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-er von Basel zur weitern Kundgebung geschrieben, daß r von seinem Unternehmen abstche. Die Rebellen trau­en der Nachricht nicht und lachten darüber.

Soeben erfahren wir, daß die Verkündigung deö Knegsgesetzeö im See- und Oberrheinkreis beschlossen ist.

(D. 3 )

Karlsruhe. Das Ministerium des Innern macht bekannt:ES ist zur Anzeige gekommen, daß über die Ereignisse im Oberland mehrfach falsche Gerüchte ver­breitet werden. Personen, welche keine Scheu haben, vor den Gräueln eines Bürgerkriegs, und welche eS gerne sehen würden, wenn die vom SeekreiS auögezo- genen Aufrührer in ihrem frevelhaften Benehmen einen günstigen Erfolg hätten, bemühen sich böswillig, aller­lei Lügen auszustreuen, um das Publikum zu hinter- gehen, alS wenn die aufrührerische Sache günstig stünde, und man sich den Aufrührern, um sicherer zu gehen, anschließen müßte. DaS Publikum wird daher gewarnt, daß eS solchen Ausstreuungen keinen Glauben schenke. Man wird sich angelegen sein lassen, täglich die That­sachen, wie sie auö sichern Quellen anher gelangen, öf­fentlich bekannt zu machen."

Posen. Die Berichte auS einzelnen Theilen der Provinz Posen sind der traurigsten und unerwartetsten Art. Preußen wollte der, politischen Umgestaltung Po- senS die größtmöglichste Freiheit gewähren, ohne dabei die Obergewalt fahren zu lassen, so lange nicht auch der russische Theil von Polen wieder politisch frei und 'elbstständig da stünde und Preußen hat es mit bei­den Parteien verdorben. Dem polnischen Element hat die Regierung, nach Aussage der Polen, viel zu wenig Rechnung getragen, um das alte Unrecht der ge­waltsamen Theilung des Königreichs Polen gut zu ma­chen und nach den Klagen der deutschen Bewohner hat sie die deutschen Bestandtheile der Provinz nicht genugsam berücksichtigt oder vielmehr gänzlich vernach­lässigt ! Nach mehrfachen mißlungenen Versuchen will nun Preußen den polnischen Theil Posens sich in seiner Umgestaltung gänzlich selbst überlassen, und handelt eS sich jetzt nur darum, die richtige , Grenzlinie zu finden -wischen dem überwiegend deutschen und dem überwie­gend polnischen Theile von Posen. Die Feststellung die- er Grenzlinie wird aber kaum beide Parteien zufricden- sicllen. Die polnische Bevölkerung wünscht diese Grenz­linie möglichst ausgedehnt auf Kosten Deutsch­lands, die deutsche Bevölkerung wünscht ihr gleich­falls die größte Ausdehnung, jedoch zu Gunsten Deutschlands und der überall in Posen zerstreut wohnenden Deutschen.

Zu Gunsten Deutschlands sprechen übrigens noch die sehr zahlreichen Juden und selbst ein großer Theil der -olnischen Bauern, der um keinen Preis wieder das alte Regiment deS polnischen Adels aufrichten Helsen, zondern eher russisch werden würde, wenn er nur zwischen beiden Fällen die Wahl hätte. Die polnischen Edelleute haben durch Versprechungen aller Art zwar einen ziemlichen Theil der Bauern auf ihre Seite ge­bracht und mit Sensen bewaffnet (diese Sensenmänner erhielten anfänglich per Tag 36, dann 18, und jetzt 9 kr.!), sind aber nun selbst nicht im Stande, diese zügellosen Horden im Zaum zu halten. Dieselben sengen and brennen jetzt die Güter und Gehöfte ohne Rück- icht, ob polnisch oder deutsch; so soll das Gut des Obersten von Nigolewski, eines polnischen Edel­manns , ebenfalls von ihnen niedergebrannt worden sein. An die Stelle der Freiheit ist mit einem Worte die Anarchie, die größte Gesetz- und Zügellosigkeit ge- reten. Hier stehen Deutsche den Polen, Evangelische den Katholischen gegenüber, dort die Bauern ihren Her­en, die Sensenmänner den Soldaten!

Ihren sämmtlichen Greuelthaten haben aber diepolnischeii Bewaffneten am 15. April bei ihrem Abzug aus W re­schen, welches sie nach Uebereinkunft mit dem General Willisen räumen mußten, die Krone aufgesetzt. Mor­gens früh 5 Uhr, ehe die Banden Wreschen verließen,

drangen viele von ihnen in die jüdische Elementarschule, und die Zusammenstellung der darin verübten Greuel­thaten ist folgende: 1) Aron Abramczyk, Schuhmacher, ermordet. 2) David, Privatlchrer, im Gotteshause eines AugeS beraubt. 3) Dahlström, Apotheker, durch Flucht der Ermordung entgangen. 4) Cron er mit Frau und 4 Kindern tödtlich verwundet; 2 der Kinder nach­träglich ermordet, eine Tochter kaufte sich mit 6 Thlr. Iod" 5) Der Tochter des Abraham Cohn die Adern ausgeschnitten. 6) Jette Kantorowicz mit unsäglichen Gräueln ermordet, geschlachtet! (1 Ohr und die Nase, nach ihrer Schändung abgeschnittcn aus dem Munde eines Wrescheners.) Ein jüdischer Gutsbesitzer , der schon seit dem 21. März den polnischen Machthabern ungeheure Lieferungen in Lebensmitteln und sonstigen Gegenständen machen mußte, wurde, als ihm auchdaS Letzte geraubt worden, ins Gefängniß geworfen, und sollte ebenfalls am 15. erschossen werden. Schon waren die Gewehre auf ihn angelegt und er hatte seine Seele Gott empfohlen, riß die Kleider von der Brust und ries den Wüthenden auf polnisch zu:Schießt, aber vergeßt nicht, daß meine Kinder für mein Blut von Euch Rechenschaft fordern werden!" Da rettete ihn der Edelmuth des Herrn v. Binkowski aus Babin Und die List eines andern Unbekannten. Die Menge widersetzte sich zwar und schrie:Wir lassen nicht ab, bis wir haben, was uns versprochen wurde: das Vermögen der Deutschen und Juden!" und Einer schlug ihn mit dem Kolben nieder. Aber unter dem Schutz der Bessern und dem Vorwand, man müsse erst ein Urtheil über ihn fällen, wurde er wieder in den Kerker zurückgeschleppt. Nach zwei Stunden war die Stadt von den Aufrührern verlassen und der Unglückliche flüchtete sich nach Posen.

Aehnliche Mordscenen fielen in Triezemcsno vor. Gott bewahre uns vor der polnischen Freiheit!

Nachträglich erfahren wir, daß General v. Colomb die Wreschener Schandthaten als Bruch der Ueberein- kunft betrachtet und von den Polen bei Miloslaw die Attslieferung der Mörder und Räuber verlangt hat, widrigenfalls er mit Kanonen sprechen würde.Die Polen haben mit dem Bruch der Uebereinkunft das Recht, zum Theil unter Waffen zu bleiben, vor allen Dingen jedes Anrecht an eine Amnestie verscherzt."

Aus Tirol, 19. April. Noch kann ich Ihnen nichts Tröstliches mittheilen, ja ich darf mirs und Ihnen nicht verhehlen, es steht schlimm mit uns und kann noch schlimmer werden An vier Punkten wurde unsre Süd­grenze angegriffen. Am Wormserjoch warfen die Schützen von Trafoi, Prad und Agums die Eindringlinge zu­rück sie werden aber wieder kommen. Man will nun die Straße demoliren, einen Wunderbau, derHun- berttausende kostete, zerstören, weil man ganz vergessen hat, für den Schutz dieses Passes zu sorgen. Aus Ju- dikarien sind die Wälschen nicht mehr zu vertreiben mit dem Fall von PeSchiera bleiben sie auch Herr am Gardasee und können, von den Wälschtirolern unter­stützt, ungehindert bis Roveredo vordringen. Ein dritter Haufe fiel ins Tridentinische, im Pusterthale betraten sie abermals deutschen Boden. Wo sie eine Stelle zum Einbruch offen finden, wird sie benützt werden.Die ganze deutsche Grenze im Süden ist bedroht." Und was thun wir zu ihrem Schutze? Ein Haufe abgehetzter Sol­daten, man sagt 18 Kompagnien, mit wenigen Reitern und ein paar Geschützen , wird nun hin und wieder gesprengt, zersplittert, aufgerieben, um dort dem Feinde entgegenzugehen, da auf dem Piket zu stehen, um in Trient die Rebellion niederzuhalten, um Radetzky den Rücken zu decken. An sie sollen sich unsere Schützen anschließen, die noch immer nicht die rechte Stimmung finden können, um getrosten Muthes ins Feld zu rücken. Der Wille wird täglich besser, man begreift die Noth­wendigkeit und ist fest entschlossen, den Wälschen den Weg zu weisen doch die trostlose Leitung der Dinge, die Rathlosigkeit, Armuth und Verzagtheit der Behörden, das stete Wiederholen von Zusicherungen, die sich nie