, daß dieser Streit Kuhl's mit dem Gensdarmen erst so ganz ungewöhnlich spät in Untersuchung gezogen und erst wieder ausgenommen wurde, nachdem ein Theil der dabei gegenwärtigen Personen, welche als Zeugen ausgefordert worden, schon in Verhaft waren, daher von den verabredeten Aussagen, wozu die übrigen, welche in Freiheit waren, durch Kuhl angereizt wurden, nichts wissen konnten; ferner die Wichtigkeit, mit der diese Sache verfolgt wurde, so wie, daß ich zuletzt noch in Erfahrung brachte, daß man diesen zwölffachen Meineid Weidig in die Schuhe schob, als eine der verderblichen Folgen von seinen über den politischen Eid verbreiteten Ansichten und Grundsätzen.

Dieses Alles zusammengestellt, hat mich zur Ueber­zeugung gebracht, daß diese ganze Sache eine von der Regierung, oder ihren Beamten gegen Weidig ange­sponnene Intrigue ist, wodurch seine Feinde sich bemüh­ten, seinen moralischen Charakter zu vernichten und ihm das Mitgefühl und die Achtung seiner Mitmenschen und des Volkes im Allgemeinen zu entziehen; sowie auch die Einsprüche des zur Milde gestimmten Großherzogs gegen die strenge und harte Behandlung der politischen Gefangenen zu beseitigen und hiedurch das Schicksal Weidig's und seiner Mitgefangenen gänzlich der Will- kühr seiner erbittertsten Privatfeinde preiszugeben.

Ich glaube, daß Sie und Jedermann nach Erwägung der oben angeführten Umstände und Thatsachen, welche zum größten Theile durch die Akten erwiesen werden können, zu dem nämlichen Schluffe wie ich kommen werden. Zweck und Absicht meines Schreibens ist kein anderer, als Sie persönlich mit obigen Eröffnungen als ein Beitrag zur Charakteristik des Criminalprozeffeö gegen Weidig, sowie zu derjenigen seiner Feinde, bekannt zu machen. Ob Sic davon Gebrauch machen werden über­lasse ich Ihrer eigenen Diskretion.