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Der Velkstttund.

Sobald wir Deutschen eine Nation sind, sind wir die erste.

Seumc.

Wiesbaden. Donnerstag, den 27. April 1848.

Ein Wort über Sie hiesige Spielbank.

Laut Vertrag ist, wie wir hören, Herr Chabert oder dessen Stellvertreter, Herr Kunz, ver­pflichtet, mit dem 1. Mai die Saison d. h. die Bank zu eröffnen. Herr Kunz war nun vor einigen Tagen hier und soll keine Lust gezeigt haben dies zu thu«. Es wurde ihm hieraus bedeutet, daß dies geschehen müsse, ansonsten man es als Kontraktbruch ansehe. Nach langem Hin- und Herdebattiren, wobei Herr- Kunz erklärt haben soll, er wolle erst abwarten, wie die Sachen sich in Frankreich und Frankfurt ge­stalten , würden, wurde ihm unbegreiflicherweise eine Frist bis zum 15. Mai gegeben. Also von den Ereig­nissen in Frankreich soll abhängen, ob die Herren kommen, oder nicht?! und unbekümmert um ihre Ver­pflichtungen, die sie hier zu erfüllen haben, wird cs it»««t^4»M»ar»deuLÜ. -

Wir fragen: Wäre es nicht endlich an der Zeit, da das Spiel hier einstweilen doch bestehen soll, daß die Stadt es übernehme? Würden sich die städtischen Finanz- angelegenheiten dadurch nicht ganz anders gestalten? Ferner fragen wir: Warum werden nicht durchweg hie­sige Bürger als Employés genommen? Manchem Fa­milienvater würde dadurch geholfen, und das Geld bliebe in der Stadt. So aber kommt ein Heer französischer Croupiers hier an, welche sich den-Sommer über auf alle erdenkliche Weise ciuschränken, um im Herbst den ungeheuern Sold, den sie beziehen in einer Baarsumme nach Frankreich zu schleppen, und den Winter über ge­mächlich, ja behaglich daselbst zu leben nach Frankreich, wo man den deutschen Arbeiter unsern Bruder hinausweist, ihn kein Meister in Arbeit nimmt, und ibn dadurch allein Mangel preis giebt, während der deutsche Michel ihre Söhne hier ernährt?!! Wir haben hier Leute genug, die fähig sind, das Ge­schäft an der Bank zn versehen, und wir glauben, daß es bei dem jetzigen Stocken aller Geschäfte Pflicht der Behörde wäre, hierauf Rücksicht zu nehmen.

Wir fordern insbesondere unser Sicherheitsko- mite, welches sich der bedrängten Bürger bisher mit lobenswerthem Eifer annahm, auf, das hier Gesagte zu beherzigen und dafür zu sorgen, daß durch die Besetzung der Stellen beim Spiel hiesige bevorzugt, und dadurch ün sicheres Brod erhalten, damit nicht manche Familie darben müsse, während Franzosen von dem hier Er­worbenen zu Hause schwelgen und der deutschen Geduld und Gntmüthigkeit ein Schnippchen schlagen.

Jemand, der cs mit Wiesbaden gut meint.

D e u t s ch l a n d.

** Wiesbaden, 23. April Das nassauische Volk, besonders aber der Lehrerstand, harrt mit Ungeduld auf

die Entfernung eines der schamlosesten und niederträch­tigsten unsrer Staatsdiener. Es wäre wirklich zu wün­schen, daß dieser Mann, der durch sein unverschämtes Auftreten den gerechten Unwillen des ganzen Landes gegen sich hervorgerufen hat *), endlich einmal seiner Stelle enthoben würde, die er weder seinen Kenntnissen, noch seinem Charakter, sondern lediglich der frühern nassauischen Frau Basenwirthschast zu verdanken hat.

Frankfurt, 22. April. Eine von einer Deputation des Volksraths in Hanau heute dem Fünfzigerausschuß übergebene Protestation gegen den Einmarsch knrhessischer Truppen in die Provinz Hanau veranlaßte diesen Mit­tag eine außerordentliche Ausschußsitzung. Die Hanauer wollen weder, daß die Truppen zum angeblichen Schutz der konstituirenden Versammlung, also möglicherweise zu einem Reaktionsversuch, noch zur Einmischung in die innern Augâgcicher1eu,LaI>ems verwendet werden. Sie machen den Ausschuß namentlich in ersterer Be­ziehung darauf aufmerksam, daß Kontrakte für die Ver­pflegung der Truppen während der Dauer der konsti­tuirenden Versammlung abgeschlossen worden seien. Die Debatte hierüber war sehr lebhaft. Blum, Venedey, Schusclka u. A. sprachen sich lebhaft gegen alle Auf­stellung von Truppen in der Nähe Frankfurts während der Dauer der konstituirenden Versammlung aus. Wenn man auch die Bajonette und Kartätschen "nicht fürchte, so dürfe man doch dem Volke gegenüber auch nicht ein­mal dem Anschein-einer Einschüchterung Raum geben. Der Bundestag habe durch die ohne die Zuziehung des Ausschusses eingeleitete Vertagung der Nationalversamm­lung und durch andere Maßregeln gerechten Anlaß zu Mißtrauen gegeben. Die konstituirende Versammlung bedürfe keines Schutzes durch Militär, sie werde durch die Bürger Frankfurts und nöthigenfalls durch daS ganze deutsche Volk geschützt werden. Spatz erklärte, man müsse auf Entfernung der Truppen dringen, und Falls sie nicht erfolge, die Jugend Deutschlands, die Turner, Studenten u. s. w. zum Schutz ausrufen. Von der andern Seite suchten Mathy, Wippermann u. A. den Gedanken an reaktionäre Maßregeln, sowie das Mißtrauen gegen Bund und Regierungen zu bekämpfen. Doch mußte Wippermann selbst zugeben, daß die Trup­pen in der Provinz Hanau durchaus unnöthig seien. Die Beschlüsse des Ausschusses gingen dahin: 1) den Hanauern für ihre patriotische Wachsamkeit gegen Reak­tionsversuche zu danken; 2) ihnen den Irrthum zu be, nehmen, als ob Verwendung deutscher Truppen aus Requisition des Bundes gegen Aufruhr im Innern und bewaffneten Zuzug von Außen ungesetzlich wäre; 3) den

*) Diesem Unwillen haben erst jüngst wieder die Bewohner von Hadamar und Weilburg durch Katzenmusiken, die sie ihm darbrachken, Luft gemacht.