Kurze Zeit darauf wurde den Gefangenen angedeutet, daß dieselben aus dem Arrest zu Friedberg in das Arrest- hauS nach Darmstadt gebracht werden würden. Weidig, dessen Frau nach Friedberg gekommen war und die ihn dort oft besuchte, erbat sich von Georgi die Erlaubniß, noch einen Brief vor seiner Abreise nach Darmstadt an seine Frau schreiben zu dürsen, welche Erlaubniß ihm dieser nach einigem Weigern zugestand und ihm zu diesem Zwecke Diute und Feder nebst Papier mit auf sein Arrestzimmer gab. Einige Minuten darauf begab sich Georgi auf Weidigs Zimmer, um ihm diese Erlaubniß wieder zu entziehen; gab aber den dringenden Bitten und Vorstellungen Weidigs wieder nach, aber nur um sich nach einigen Minuten zum dritten Mal auf sein Zimmer zu begeben, um ihm dieselbe wieder zu entziehen, nachdem er kaum angesangen haben konnte, den Brief zu schreiben. Zuletzt zog sich Georgi nur zurück, nachdem der Accessist, der diese absichlliche Kränkungen nicht mehr länger ansehen konnte, sich erbot, bis zur Beendigung des Briefes in Weidigs Arrestzimmer anwesend zu bleiben. Beide Vorfälle, die ich aus meiner Arreststube beobachten konnte, gaben mir ein trauriges Vorspiel von dem, waS wir und besonders Weidig später von einem Manne wie Georgi zu erwarten hatten, in dessen unmittelbare Gewalt wir nach unserer Versetzung in das Arresthaus zu Darmstadt gegeben waren, wo selbst dem angestellten Verwalter des Hauses die Oberaufsicht über unsere Arrestzimmer genommen wurde und unsere Lage und Behandlung gänzlich von dem Willen Georgis und des ihm in allen Stücken willig und schweigsam dienenden Gefangenwärters abhängig war.
Eine der Hauptbeschuldigungen, welche gegen Weidig vorgebracht wurden, auf welche man ein ganz besonderes Gewicht legte und wofür man mit besonderem Eifer nach Aussagen für deren Bestätigung inquirirte, war: daß Weidig unter den jungen Leuten zu Butzbach, welche sämmtlich seine Schüler waren, den Grundsatz verbreitet habe, man sei nicht verbunden, in politischen Sachen der Regierung einen wahren Eid zu schwören. In wie fern diese Beschuldigung begründet war, und welche Mittel n Anwendung gebracht wurden, dieselbe zu erweisen, wird daS Nachfolgende erläutern. (Forts. folgt.)
Deutschland.
Frankfurt, 18. April. Nach Eröffnung der heutigen Sitzung des Fünfziger-Ausschusses erstattete der Präsident, Herr v. Soiron, Bericht über die ihm mtd dem Hrn. Buhl übertragene Sendung nach Ba- . en. Er führte an, wie sie Beide sowohl in Mannheim 'IS Heidelberg beruhigend gewirkt, erzählte dann, was äch in der gestrigen Kammersitzung zu Karlsruhe zuge- rragen, und schloß mit der Versicherung, daß einestheilS Lie Schilderhebung im Seekreise durchaus nichts Beunruhigendes habe, anderntheils auch eine Reaktion nicht zu fürchten sei, indem die Bürger eben so sehr, als sie Gewaltthat verabscheut, zur Erringung aller ihnen gc- Lührenden Freiheiten auf gesetzlichem Wege entschlossen ieien. Aus Antrag des Präsidenten wurde sodann beschlossen, die Einberufung H e ck e r S als Ausschußmitglied durch eine öffentliche Anzeige zurückzunehmen und den nächsten Stellvertreter, Schaffrath aus Leipzig einzuberufen.
AuS dem Seekreise, 15. April. Gestern Abend wschien Hecker mit seinem von verschiedenen Richtungen gesammelten Haufen, der übrigens kaum über 200 Mann zählte, in Engen; heute rückte er mit demselben in Geisingen ein. Er marschiere an der Spitze deS Zugs, in eine blaue Blouse gekleidet, mit einem Gürtel um 'en Leib, zwei Pistolen darin, einem Säbel an der Seite, mein weißgrauen Hute, mit einer Hahnenfeder auf dem Kopfe. Heute erließ er von Geisingen aus eine dro- renbe Aufforderung an die Bürgermeister und Gemein- deräthe. Die, welche nach Immendingen und Möhringen abging, ist unterzeichnet: „die provisorische Regie
rung : Hecker." — Als dieses Schreiben in Möhringen angekommen war, versammelte sich die dortige Gemeinde, welche einstimmig beschloß, sich dem hochver- râtherischem Zuge nicht anznschließen, sondern sich demselben, wenn er in die Gegend komme, durch die Wehrmannschaft zu widersetzen. Dieser Beschluß wurde den umliegenden Gemeinden mitgetheilt, welche sich mit demselben sofort einverstanden erklärten.
Breisach, 16 April. Ich komme soeben vom linken Rheinufer; mit eigenen Augen habe ich sehen wollen, wie es mit den vielbesprochenen und vielbefürchteten Arbeiter-Schaaren stehe, die zu uns herüberbrechen wollen. Ich traf deren etwa 230 Mann, gekleidet in graue Blousen, weißen Turnhüten, geschmückt mit Federn und schwarz-roth-goldenen Bändern, und mit nichts anderem als mit Pistolen und Dolchen bewaffnet. Es mögen höchstens 50 Deutsche (meistens Badener) darunter gewesen sein, die anderen sind Polen und Franzosen, zum Theil wildgewachsene Söhne der Pariser Barrikaden. Von Strasburg fortgewiesen, zogen sie rheinaufwärts und zwar zu Fuße, da sie die Mittel zur Eisenbahnfahrt nicht besitzen. In Neubreisach wollte sie der Festungs-Kommandant nicht einlassen, aus Befürchtung für die öffentliche Sicherheit Auf Verwenden des Maires jedoch gestattete man dem größeren Theil den Einlaß, und die Bürgerschaft quartierte sie aus Mitleid bei sich ein. Etwa 80 fanden ihr Unterkommen in Biesheim. — Ich fand sie guten Muthes, voll Entschlossenheit und über den Erfolg ihres Unternehmens gewiß. Man hatte sie von Altbreisach auS eingeladen, einzeln herüberzukommen, wo man ihnen beistehen, sie unrerstützeu und in ihre Heimath bringen werde. Davon wollten sie nichts wissen. Als man sie auf den Militär-Cordon aufmerksam machte, erwiederten sie lachend, man werde ihnen von drüben, d. h vom Schwarzwald auS, schon den Uebergang frei machen. Bei Breisach machten Einige Miene zum Uebergang; als sie aber unsere Bajonnette sahen, zogen sie sich wieder zurück. Heute nun sind sie weiter aufwärts gegangen, wahrscheinlich, um den Uebergang bei Hüningen zu versuchen. Andere sollen nachkommen, wie viele, gaben sie verschieden ân, bemerkend, das hänge von ihrem General Herwegh ab, der zu Strasburg im Rebstöckel sein Hauptquartier habe. (Fr. Z.)
Kiel, 12 April Bei Osterrade ist gestern ein Freikorps von 30 Mann aufgehoben worden, welches ein gewisser Schirmer, der mit dem braunschweigischen Freikorps in Rendsburg eingerückt, aber weil er seine Kameraden den Dänen zuführen wollte, kassirt worden war, in dänischem Interesse errichtet hatte. (B. H )
Botzen, 13 April. Die Piemontesen sind in Indikanen Ungebrochen und biSTione, nach Andern bereits bis Stenico vorgedrungen, amtliche Mittheilungen darüber fehlen. Ihre Anzahl wird auf 600 Mann regulären Militärs und 2000 Mann Freischaaren angegeben. Die ihnen gegenübergestandenen Feldjäger sind dem Vernehmen nach vor der Uebermacht zurückgewichen. Heute rückte hier ein Bataillon Schwarzenberg Infanterie ein, welches die bedrohten Stellen verstärken wird. Aus Vintschgau langte gestern Abends eine Staffette an, die den Einfall einer Frcischaar von 4—500 Mann über das Stilfser Joch und ihr Vorrücken bis zur Fran- zcnhöhe meldete. Die letzte Nachricht spricht bereits vom Brand einer Cvntine. Vor GlurnS steht eine Compagnie Tiroler Jäger, die Passeirer rückten mit 2 Compagnien über das Gebirg zu Hilfe, die Bevölkerung vom Vintschgau ist aufgeboten: von hier ging eine Abtheilung Chevaurlegers, etwa 100 Mann Fußvolk und 2 Kanonen, dahin ab. Deutsche Brüder! wir brauchen nicht bloß Pulver, Blei und Mundvorrath, sondern Hülfe deutscher Männer. Allem Anschein nach ist die ganze Grenze mit Wälschen bedroht. (A Z.)
Berlin, 12. April. Die Unterhandlungen wegen völliger Einverleibung des FürstenthumS Neuenburg in die Schweizer Eidgenossenschaft und wegen Aufgabe der