Einzelbild herunterladen
 

Dieses Blatt erscheint, Montags aus- Anzeigen aller Art werden in diesem genommen, täglich, und kostet jährlich Blatte ausgenommen und kostet die 6 fl. Bei allen Postämtern so wie Zeile (Petitschrift) 4 kr. Gro­in der Stein'schen Buchdruckerei sicreSchrift wird nach dem Verhâlt- zu Wiesbaden werden Bestellungen niffè des einzunehmenden Raumes hierauf angenommen. berechnet.

Der Bolksfreun-,

Sobald wir Deutschen eine Nation sind, sind wir die erste.

Seu m e.

Wiesbaden. Dienstag, den 25. April 1848.

* Das Herzoglich Naff. Generalkommando.

Ihr wollt' frei sein und seid nicht gerecht!"

Als am 4. März das schöne gesegnete Nassan die schmachvollen Ketten der Sclaverei zerbrach und die Finsterniß vor dem blendenden Lichte der goldenen Frei­heit wich, da tagte es selbst in den dunkelsten und ver­schrobensten Köpfen, und auch die niedrigsten und ser­vilsten Kriecher behaupteten, sie hätten stets eine Welt der Freiheit in ihrem Busen genährt und die Stunde der jetzigen Erlösung sehnlichst erwartet: allein das Ta­gen in solchen Köpfen ist nur momentan und gleicht dem letzten Aufblitzen eines auf ewig verlöschenden Feuers, und diese Behauptungen von Männern, die gleich Würmern sich vor dem Abgotte der Tyrannei vorher stets krümmten, sind scheußliche, durch die unvertilgbaren Flecken ihrer früheren Handlungsweise gebrandmarkte Lügen. Viele dieser Kreaturen haben schon bei uns durch das freie Wort und die Entfernung von den ih- ien anvertrauten Staatsstellen ihren Lohn gefunden, klein Viele sind auch noch ungestraft und beweisen Lurch ihre täglichen Mißgriffe, daß sie die große Zeit der Gegenwart weder begreifen können, noch wollen. Leider bewährt sich dieses auch namentlich bei der Lei­tung unseres Militärwesens, welches seit der ominösen, durch die Zeitung veröffentlichten Aufforderung des Ge­nerals von Nauendorff, es möchten sich auswärtige Adelige zur Besetzung der hier offenstehenden Offiziers­stellen melden, die erstaunten Blicke des ganzen deutschen Vaterlandes auf sich zog, und seit der Bestimmung^ daß nur Söhne hoher Staatsbeamten oder Adliger Offiziere werden könnten, die bei Waterloo von Napoleon aus­gerufenen Worte:das sind die braven Nas­sauer!" zum Gespötte machte.

Folgende, Thatsache liefert den besten Beweis von dem Geiste, in welchem noch bis auf diesen Augenblick unser Generalkommando handelt:

Im Jahr 1830 trat Friedrich August Eberhard, Sohn des nunmehr verstorbenen Regierungsrathes Eberhard aus Diez, in königlich niederländische Militärdienste, weil sein Vater als Landesabgeordneter feurig die Rechte des Volkes gegen den hohen unnahbaren Adel vertheidigt und sich dadurch die Liebe seiner Mitbür­ger erworben hatte, der Sohn des Volksmannes aber in damaliger Zeit natürlich bei seinem Volke und na­mentlich im Soldatenstande einen Dienst nicht bekom­men konnte. Derselbe diente daselbst im Frieden wie im Kriege mit Auszeichnung, erwarb sich die Liebe und Achtung der Soldaten, Kameraden und Oberen und wurde, nachdem man ihn schon aus der Citadelle von Antwerpen mit dem Kreuze decorirt hatte, später zum Ritter der Eichenkrone ernannt, wegen Rettung

der Soldaten mit eigener Lebensgefahr und wegen anderer Verdienste. Als er vor einem Jahre die Wittwe eines ostindischen Generalgouverneurs heira- thete, bat er nach 15jähriger Dienstzeit als Ober­lieutenant um seine Entlassung, die man ihm auf bad Ehrenvollste und mit dem Rechte die Uniform zu tragen, ertheilte. Inzwischen hatte er das Unglück seine Frau durch den Tod zu verlieren. Schon früher suchte er bei herzoglich nassauischem General­kommando, dem die angelegenen Verhältnisse sehr wohl bekannt sind, um Uebernahme in diesseitige Dienste nach, allein stets vergeblich, da man ihm vorhielt, er wäre ein Fremder, und inzwischen so viele auswär­tige Adelige in das Land zog, daß dieselbe nach der Aussage einiger Spaßmacher kaum alle von den Eil­wagen gefaßt werden konnten. Am 5. März L I., als man von dem Ausbruche eines allgemeinen Krie­ges fest überzeugt war, also im Augenblicke der Ge­fahr, wiederholte er bei herzoglich nassauischem Gene­ralkommando abermals sein Gesuch mit dem Bemer­ken, man möchte im Falle des Friedens ihm eine seinen Diensten angemessene Stelle geben und ihn im Kriege unbedingt anstellen. Nachdem man ihn bis jetzt hatte warten lassen und er in der Hoffnung auf die von ihm stets sehnlichst gewünschte Anstellung in seinem Vaterlande die ihm inzwischen gebotene Ge­legenheit zum Rücktritte in holländische Dienste unter den Vortheilhastesten Verhältnissen abweisen mußte, ward ihm nun von herzoglich nassauischem General­kommando der Bescheid:

daß ohnerachtet des Befehles zum Ausrücken der herzoglich nassauischen Truppen vor der Hand doch keine Offiziere ernannt würden und es ihm überlassen bliebe, im Falle eines ausgebrochenen Krieges sich wieder zu melden."

Man sagt nun zwar freilich, der jetzige Generalcom­mandant wäre so schwach, daß nicht er, sondern sein Schreiber befehle; auch ist Eberhard kein fremder Ade­liger , der sich als willenloses Werkzeug gebrauchen lassen wird, sondern ein durch seine glänzenden Ver, Mögensverhältnisse ganz freier und für die Interessen Nassaus begeisterter Mann, und es würden ihn die Sol­daten als Offizier und die Offiziere als Kamerad mit Freuden ausgenommen haben: allein abgesehen da­von, daß das Generalkommando die Gegenwart nicht begreift, so kann und dieses nicht erstaunen, nachdem es so viele Mißgriffe gemacht und namentlich in neue­ster Zeit, aus bloßer Furcht und Feigheit mit Uebergc- Hung der nach bestandenem Gramen gesetzlich allein zu Offiziersstellen berechtigten, aber allerdings auch nicht den bevorzugten Familien angehörenden Kadetten neun Unteroffiziere und Corporäle zu Offizieren ernannte,