fielen in einer heute auf der Kursaalwiese improvisirtcn Versammlung. Sei derselben war auch der bekannte â-rr Böhning mit einigen Helfershelfern anwesend und suchte die Unzufriedenen zu belehren. In welchem Sinne dies geschehen sei, kann ich nicht wohl angeben da Herr B. etwas schwankend in seinen Gesinnungen ist. Am 2l. März veröffentlichte derselbe bekanntlich Un Gedicht, in dem er Herzog Adolph als Deutschlands Stern pries, und ihn aufforderte, den seinem Ahnherrn geraubten Kaiser thron wieder zu erkämpfen. Am 4. April — also 14 Tage später — sehen wir ihn unterzeichnet als Mitglied des „republikanischen Komites"— und heule — es sind gerade wieder 14 Tage — hat er möglicherweise zum drittenmal die Farbe gewechselt. Wenn indessen die Ausstreuungen B'S. ohne Erfolg bleiben sollen, so wird eine geeignete Belehrung bei den aufgelegten Truppen gewiß nicht ihre Wirkung verfehlen.
X Höchst, 15. April. Auch hier ist am vorigen Mittwoch ein Bürger-Verein ins Leben getreten, der den Zweck hat, das politische Bewußtsein in dem Volke zu regen und zu stärken. Politische Zeitschriften jeder Farbe, sowie freie Vorträge und Besprechungen über die Zeit- fragen sollen als Mittel dienen, jenen Zweck zu erreichen. Der Verein zählt nahe an 200 Mitglieder; sämmtliche Angestellte dahier haben sich demselben angeschloffen und somit selbst die Kluft entfernt, welche bisher zwischen dem Staatsdiener und dem ihn doch besoldenden Bürger vorhanden war. So schwindet ein Zopf nach dem andern; denn nur durch vertrauliche Annäherung kann daS Mißtrauen-beseitigt werden, welches bis jetzt der Bürger gegen den Staatsdiener hegte; nur muß der Beamtete jedes Hervordräugen, jedes zur Schau tragen seiner volksfreundlichen Gesinnungen, alles, was an irgend .ein Ueèergewickt, an ein Streben nach Geltung und Herrschaft erinnert, vermeiden, wenn er nicht neues Mißtrauen erregen will.
Heute waren die Mitglieder der Sicherheits-Comite's des' Amts hierher eingeladen um sie mit dem neuen Wahlgesetz näher bekannt zu machen. Wer von hiesigem Bezirk gewählt werden wird, darüber läßt sich noch Nichts sagen, als das, daß die meisten Stimmen auf Männer des Volks, auf Leute, welche unter dem Volke gelebt, seine Bedürfnisse, seine Lasten und Leiden kennen gelernt haben, fallen dürften.
Verschiedenes.
— Die evangelischen Geistlichen des Herzogthums werden am. 26. Äpril in Idstein eine freie Besprechung und Berathung halten über dasjenige, was in dieser neuen Zeit zu ihrem und der Kirche Frieden dient. — Die. israelitischen Geistlichen und Religionslehrer sind ebenfalls zu einer Besprechung über die zukünftigen Gestaltungen des Synagogen- und Schulwesens auf den 1. Mai nach Limburg berufen.
Die Nachricht von einer entdeckten Militärverschwörung unter der ruff. Garnison in Warschau bestätigt sich. Eine Menge Offiziere sind in Folge dessen verhaftet worden.
Ein Dekret der provisorischen Regierung in Mailand verbannt die Jesuiten aus der Lombardei und belegt alles Eigenthum derselben mit Beschlag. — In Linz erhielten die Jesuiten ebenfalls den Auftrag, abzureisen. — In Rom sind sie jetzt sammt und sonders gewichen. Pater Roolhan, General des Ordens, hat sich nach London gewendet. Ob er da seinen steten Sitz aufschlagen oder nach Nordamerika gehen wird, ist noch unbekannt. Die Jesuiten haben sich mit Allem, namentlich in pekuniärer Hinsicht, trefflich versehen und hinterlassen mehr als 50,000 Scudi Schulden, deren Bezahlung dem Staat, der in ihre Mobiliarverlassenschaft eintritt, auf dem Hals ruht.
Das Grab des charakterfesten und unglücklichen
Volksfreundes
Dr. Friedrich Ludwig Weidig in Darmstadt soll wieder hergestellt und eine geine i II N ützige S tif- tung mit dieser Wiederherstellung verbunden werden.
Ueber die Natur der Stiftung entscheidet demnächst eine Generalversammlung.
Um Beiträge zur Ausführung des Vorhabens wird gebeten. Auch die kleinsten sind willkommen.
Darmstadt, den 6. April 1848.
Der Ausschuß:
K. Buchner D. Heß. Knaub. G Martel.
F. Ruths. L. Schünemann. Wetzel.
(An die Wähler des Amts Wiesbaden..
Die egyptische Finsterniß, die 30 Jahre über unserem Lande ausgebreitet war, hat es uns unmöglich gemacht, unsere tüchtigen Männer kennen zu lernen. Daher kommt es, daß jetzt Viele unentschlossen sind, wem sie ihre Stimme für den nächsten Landtag geben sollen. Hier den Weg zu zeigen, hier nach bestem Wissen und Ge wissen die öffentliche Aufmerksamkeit auf gesinuungs tüchtige, im praktischen Leben erfahrene und patriotische Männer aufmerksam zu machen, ist Pflicht der Presse. Von dieser Ansicht ausgehend, glaubt. der Volksfreund Herrn Kaufmann J. G. Ruß zu Wiesbaden als einen Mann bezeichnen zu können, der durch seine Kenntniß e in Sachen des Handels und der Gewerbe, durch feint Thatkraft, seinen oft und glänzend bewiesenen Gemein- sinn, vor vielen andern zu der Ehre berufen ist, Volksvertreter zu fein. — Indem wir diese Ansicht aussprechen, glauben wir von keiner Seite Widerspucb zu finden, um so weniger, da Herr Ruß schon öfters bewie sen hat, wie z. B. bei der ersten nassauischen Gewerbe, ausstellung, wo er die schwierigsten und zugleich undankbarsten Arbeiten mit edler Bereitwilligkeit übernahm, daß ihm das Wohl und die Ehre des ganzen Lau des nicht weniger theuer sind, als daS Gedeihen seine. Vaterstadt Wiesbaden. 8.
Sylbenräthsel. Wreisylbig.)
Die beiden ersten Sylben künden Den Mann der Hoheit dir und Macht, Die dritte Sylbe ist zu finden Verbreitet in der Erde Schacht.
Das Ganze:
Ein Städtchen ist's in Nassaus Gauen
Nah' einem Riesenberg zu schauen. G. K.
Privat-Anzeig en.
kS» In der I. A Stein'schen Buchdruckern dahier ist br zweite Stock des Hauses, bestehend in 6 Piepen, nebst Küche, tir dritten 2 Mansarden, nebst 4 Alkofen , mehreren Kammern Speicher, Holzstal!, Keller, Mitgebrauch der Waschküche und b ■ Bleichplatzes zu vermiethen, und den 1. October l I. zu b, ziehen. —
(7) Das zweistöckige Wohnhaus Nro. 47 auf dem Heidenberg- dahicr gelegen, massiv von Steinen erbaut, mit Hofaum und einem geräumigen Garten versehen, ist unter vortheilbaften Bedingungen aus freier Hand zu verkaufen. Näheres hierüber bei dem Eigenthümer.
Cours der G c l d s o r t c u.
■ Frankfurt, 17. April 1848.
sl.
kr.
Neue Louièd'or .
11
5
Friedrichèd'oc
9
58 1
Ducaten ....
5
37 i
20 Frank-Stücke .
9 -
46
Holländische 10 fl. Stücke
10
6 '
Englische Souverains .
12
3
Laubthaler .
2
431/
Preußische Thaler.
1
45 ■
Verantwortlicher Redacteur : Lippe. — Druck der I. A. S t e i n'schen Buchdruckerei zu Wiesbaden.