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No. 37.

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Der Velksfreund.

Sobald wir Deutschen eine Nation sind, sind wir die erste.

S e u m e.

Wiesbaden. Freitag, den 21. April 1848.

Ein Zeugniß Karl Zeuners in Nordamerika, über die Nichtswürdigkeit des heimlichen deutschen Gerichts, mitgetheilt von Wilhelm Schulz. (Forts.)

Bei den politischen Untersuchungen, welche nach dem 3. April 1833 zu Gießen, Butzbach und anderen Orten eingeleitet wurden, war es häufig der Fall, daß Väter md Mütter, Brüder und Schwestern, Freunde und Nachbarn über ihre nächsten Angehörigen und Freunde gerichtlich vernommen und meistentheils beeidigt wur­den. Die gewöhnliche Ursache dieser Vernehmungen tat ein politischer Flüchtling, der bei dem Einen oder Andern der jungen Leute und Bürger eine Nachther- 'erge oder sonstigen Schutz und Unterstützung erhalten >atte, welches gewöhnlich durch einen geheimen bezahl­ten Spion , der den offenen radikalen Liberalen spielte, verrathen wurde (Kuhl); oder es war der Verdacht den man auf Einen oder den Andern der Bürger wegen Verbreitung von Flugschriften geworfen hatte. Hiedurch geschah eS häufig, daß die so vernommenen Leute in eine Lage versetzt wurden, worin sie gezwungen waren, durch ihre zu machenden Aussagen entweder zum Verrä- cher an ihren nächsten Angehörigen und Freunden zu werden, und diese in die Gewalt der verfolgenden Re­gierung auszuliefern und somit für lange Zeit unglück­lich zu machen; oder in ihren Aussagen die Wahrheit oer Thatbestände zu verhehlen, und bei der Aufforderung zum Eid dieselben fälschlich zu beschworen. Diese Um­stände machten, daß wir unter unS die Frage aufstellten, )b die Regierung, deren rechtlichen Bestand wir nicht anerkannten, sondern bekämpften, ein Recht habe, von ans einen Eid zur Ermittelung der Wahrheit in poli- iischen Sachen zu verlangen; und ob man schuldig sei, wenn aufgefordert in politischen Sachen, einen Eid zu schwören. Diese Frage wurde von uns beantwortet, daß, da die Regierung durch die Verletzung der dem Volke verfassungsmäßig zustehenden Rechte ihre Rechte als Regierung selber faktisch vernichtet habe, und daß der hiedurch von uns anerkannte Zustand zwischen Re­gierung und Volk ein Zustand der faktischen Gewalt und der Feindlichkeit sei, wir ihm auch kein Recht zu­gestehen könnten uns in politischer Beziehung einen Eid abzufordern; und daß die Pflicht der Selbsterhaltung es für uns nöthig mache, ihr die Wahrheit über den in Untersuchung stehenden Thatbestand in politischen Sachen zu verweigern; und daß ein Eid, in dieser Beziehung von uns abgefordert, keine moralische Bindung für uns haben könnte.

Diese Ansichten und Grundsätze über den politischen Eid wurden auch von Weidig, als durch die Nothwen­digkeit der Umstände geboten, gebilligt. Ob sie aber ursprünglich von Weidig auögingen und von ihm ver­

breitet wurden, ist eine Frage, die ich nicht beantwor­ten kann. Diese Ansichten waren eine natürliche Folge des durch die Bundestagsbeschlüsse veranlaßten, und von der Regierung zuerst unternommenen Schrittes, zur Entfernung von ihrem politisch- und sittlich-religiösen Standpunkte, ihren Staatsbürgern und Landeskindern gegenüber. (Forts, folgt.)

Die Chartisten in England. (Schluß.)

Von ihren Leitern seit dieser Zeit in beständiger Anf- regüng erhalten, haben die Chartisten neuerdings wie­der ihre Volkscharte aufgelegt und dieselbe soll nach ihrer Angabe 5,706,000 Unterschriften zählen. Dieselbe sollte am 10. April dem Parlament übergeben werden, und war auf diesen Tag die Zusammenkunft von 2 bis 300,000 Chartisten in London augczclgt. In Wirklich­keit erschienen aber kaum 20,000, und diese wurden noch durch die getroffenen polizeilichen Anstalten ver­hindert, mit ihren Führern bis vor das Parlament zu ziehen. Die Volkscharte selbst, ein riesenhaftes Akten­stück wurde rollenweise gepackt, auf einem eigenen von Pferden gezogenen Wagen herbeigeschleppt. Mehrere Männer unterstützten O'Connor, als er diese Bittschrift im Unterhause ausbreitete.

Von beiden Seiten artete an diesem T'ge der Ernst in das Läche liche aus: von Seite der Cbartisten, indem ihre drohenden, kriegerischen pomphaften Reden für den 10. April einen weltgeschichtlich n Tag, den Beginn einer neuen Periode für England vermuthen ließen; von Seite der Londoner Aristokratie und ehrbaren Bürger­schaft, indem sie sich durch diese schon so oft gehörte Re­densart bis zu einem halbkomischen Grade der Furcht einschüchtern ließen; viele Häuser waren von Innen verbarrikadirt, die Kaufläden, die Paläste der Großen fest verschlossen, die Fenster mit Läden versetzen. Und doch hat man Zeit genug gehabt, O'Connor kennen zu lernen, der auf dieselbe Weise agitirt wie O'Connell, und wie dieser in seinen flammenden Vorträgen zur Ausdauer mahnt Diese irländischen Agitatoren, O'Connell, O'Brien, O'Connor haben alle etwas Renommistisches; aber doch sind aus O'Connells Worten in Irland allmählich Piken er­wachsen, und auch O'Connors Worte müssen allmählich die untern Schiwten d.r englischen Bevölkerung aufrühren, bis der moralische Widerstand in einen physischen we­nigstens versuchsweise übergeht. Mehr als dieser irische Chartistenführer sind die britischen zu fürchten, die karger an Worten, aber entschlossener zur Ttzat zu sein fc^ inen.

Am 13. April erstattete Hr. Tbornley folgenden Be­richt über die chartistische Riesenbittschrift: O'Connor habe zwar versichert, daß die Biitschrift von 5,706,000 Personen unterzeichnet worden, nachdem aber das Komite