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und dadurch sowie die in der Angst ganz übereilt ge­troffene Auswahl den gerechtesten, allgemeinen Unwillen, namentlich auch der Unteroffiziere und Kadetten erregt hatte

Ich frage nun: handelte etwa Baden in demselben Geiste, als cS den holländischen General von Gagern, der kein Badenser war und nicht gezwungen in hollän­dische Dienste eistrat, zum Oberbefehlshaber seiner Trup­pen ernannte, und was würde ein solches Generalkom­mando, wie das unsrige, im Falle einer Reaktion thun?.

Gin Zeugniß Karl Zeuners in Nordamerika, über

die Nichtswürdigkeit des heimlichen deutschen Gerichts, mitgethcikt von Wilhelm Schulz. (Forts)

Die jungen Bürger zu Butzbach waren mit den jun­gen Bürgern zu Gießen meistens freundschaftlich be­kannt. Zu Ende Augusts 1834 traf es sich, daß meh­rere Bürger von Gießen in Butzbach anwesend waren, um sich von Weidig, der nach seiner Psarrstellc in Oberglenn in einigen Tagen abreisen wollte, zu verab­schieden. Kuhl hatte dieselben veranlaßt, von Gießen nach Butzbach zu kommen, indem er denselben gesagt hatte, Weidig werde in einer Versammlung der Bürger eine Abschiedörede halten, was aber nicht geschah. Die Gießener wurden von den Butzbachern eingeladen, den Abend mit ihnen im Zellischen Wirthshause bei einem Glase Wein zuzubriugcn: und da die um 10 Uhr cin- tretende Feierabendstunde unsre Unterhaltung zu schnell abgebrochen hätte, so ging einer von uns nach dem Bürgermeister, um bei diesem um einen längeren Aufent­halt im Wirthshause nachzusuchen, welchen auch der Bürgermeister ertheilte, da das Wirthshaus außerhalb der Stadl gelegen war. Gleich nach 10 Uhr erschienen zwei GenSdarmen und Verlangten von uns in einem ungewöhnlich gebieterischen Ton, nach Hause zu gehen. Es wurde denselben erwidert, daß wir vom Bürgermei­ster Erlaubniß hätten, über die Feierstunde im Wirths­haus zu bleiben ; worauf diese erwiederten, der Bürger­meister habe keine Macht, diese Erlaubniß zu ertheilen. Hierüber entspann sich ein Disput, in dem sich beson­ders Kuhl mit dem einen GenSdarmen herumstritt. Dieser Vorfall, der im August 1834 stattfand, wurde nach meiner festen Ueberzeugung späterhin benutzt, um die boshaftesten Verleumdungen und Anschuldigungen gegen Weidig mit scheinbaren Thatsachen zu beweisen, und wozu Kuhl als das abscheulichste Werkzeug diente.

Schon einige Zeit vor meiner Verhaftung, welche am 27. Nov. 1834 stattfand, bestinünten mich verschie­dene Vorfälle und Thatsachen, Kuhl zu mißtrauen. Hierzu war der vorzüglichste Grund, daß Kuhl, insbe­sondere nach dem Abgänge Weidigs von Butzbach, sich gegen mich und Andere auf die leichtfertigste und un­moralischste Weise über den Eid aussprach. Er (der Spion des Ministeriums) bestimmte eineu mir bekann­ten Mann in einem Privatprozeß, den derselbe mit einem andern hatte, einen falschen Eid zu schwören; und sagte mir, daß wenn es nöthig sei, er denselben leicht bestimmen wollte, in der gegen mich damals eingeleite- ten Untrfuctuing für mich einen falschen Eid zu schwö­ren. Ich hielt mich aus diesem Grunde und aus an­deren Gründen so viel als möglich von ihm entfernt, ohne jedoch mit ihm zu brechen, und war gegen ihn verschwiegen. Das Verhältniß zwischen mir und ihm, welches bis dahin ein freundschaftliches gewesen war, wurde hierdurch gespannt. Das Betragen Kuhl'S gegen mich wurde unfreundlich, und ich habe Ursache zu glau­ben, daß ich meine bald darauf erfolgte Verhaftung ihm zuschreiben kann.

Während'meiner Verhaftung habe ich die verschiede­nen Gründe, welche mir Kuhl als geheimen Spion ver­dächtig machten, ruhiger und reiflicher überlegt und mit den mir in meinen Verhören vorgehaltenen That- sachen,und Anschuldigungen zusammengestellt, wodurch sich mein Glaube an dèn falschen Charakter Kuhl's bis

zur Ueberzeugung stärkte. Die verschiedenen Gründe, welche mich zu dieser Ueberzeugung brachten, habe ich, so weit es mir dienlich schien, in einem späteren Pro­tokoll bei Herrn Criminalrichter Nolluer angegeben. Nöllner äußerte sich einmal gegen mich, daß mein Ver­dacht gegen Kuhl gegründet sei, daß derselbe schon vor dem 3 April 1833 als Spion gehandelt habe und be­zahlt worden sei, und daß es vieles Aufsehen erregt habe, daß ich demselben auf die Spur gekommen sek; ferner, daß er in seiner Stellung als Criminalrichter schon oft die Gelegenheit gehabt' habe, tiefe Blicke in die Verdorbenheit der Menschen zu thun, daß ihm aber ein Charakter, so verdorben wie der des Kuhl (des Spions der Regierung), noch nie vorgekommen sei und daß es ihm leid sei, wenn er den Kuhl zu Gesicht be­komme.

Einige Wochen nachdem wir aus dem Gefängniß zu Friedberg nach dem Arresthaus zu Darmstadt gebracht worden waren, es mag Ende Juni oder Anfangs Juli 1835 gewesen sein, wurde ich durch Georgi, wie er mir angab in Auftrag des Landgerichts zu Friedberg, über den oben erwähnten Disput zwischen Kuhl und dem GenSdarmen vernommen; und insbesondere ob ich" ge­hört habe, daß von Seiten des Kuhl gegen den Gens- darmcn die Worte gebraucht worden seien:Er hält sein Maul, gehe er und mache er seine Anzeige." Da seit diesem Wortwechsel schon über 10 Monate verflos- sen waren und er nur außer Gedächtniß gekommen war, so sagte ich meines Wiffens gemäß, daß ich ntchr mehr wüßte, ob Kuhl diese Worte gebraucht habe und bestand darauf. Ich konnte nicht glauben, daß diese Unter­suchung gegen Kuhl nach einem Zeitverkauf von 10 Monaten noch eingeleitet worden sei, um denselben für die allenfalls gegen den GenSdarmen gebrauchten Worte zu bestrafen, und es erschien mir die ganze Sache als eine Farce, eingeleitet um den Charakter Kuhls als Spion und die Verbindung mit der Regierung mit die­sem Individuum zu verdecken. Ich konnte aus diesem Grunde mich nicht enthalten, während des Verhörs zu lächeln, welches Georgi im Protokoll anführen ließ.

(Forts. fokgkZ .

Deutschland.

Aus dem Badischen. Ueber das am 20. bei Kandern stattgehabte Gesecht, bei welchem leider der Tod des erst vor Kurzem aus holländischen in badische Dienste getretenen Generals v. Gagern zu beklagen ist, und welches die gänzliche Zersprengung der freiwil­ligen und unfreiwilligen Freischärler zur Folge hatte, gibt folgender Bericht des Regierungsratbs Stephani, welcher als Civilkommissär den Truppen im Oberland beigegeben war, den ausführlichsten Aufschluß:

Wir sind Morgens 3 Uhr nach Kandern von Schlin­gen aus aufgebrochen, 1 Bataillon Hessen, 1 Bataillon vom Leibregiment, 1 Bataillon vom 2. Regiment, 2 oder 3 Schwadronen Dragoner und Geschütz. Vor Kandern erfuhren wir, daß die Rebellen das Städtchen noch be­setzt hielten. Ich ging allein mit einem hessischen Hor­nisten hinein, obgleich man mich vor dem ersten Häuft nicht durch die Vorposten lassen wollte. Ich ließ den. Kommandirenden rufen, es war Literat Kaiser aus Kon­stanz. Er versprach, mich zu Hecker zu führen, wir gingen ihm fast durchs ganze Ort nach, wo es hieß, er sei mit 600 Mann bereits abgezogen. Dies, so­wie die Wahrnehmung, daß ihre zwei Kanonen (viel­mehr Böller) mit der Kasse und dem Pulverwagen, alles schlechte Karren, noch «»angespannt waren, ver- aillaßte mich, vor dem Rest der Truppe, ungefähr 200 Mann, die Aufruhrakte zu verkünden, und sie aufzu­fordern, die Waffen niederzulegen. Ungefähr 1520 antworteten mit Nein, die andern waren still. Zu un­sern Truppen zurückgekehrt, erklärte ich dem General von Gagern, daß nun sein Amt beginne, theilte ihm aber die mir gewordene Nachricht mit, daß wir oben auf der Scheide des Berges durch Scharfschützen, die