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Venedig. Die kleine aber heldenmüthigc Besatzung von' sechzehn Mann vom Infanterieregiment Kinsky, welche den Pulverthum zu San Spirito in der Festung von Venedig noch immer besetzt hält, hat auf die Auffor­derung zur Uebergabe erklärt, bei dem ersten Angriffe, oder wenn man sie durch Hunger zur Uebergabe zwin­gen wollte, den Pulverthurm in die Luft zu sprengen. Dieser heldenmüthige Entschluß zwingt nun den Feind selbst, diese Braven täglich mit Lebensmitteln gehörig zu versehen. Zur größeren Vorsicht lassen sie aber Den­jenigen, welcher ihnen die Speisen bringt, jederzeit frü­her davon kosten. Nach dieser kleinen Besatzung zu urtheilen, hätte die Garnison von Venedig unter einem würdigeren Commandanten keine schimpfliche Ca- pitulation einzugehen gebraucht. (Oester. Z.)

Verschiedenes.

Die Mainzer Freiwilligen für Schleswig-Holstein, etwa 30 an der Zahl, werden noch in dieser Woche abgehen. Die Wiesbadener morgen.

Eine Verordnung des Preußischen Ministeriums ver­fügte die Gründung öffentlicher Darlehenskas­sen und Verausgabung von Darlehenskassen­scheinen.

In P e st h war eine offene Empörung als das ungarische Husarcnrcgiment Ferdinand - Este die Stadt verlassen sollte, um nach Italien zu marschiren. Die Husaren wollten sich mit dem Säbel durch die sich wider­setzenden Massen den Abzug erzwingen; aber das Volk blieb Sieg r und daS Regiment bleibt vor der Hand in der Stadt. Das ungarische Ministerium denkt nicht daran, Oesterreich in seiner italienischen Angelegenheit Vorschub zu leisten; Kossuth erklärte dies ganz offen der Sludentendcputation Wiens, welche man Anfangs in Preßburg verdächtigte, als wären sie blos deswegen hinabgekommen um gegen Italien zu werben.

In Wien hängt der Zopf noch immer hinten. Bei dem Abzug der Handelslegion nach Italien hatte man ihr zu Ehren im Hof der Bombardirrcaserne eine Beleuch­tung Veranstalter OverUn Mlrrelthore wehre eine Fahne und ein Transparent mit der Umschrift:Unsere Liebe zieht mit Euch ! " Die Stimmung war eine außer­ordentlich enthusiastische für den großen und schönen Zweck. Nun kommt der Despotismus nachgehinkl. Jene Bom­bardiere, welche den HandelS-Legionzug begleiteten, steck­ten deutsche Kokarden auf Es wurde die strengste Un­tersuchung gegen sie eingeleilet. Man forschte streng nach, wer von den Bombardieren die deutsche Fahne zum Fenster herauSgesteckt! Man untersuchte, wer die Fenster illuminirte ! Man kann gar nicht begreifen, wie das Bombardier-Korps, einen deutschen Patriotismus haben könne.

In Tyrol ist die Stimmung sehr erbittert gegen den Landeschef ( Graf Brandis ), weil die italienischen Freischaaren jetzt ins Land fallen und nirgends Anstal­ten zur Abwehr getroffen sind. Man kriegte vor der Thüre schreiben die Südtyroler und ließ daS Haus ohne Schutz und Vorwrge.Kein Getreide, kein Pulver!" so rief man in Tyrol, so oft als man für den Kaiser Leben und Gut in die Schanze schlug. Wir wagen'S nochmal und hoffen abermals, eS werde besser werden. Man rief unS zu: Einheit und Vertrauen." Man meint, wir sollten gläubig der Regierung uns hingeben. Gern, aber laßt sie aus bes­seren Männern bestehen. Wir wissen recht gut, daß Graf BrandiS unter Einheit sich selbst und unter Ver­trauen ein stummes willenloses Gehorchen versteht. Es ist nicht gut, daß sich ein Einzelner für den Vertreter der Gesammtmeinung hält. Wir müssen unumwunden Einsprache thun gegen sehr Vieles, was unser Gouver­neur Namens des tyrolischen Volkes gethan hat, und er muß uns den Zweifel erlauben, ob er jemals dahin

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kommen werde, sich mit unsern Wünschen und Begehren zu verständigen. Für ihn gibt eS nimmermehr ein Vertrauen" unter uns. Freilich, wenn man von sei­ner Unentbehrlichkeit so überzeugt ist, wie Graf Brandis, wird die Dienstentsagung ein Verrath an sich selbst. Dennoch glauben wir sagen zu müssen, daß wir diesem Rücktritt mit Ungeduld entgegen sehen.

Mitten in den Ernst der Dinge in Frankreich fällt ein sehr spaßhaftes Zwischenspiel, in dem Se. Herrl Lord Henry Brougham die lächerliche Person ist. Derselbe hat sich vor Kurzem in einer wüthenden Schmährede gegen die Republik ergangen; kein Mensch hatte aber eine Ahnung davon, daß er kurz vorher (am 7 April) ein Gesuch in Paris eingcreicht hatte, um als französi­scher Bürger naturalisirt zu werden (B. ist zu Cannes begütert) und als Kandidat für die konstituirende Ver­sammlung aufzutreten! Der Justizminister verlangte Ver zicht auf das englische Bürgerrecht und die Adelsprivi- legicn, er wollte natürlich nur mit einemBürger Brougham" zu thun haben. Se. Herrl. konnten sich aber von diesen irdischen Gütern nicht trennen, und der Schluß des ganzen pikanten Briefwechsels war eine ge­reizte Erklärung des edlen Lords, daß er nimmerBür­ger" werden, sondern Lord H. Brougham, Pair von England, Schottland und Irland bleiben wolle. Man kann sich denken, welch unsterbliches Gelächter diese Ver öffentlichungen hervorriefen.

Die Verloosung von Waaren aus der Jn- dustriehalle.

Vor einigen Tagen hatten wir gegründete Ursache über den Absatz der betreffenden Loose zu klagen, jetzt haben wir zu unserer Freude vernommen, daß die patriotischen Männer, welche mit Loosenhesten von Haus zu HauS gehen, recht gute Geschäfte machen. Wie aus allem so sehen wir auch hier die ungeheure Nichtswürdigker und kollosale Dummheit des gestürzten Regierungs- und Adelssystems. Diese saubere Partei haßte Alles, was dem Bürgerstand nutzen konnte, was den Handwerker­stand bilden, aufklären, reich machen konnte, wie das höllische Feuer. Es war diesen gefährlichen Mensche:, weit mehr darum zu thun, daß das Volk arm sei, als sie selbst reich, denn sie wußten wohl, daß ein armes und zugleich dummes Volk auch schlecht wird und sich in seiner Verworfenheit die Ketten der Sclaverei gedul­dig anlegen läßt. Aber dennoch haben sie sich ge­täuscht und die berühmten Worte Camille Desmou­lins haben sich erfüllt:Wenn daS Volk nichts mehr zu essen hat, so frißt es die Fürsten." Jetzt in' dieser Zeit der Auflösung aller Verhältnisse zeigt sich der wÄyro Nutzen aller volksihümlichen Anstalten und die Verloo­sung von Waaren aus der Judustrieballe beweist, wie sehr diese Section eines nur geduldeten und mißliebigen Vereine' geeignet ist', der Noth des Arbeiterstandes abzuhelfen.

Wiesbaden. Wegen Einquartierung der Truppen im Schützenhof wird am Charfreitag kein deutsch-katho- liscker Gottesdienst daselbst stattfinden ; indessen am Oster­sonntag , Morgens 8 Uhr, deutsch - katholischer Gottes­dienst mit Abendmahlsfeier in der evangelischen Kirche gehalten werden.

Erklärung. Da der Correspondenzartikel von der Lahn in Nr. 31. des Volksfreunds vielfach mißdeutet wird und ihm namentlich die Absicht unterlegt wird, als habe er unseren Hergcnhahn in den Augen des Volks herabsetzen und verdächtigen sollen, so sehen wir uns zu erklären g. nöthigt, daß besagter Artikel aus der Feder eines Mannes geflossen ist, der es mit seinem Volke stets ehrlich gemeint hat, und dem nichts ferner liegt, als durch Verdächtigung von Volksmännern den Wirrwarr in Deutschland noch zu vergrößern.

Die Redaction des Volksfreundes.

â" Wegen des Charfreitags wird morgen unser Blatt nicht erscheinen.________________

I. A. Ster n'schen Buchdruckerei zu Wiesbaden.