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Accessist Braun von Wiesbaden. Durch die verschie­denen Reden und Redner, unter welchen letzteren beson­ders Herr Braun von Wiesbaden, Herr Lehrer Ruhl von Oberursel, Herr Accessist Rüffert von Königstein, Herr Medicinal-Rath Küster von Kronihal und Herr Kaplan Heerdt von Oberm sel rühmlich zu erwähnen sind, gelangte man zu dem Resultate, daß der zu wäh­lende Abgeordnete vor allem ein wackerer Bolksmann und warmer Freund der Freiheit und des Vaterlandes, io* dann ein vielseitig gebildeter und gesinnungölüchtiger sach­kundiger Mann sein müsse. Hieraus wurde die Be­rathung durch den Präsidenten, Herrn Apotheker Neu­brunner von Crouderg, für geschlossen erklärt und als Schauplatz der am zweiten Osterlage adzuhalunden ei­gentlichen Wahlversammlung bmch Handmehr Oberur­sel festgesetzt. Es ist nicht uuwahncheiulich, datz die Wahl auf Herrn Hehner fallen wird, da sich nament- üch die anwesenden Idsteiner und Usinger entschieden für diesen erklärten.

So lief dieses schöne Volksfest heiter und ungetrübt, ohne irgend eine erhebliche Störung ab. Leider aber sollte diese nicht ganz ausbleiben. Gegen Abend sam­melte sich ein Volksbause vor dem Hause einer myste- iöfen Dame, die sich Mab. F--------r nennt und chon seit geraumer Zeit sehr abgeschlossen und gehelmnißvoU -er lebt. Sie hatte einen 'Nachbar beleidigt und luv sich dadurch eine ganze Rotte aus den Hals, die unter Drohen, Pfeifen, Schnupfen und Singen ihr Haus um­stand ! Glücklicherweise kam es jedoch nichl zu Thällich- krilen, und die Menge zerstreute sich, wie sie gekommen. Es wäre sehr zu wünschen, daß das Hüstge Bürgerco- mite in Verbindung mit der Wehrmannschast bei derar­tigen Auftritten energischer cinschrille.

Berlin, 14. April. Hier ist soeben folgendes Ak­tenstück erschienen:Ich erkläre Mich mit der aus Ver­anlassung verschiedener Petitionen der deutschen Be­wohner des Großherzogthums Posen Mir vorgetragene Ansicht des StaatSministeriums dahin völlig einverstan­den, daß die der polnischen Bevölkerung der Provinz verheißene nationale Reorganisation aus Diejenigen Lau- dcstheile des Grocherzogthums, in welchen die deutsche Rationalität vorherrschend ist, nicht ausgedehnt werden darf. Vielmehr ist es Mein Wille, daß der von diesen Landestheilen beantragte Anschluß derselben an den deut­schen Bund ohne Verzug bei der deutschen Bundesver- sammlung »ermittelt werde. Durch eine solche Tren­nung der deutschen Landestheile der Provinz werden zugleich Die- wesentlichsten Hindernisse, welche Der na­tionalen Reorganisation des polnischen Theils des Groß- herzogthumö entgegen treten könnten, beseitigt werden, so daß diese Reorganisation nunmehr um so vollständiger zur Ausführung kommen kann. Potsdam, 14. April. Friedrich Wilhelm. Camphausen. Auerswald.

Berlin, 15. April. Der Oberst v. Bülow da­hier, der schon seit lange durch seine freimüthige und entschiedene Opposition gegen die Regierung bekannt ist und daher gewiß nicht im Verdacht Der Parteilichkeit für das preußische Ministerium stehen kann, erklärt in der Vosstschen Zeitung Folgendes:

Ein Unsinn ohne Gleichen ist es, wenn man un­sern Ministern den Vorwurf machen will, an den un­glücklichen Ereignissen in Schleswig Schuld zu sein, da sie doch unmöglich Die mehr als zu gewagte Aufstellung der Freischaaren nördlich über Flensburg hinaus zu ver­treten haben. Als die Dänen östlich zwei Meilen von Flensburg landeten, mußten sich sämmtliche Frei- : Haaren, Flensburg ausgebend, zurückziehen, und sofort ihren Marsch, möglichst ohne Gesicht, in Oidnung und ohne Verlust, nach Rendsburg .fortsetzen. Dies ist nicht geschehen, und Die bösen Folgen sind nicht ausgeblieben. Die preußischen Truppen in Rendsburg durften dieses nicht verlassen, weil sie befürchten mußten, daß die Dä­nen in ihrem Rücken Rendsburg nehmen würden, wo dann die Folgen nicfjt' zu berechnen gewesen wären. Die

Dänen sind bereits drei Meilen von Rendsburg bei Eckernförde gelandet, und von dort aus bei Königs­förde zwei Meilen von Rendsburg, an der Eider er­schienen, wo sie dieselbe überschreiten werden, um Rends­burg sowohl nördlich als südlich mit Uebermacht anzu­greisen. Uebrigcus haben sich Die jungen Leute der Frei­schaaren so muthig geschlagen, daß jeder alte Soldat sich darüber freuen muß. F. v. Bülow."

Posen, 14. April In unserm Großherzogthume herrscht jetzt eine vollständige Anarchie, denn die Provinzialregierung wird gar nicht mehr respektirt und die Polen schalten überall mit unverantwortlicher Will­kür. Sie, Die so viel von ihrer Brüderlichkeit gespro­chen, die laut verkündet haben, daß sie ihre Freiheit der edlen deutschen Ration verdanken, plündern und mißhandeln eben diese Deutschen und schlagen sie wohl gar todt, als ob es ihre ärgsten Feinde wären. Keine Stunde vergeht, ohne daß grausinerregende Nachrichten von Ercessen eingingen, welche Die Polen auf Dem plat­ten Lande und in den kleinen Städdn an Den Deut­schen, besonders aber an den Juden verübt haben, und das zu einer Zeit, wo eine friedliche Ausgleichung der Wirren ungebahnt ist, wo ihnen große Zugeständnisse gemacht werden, und wo die schlagfertig ihnen gegcn- überstehenden preußischen Soldaten ihre Kampfbegier ge­waltsam unterdrücken müssen, um die den Polen ge­währte , immer wieder erneuerte Bedenkfrist ehrlich inne zu halten Das sind Die Früchte von den Heilmitteln des Generals v. Willisin, der, statt es zum offenen, ehelichen Kampfe kommen zu lassen, die Polen durch immer vermehrte Conzessionen zu gewinnen hoffte.

Aus der sichersten Quelle kann ich Ihnen mittheilen, daß m o r g e n P l e s ch e n b o m b a r d i r t wird, und daß sich bereits russische Truppen jenseits Der eine Meile von der Stadt entfernten Gränze, wohin schon seit voriger Woche von hier keine direkte Post mehr abgeht, konzentrirt haben. Wenn Pieschen nicht kapitulirt, woran Niemand mehr denkt, so entwickelt sich ein schreckliches Schauspiel. Gott gebe, daß es bald und gut ende! (Schles. Ztg.)

Stuttgart. Von hier ist Paul Pfizer als Mit­glied der Nationalversammlung vorgeschlagen Die Wah­len sind direkt und werden am 26. stattfinden Ber­thold Auerbach, unser Landsmann, wird die Eman­zipation seines Glaubens benützen, er ist im Lande und bewirbt sich in dem Bezirke, dem seine Heimath Nord­stetten angehört Wir hoffen unsern tiefsten Denker nach Frankfurt senden zu können: Strauß ist in Ludwigs­burg vorgeschlagen. Aber es wird einen Kampf kosten, denn Die Pietisten im Lande haben gegen ihn ihre Wuth noch nicht vergessen. Sein politisches Auftreten in jüng­ster Zeit dagegen hat ihm allgemein die Herzen Der ' Besonnenen zugewandt; eine Reihe von vortrefflichen leitenden Artikeln von ihm «Republik und Monarchie, Louis Blanc u. s. w.) im schwäbischen Merkur haben die allgemeinste Aufmerksamkeit und Zustimmung erregt.

Italien.

Die N. Z. Z. bringt folgende zerstreute Nachrichten aus Italien: Auch Brescia ist jetzt in der Centralre­gierung zu Mailand vertreten, so daß nun in der prov. Centralregierung alle lombardischen Städte repräscntirt füiD; In Modena hat sich ebenfalls eine provisorische Regierung gebildet. Parma hat sich endlich von sei­nem Herzog ganz losgesagt. Der Herzog selbst stellte seinen Staat unter Die Vormundschaft Karl Alberts. Indessen bildete sich auch hier eine provisorische Regie­rung. In Bologna haben die Studenten sich als Frcischaar organisirt. Die hiesige Zeitung bestätigt den Abzug eineö Schweizerregiments nach der Lombardei. Am 10. April zogen hier 800 Ungarn ein, welche die Waffen niedergelegt hatten. Man schickt sie in ihr Va­terland zurück unter Dem Versprechen, die Waffen gegen Italien nicht mehr zu tragen. Auch in Mailand sind gefangene Ungarn freigelassen worden. Man überschüt­tet Die Ungarn mit Artigkeiten.