erfüllen, will den kaum überwundenen Groll nicht ganz verschwinden lassen und entnervt die besten Entschlüsse. 3in Vintschgau, als Alles zum Zug nach dein Joche ausstand, rief man vergeblich „Waffen, Pulver, Blei!" Da verspricht Radetzky, er werde alle Waffenvorräthe von Mantua inö Land schicken — natürlich erst, wenn er selber wieder dorthin kann, um sie zu holen. Auch von unsern Kaiserjägern will er ein Bataillon wieder heimgebcn zum Landesschutz. (D. 3 )
Rendsburg. Der hannoversche Gencrallieutenant Halkett ist zum Oberbefehlshaber über sämmtliche in Schleswig-Holstein stehende Bundes truppen ernannt worden.
Rendsburg, 19. April. Die Kriegsruhe dauert fort, ist auch gestern nicht gestört worden; die vorgestern gemeldeten Gerüchte über Vorpostengefechte haben sich als falsch ausgewiesen. Gewiß ist aber, daß sich die Diplomatie nochmals unserer Angelegenheiten bemächtigt und die Sache in die Länge zu ziehen droht. DaS Resultat des gestrigen Tages ist kurz folgendes: Am Morgen war alles festgesetzt, um den Angriff heute zu beginnen. Die Stadt Schleswig sollte morgen in unsern Händen sein; der Kriegsplan war fertig, die Truppen zum Marsch bereit. Da kommen Mittags der Fürst Radziwill und der General Halkett an und Letzterer erklärt, er habe Befehl, sich so lange defensiv zu verhalten, bis der König von Preußen ausdrückliche Ordre zum Vorrücken ertheilt habe. Prinz Friedrich und General Bonin ereifern sich vergebens; es hilft nichts; Halkett bleibt unbeweglich. Es mußten also nochmals Kuriere nach Berlin und Hannover; zwei Tage werden wenigstens verloren und ob ein solcher Verlust in jetziger Zeit nicht wirklich ein unersetzlicher wird, wer vermag das vorher zu bestimmen. Unterdessen zehren jedenfalls die Dänen drüben, die Bundestruppen hüben am Mark des Landes. Die Stimmung ist hier, seitdem diese Ereignisse bekannt geworden, be- greisticherweise schlecht. Man ist erbittert, man verwünscht die verdammte deutsche Langsamkeit und Uneinigkeit, die uns so ost ins Verderben geführt hat, man spricht davon, daß eine deutsche Einheit und Einigkeit unmöglich, so lange noch 37 souveräne Herren in Deutschland regieren oder wenigstens hemmend eingreifen, wo der Volkswille „vorwärts" ruft. Es scheint aber, daß die deutschen Fürsten nicht daran denken, welche Gefahr ihnen und ihren ohnehin schwankenden und wankenden Thronen aus der Schleswig-Holsteinischen Sache erwachsen kann. Sie bleiben die Alten, wenn ihnen gleich das Messer an der Kehle sitzt. Es gibt wohl kaum ein wirksameres Mittel, als diese Schwäche und diesen Mangel an Energie der Fürsten, um dem Republikanismus auch im Norden Deutschlands immer mehr und mehr Anhänger zuzuführen. Jetzt soll wieder unterhandelt und vermittelt werden, während die Dänen sich des glücklichen Besitzstandes freuen und wenigstens für's Erste in's Fäustchen lachen! Wird der deutsche Bund ruhig zusehen, wenn die Ausführung seines Beschlusses vom 12. d. M., die sofortige Räumung deS Herzogthums Schleswig von den eingerückten dänischen Truppen zu erzwingen, durch unzeitige diplomatische Verhandlungen ausgehalten, sein ohnehin geschwächtes Ansehen von seinen eigenen Gliedern völlig untergraben wird?! (F. I.)
Hamburg. Das Comptoir der Hamburgischen Affe- curateure hat von seinem Agenten in Kopenhagen folgende, vom 19. April datirte Mittheilung erhalten: „Ich beeile mich, hiermit ergebenst anzuzeigen, daß laut Mittheilung des Ministeriums alle preußischen Schiffe im Hafen zurückgehalten werden, und daß die dänischen Schiffe beordert sind, alle preußischen Schisse aufzubringen. Die Neutralität von Hamburg und Lübeck wird nur dann respek- tirt, wenn diese beiden Städte nicht feindlich gegen Dänemark auftreten."
Wiesbaden, 25. April. Bei der heute in bei Stadtkirche stattgehabten Wahl zur koustituireudcn Ratio nalversammlung wurde von den Wahlmännern der Aem ter Eltville , Hochheim, Rüdesheim und Wiesbaden Her Präsident Hergenhahn mit 502 Stimmen gewäh! Die Zahl aller Stimmenden war 633.
Aus Baden. Am 22. bildete sich in Freibur- unter dem Vorwand einer bewaffneten Volksversamm hing eine Freischaar, welche öffentlich aussprach, Hecke zu Hülfe ziehen zu wollen. Die Stadt war gänzlici von Truppen entblößt. Diese Schaaren besetzten bi Wachen, bettelten und brandschatzten, nahmen die sü. ein Bataillon Hessen bestimmten Lebensmittel weg und verlangten endlich einquartirt zu werden, wozu sich der Gemeinderath auch bequemen mußte.
Die Stadt ist nun von 4—5000 Mann Truppen mit etwa 20 Kanonen umstellt. Die Freischaaren wi dersetzen sich dem Einrücken, haben Barrikaden errichte und drohen die obersten Beamten zu erschießen, wenn die Truppen das Einrücken erzwingen wollen. Genera Hoffmann, welcher an Gagern'S Stelle ernannt ist hat das Zutrauen, daß er die geeigneten Maaßregeln zu ergreifen wissen werde. ■****><*.
Das Mannheimer Journal vom 25. April enthäl folgende Erklärung:
„An die Bürger Mannheims. Wir sind nicht hier- hergekommen, um Bürgerblut zu vergießen, aber wir sind auch nicht hierher gekommen, uns molestiren oder gar feindlich angreifen zu lassen. Gestern Abend würd- vor der Kaserne einer unserer Kameraden mit einem Dolche angefallen. Es ist aber zum Glück keiner vor» uns beschädigt worden; wäre dies aber geschehen, so würde ein großes Unglück entstanden seyn. Wir bitten daher jeden braven Bürger, dies zu beherzigen. Die nassauischen Solvaten werden keinerlei Unbill geduldig ertragen. Ihr Wahlspruch ist: „Einer für Alle und Alle für Einen. Die nassauischen Soldaten,"
Oeffentliche Bekanntmachung: Die"5 Kom paguien des 1. Bataillons vom 1. Regiment sind am 23. Nachmittags 12 'L Uhr in Mannheim eingerückt DaS 1. Bataillon des 2. Regiments ist darauf Nachmittags 2‘h Uhr nach Offenburg abmarschirt.
Eine weitere Kompagnie des zweiten Regiments ist demselben nach Heidelberg gefolgt. Die Mannschaft des 1. Regiments, sowie die des 2. ist in den verschiedenen Kasernen zu Mannheim einquartirt. Die Artillerie liegt im dortigen Schloß.
Das Gerücht, als sraternisirten die Soldaten deS 2. Regiments mit dortigen Unruhestiftern, und hätten die ganze Nacht hindurch mit ihnen gezecht, entbehrt allen Grundes. Sämmtliche Mannschaft verläßt nach Zapfenstreich die Kasernen nicht mehr. Ein Soldat, Unkelbac. von der achten Kompagnie, stieß aufrührerisches Geschrei aus; seine eigenen Kameraden verlangten, daß er aus ihren Reihen entfernt werde, weil er gezeigt habe, daß ihm der Eid, welchen er zur Ausrechthaltung der Verfassung geleistet, und die Ehre des Regiments nicht mehr heilig sei. Er ist unter Eskorte an das hiesige Generalkommando abgeliefert worden.
So eben — Nachmittags 4 Uhr — läuft noch die Nachricht ein, daß das 1. Bataillon deS 2. Regiments die Freischaaren, welche Freiburg und die Höhen um die Stadt besetzt hatten, verjagt oder entwaffnet haben. Unsere Truppen haben dem Feind zwei Kanonen abgenommen, und den alten Ruf der Nassauer auf das beste bewährt. Die Einzelheiten deS Gefechts sind noch nicht bekannt; von unsern Truppen sollen jedoch nur wenige leicht verwundet sein.
Wiesbaden, 25. April 1848.
Herzoglich Nassauisches StaatSministerium.
Hergenhahn.
Verantwortlicher Redacteur: Lippe. — Druck der J. A. Stetn'schen Buchdruckerei zu Wiesbaden.